Die Addams Family und der Gruftkult

50 Jahre hat die liebenswerte Schwarz-Weiß-Familie bereits auf dem TV-Buckel, bereits davor gab es Cartoons mit Gomez, Morticia & Co. Mit einem brandneuen, deutschsprachigen Musical geht die Saga um die Addams Family nun weiter …

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Er ist nicht neu, der dramatische Unterschied zwischen New York und dem Rest der USA. Das war schon immer so. Im Wahlkampf sorgte Ted Cruz mit einer abfälligen Bemerkung über Donald Trump und die „New York Values“ für Aufregung, was die nach wie vor tiefe Kluft zwischen dem provinziell-konservativen Amerika und dem pulsierenden Big Apple deutlich machte. Nichts anderes hatte der Cartoon-Zeichner Charles Addams im Hinterkopf, als 1938 die ersten Zeichnungen der sehr schrägen Family im The New Yorker-Magazin erschienen.

Blanker Horror

Inspiriert durch seinen Geburtsort Westfield in New Jersey, der von viktorianischen Villen und archaischen Friedhöfen geprägt war, verdrehte er das Klischee der typisch amerikanischen Familie ins Gegenteil: Die Addams haben Freude an allem Makaberen, Bizarren und Grotesken. Sie bemerken nicht, dass ihre Welt zwischen Thing (dem eiskaltem Händchen), Morticias Lieblingsblumen, den kopflosen Rosen, und Töchterchen Wednesdays Mordanschlägen an Bruder Pugsley für Normalos ein Horror ist.

Das bewegte Bild

Im Original bestehen die Addams-Cartoons übrigens aus etwa 150 einseitigen Zeichnungen, die bis zum Tod des Zeichners 1988 erschienen. Allerdings gab Charles den Charakteren seiner Family keine Namen – sie entstanden erst für die Kult-TV-Serie, die es beim Sender ABC leider nur auf zwei Staffeln brachte (1964–1966). Ein Schicksal, das sich die „Addams Family“ mit den gleichzeitig laufenden „The Munsters“ teilte, die Konkurrent CBS ins Rennen schickte: „The Munsters“ brachten es auf 70 Folgen, die „Addams Family“ bloß auf 64 halbstündige Episoden.

Weg vom Ursprung

Klar, dass die ursprünglichen Persiflage-Elemente, die die „Addams Family“ ausmachten, in allen nachfolgenden Formaten – von einer Zeichentrickserie über Versuche von Remakes bis zur kanadischen TV-Serie „The New Addams Family“ (lief 1998 und 1999) und den zwei Kinofilmen (1991 und 1993, ein dritter Teil scheiterte am Tod des Schauspielers Raúl Juliá, der Gomez impersonierte) – verloren gingen.

Das gilt auch für die Musical-Version, was dem Riesenerfolg der Broadway-Produktion freilich keinen Abbruch tut. Für die neue Story quartierte man die Addams Family in einer viktorianischen Villa im Central Park ein, ließ einige Jahre vergehen und legte die Handlung ein wenig romantisch an: Die mittlerweile 18-jährige Wednesday datet einen New Yorker Normalo. Als sich beide Familien kennenlernen sollen, prallen die Grusel- und die reale Welt aufeinander, dass Tränen gelacht werden dürfen. Die feine Klinge der zynischen Betrachtung der US-Vorstadtklischees bleibt auf der Strecke, was familientaugliche Songs und Gags wettmachen. So wird das Musical „The Addams Family“ mit Uwe Kröger als Gomez zum wunderbaren Family-Entertainment.

Nun darf man gespannt sein, ob sich „The Munsters“ ebenfalls aus ihrer Gruft emporschwingen, um die Musical-Bühnen zu erobern …

 

Zwischen 2. und 9. November erleben wir im MuseumsQuartier (Halle E) die Wien-Premiere des Broadway-Musicals The Addams Family mit Uwe Kröger und Edda Petri Noah Walczuch in den Hauptrollen.

https://www.youtube.com/watch?v=5shUqscWbL0

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