Die Ärzte – auch super, auch neu, auch auch!

Die bisher letzten neuen Songs der Berliner Kultband gab es vor fünf Jahren. “Jazz ist anders” katapultierte das Trio wieder eine Stufe weiter die Erfolgsleiter hinauf – zu einem der größten Publikumsmagneten im deutschsprachigen Raum. Dann widmeten sich die Ärzte wieder Solo-Projekten, um nun mit “auch” einen neuen Longplayer vorzulegen, mit dem es auf große “Das Ende ist noch nicht vorbei”-Tournee geht. TICKET traf Bass-Mann, Gitarrist, Sänger und Keyboarder Rod Gonzales zum Interview.

 

TICKET: Das neue Album habt ihr “auch” benannt. Auch was…?

Rod Gonzales: Auch auch! Die Ärzte sind auch super! Die Ärzte haben auch ein neues Album! Die Ärzte befinden sich auch gerade in Wien. (lacht)

TICKET: Ein Titel stellt die Frage: “Ist das noch Punk-Rock?”. Sind die Ärzte heute noch Punk-Rock? Der Song selbst ist ja wie für die Charts gemacht!

Rod: Meinst du, das könnte ein Hit werden? Ja, es könnte Punk-Rock sein. Es hat die klassischen Punk-Elemente, es hat ein griffiges Gitarrenintro, es erfüllt alle Kriterien, die ein Punk-Song haben muss, und es erfüllt selbst Charts-Kriterien, indem es im Refrain doch eher elektronischer zugeht.

TICKET: Als ich die Ärzte so vor zwanzig Jahren zum ersten Mal interviewt habe, galten sie noch als Outlaws, als die bösen Buben. Wie fühlt es sich an, gerade mit den letzten Alben im Mainstream angekommen zu sein?

Rod: Die Ärzte brauchten ein bisschen dahin. Seit ich dabei bin, hab’ ich immer schon propagiert: Jungs, wir könnten auch die größeren Bühnen spielen! Da hieß es immer, nee, das ist zu unpersönlich, da spielen wir lieber zwei Wochen in einem Club als auf einem Festival. Es gab dann das erste einschneidende Erlebnis, als wie bei Kiss FM als Special Guests die ganz großen Hallen hatten. Da merkten wir, dass die Ärzte auch in den großen Hallen funktionieren, dass man da auch eine gewisse Interaktion zusammenbringt.

TICKET: Im Radio laufen eure Titel dann nach Britney Spears…

Rod: Das ist absurd, extremst absurd, dass wir drei mit dem, was wir machen, so viele Leute erreichen und die sich damit identifizieren. Auch wenn wir Mainstream sind, weil viele Leute uns hören, nehmen wir uns die Freiheit heraus, Dinge anders zu machen. Diese Freiheit haben wir uns erspielt und die bewahren wir uns.

TICKET: Erst am Ende des Albums wird es härter, der Rest ist, im Gegensatz zu “Jazz ist anders”, nicht so kräftig…

Rod: “Jazz ist anders” war eine düstere Platte, ernsthafter, und sie hat ein paar politische Lieder gehabt…

TICKET: Ich hätte mir in diesen Tagen gerade politische Statements erwartet…

Rod: Mit “Jazz ist anders” ist dieser Themenbereich ganz gut abgeschlossen worden. Wir würden uns nicht hinsetzten und das wiederholen wollen. Wenn man sich wiederholt, kann man es nicht besser machen. Deshalb haben wir dieses Mal persönlichere Themen reingenommen, oder allgemeinere Themen, wobei die Schwierigkeit bestand, wie man das schön verpacken kann, dass es Spaß macht, zuzuhören. Ich glaube, das ist uns gelungen auf dem neuen Album!

TICKET: Beim Recherchieren fiel mir auf, dass ihr schon 2008 einen Preis für das Lebenswerk bekommen habt. Ein bisschen früh, oder?

Rod: Wir kriegen ja ständig Einladungen für irgendwelche Awards… ihr könnt uns gerne einen Award geben, aber wir kommen nicht vorbei, um uns das abzuholen. Ja, Livetime Achievement ist ein bisschen früh, da hat man uns schon früh begraben eigentlich.

TICKET: Älterwerden als Punk-Rocker… was verändert sich?

Rod: Hmmmm… Wenn du speziell anspielst auf Sex, Drugs & Rock and Roll… die wilden Partys hat man gemacht, war auch super, man hat versucht, das zu wiederholen, es war nie wieder wie die Male davor. Und je öfter du das probierst, desto weniger erreichst du den Spaß, den du mal hattest, als du 25 warst. Dann lässt man das einfach mal sein. Siehe da, auf einmal macht man das nur noch ganz pointiert und seltener, dann ist es wieder einiger Maßen cool, nochmal durchzudrehen. Dann geht man eher mehr als Genießer durch das Leben. Das hat vermutlich etwas mit Altersspießigkeit zu tun. (lacht) Ich möchte die Partyzeit nicht missen, denn da würde mir eine gehörige Portion Lebenserfahrung fehlen.

TICKET: Mit der ersten Single “ZeiDverschwÄndung” mischt ihr ein Wenig mit Internet-Junkies, aber auch fanatischen (Ärzte-) Fans auf…

Rod: Man kann alles übertreiben! Heute hat jede Bands Nerds und Trolle, die sich in den Fan-Foren unglaublich wichtigmachen. Die fühlen sich als bessere Fans, weil sie mit ihrer Lieblingsband so kritisch umgehen können, das beobachten wir auch, speziell in unserem Gästebuch.

Interview: Alexander Haide

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