Die Blues-Legende Hans Theessink wird 70

Hans Theessink

Arbeiten am Geburtstag. Zu seinem 70er schenkt Hans Theessink seinen Fans gleich vier Konzerte im Wiener Metropol mit einer hochkarätigen Schar an Gästen. Anlass genug, sich mit dem gebürtigen Holländer mit Wohnsitz in Wien-Ottakring zum Plausch zu treffen.

Hans TheessinkWenn am 5. April der eigentliche Jubeltag ansteht, hat Hans Theessink sein erstes „Birthday Bash“-Konzert bereits hinter sich und steht abends wieder auf der Bühne des Wiener Metropols. Gemeinsam mit Kollegen und Weggefährten feiert er insgesamt vier Tage hintereinander: Am 4. April mit der Hans Theessink Band und den Blind Boys of Alabama; am 5. und 7. April sind u.a. Blue Groove, die Valentinos und einen Teil der Untouchables dabei; am 6. April gesellen sich Ernst Molden, Willi Resetarits und Schiffkowitz unter anderen zu Hans auf die Bühne.

Dein 70. Geburtstag steht bevor, gehen dir da besondere Gedanken durch den Kopf?

Hans Theessink: Man wird halt immer älter und die meiste Zeit liegt hinter einem. Deshalb auch der Rückblick, mit wem man gearbeitet hat und der Versuch, alle wieder zusammen zu bringen. Solange man gesund ist und solange man Spaß an der Musik hat, gilt das Alter nicht so richtig. Also es macht mir noch keine Probleme, lass es uns so sagen.

Bist du privat ein Partytiger und nun das ganze Jahr im Geburtstagsstress oder lässt du es gemütlich angehen?

Hans Theessink: Nein, das ist das einzige Mal. Meine Frau Milica ist da sehr rührig, aber bei mir sind es die paar Konzerte und ein Privatfest. Das war’s dann. Aber ich finde, es ist jedes Jahr ein guter Anlass für Konzerte. Die Leute wissen das und kommen von überall her, aus ganz Europa, aus den USA und Kanada. Sogar aus Australien kommen Leut‘ extra zu diesen Konzerten.

Deine „Birthday Bash“-Konzerte haben ja schon Tradition, dieses Mal wird es aber eine ganz große Sache. Ist das etwas Besonderes?

Hans Theessink: Ja, aber das ist schon Tradition geworden. Mit dem 60er hab‘ ich damit angefangen und bisher waren es immer zwei Konzerte. Jetzt sind es zum 70er vier Tage. Ich hab‘ mir vorgenommen, alle meine Kollegen einzuladen, mit denen ich immer wieder unterwegs war. Die werden alle kommen und mit mir diese Konzerte bestreiten. Wir haben auch die Möglichkeit bekommen, die Blind Boys of Alabama am 4. April einzuladen und diesen Tag noch hinzugefügt. Das wird eine Blues-Nacht.

Bereitest du dich auf diese Konzerte speziell vor oder ist es Business as usual und es sind lockere Sessions?

Hans Theessink: Ich muss mir einiges überlegen, denn es kommen sehr viele Leute aus verschiedenen Perioden zusammen. Da muss man schon schauen, welche Lieder wir alle gemeinsam machen können oder wer wo einsteigen könnte. Ich versuche schon, die Verbindungen herzustellen und schau‘, dass ich das Programm gut gestalte. Das ist eine ziemliche Hacke, ich hab‘ schon zwanzig Set-Lists ausgedruckt aus den letzten Jahren um damit zu einem guten Programm zu kommen.

Also auch mit 70 bleibt dir das Üben nicht erspart?

Hans Theessink: Das ginge, wenn man nur mit einer Band spielt, immer mit den gleichen Personen. Wenn du aber vier, fünf Einheiten hast, musst du schon schauen, wie du das organisierst damit es relaxed aussieht.

Wie lange probst du für derart aufwändige Konzerte?

Hans Theessink: Wir haben einen Probentag ausgemacht, da kommen dann alle. Es ist ja nicht so, dass wir alles durchproben, sondern nur, damit jeder ungefähr weiß, was passiert.

Es muss also nicht perfekt sein?

Hans Theessink: Wenn gute Sänger und gute Musiker zusammenkommen, kommt immer etwas dabei raus. Ob da jede Note perfekt ist oder nicht, ist mir eigentlich wurscht. Wichtig ist, dass die Chemie stimmt und dass es ungewöhnlich ist.

Dreißig Alben, fünfzig Jahre auf Tour. Wie sieht deine persönliche Rückschau aus?

Hans Theessink: 1979 bin ich das erste Mal nach Österreich gekommen und hängen geblieben. Ich hab‘ dann mit den unterschiedlichsten Bands gearbeitet. Was mich freut ist, dass wir jetzt Blue Groove wieder zusammenbringen, das letzte Konzert war etwa 1999. Ich laufe nichts mehr nach, es gibt nichts, was ich noch unbedingt machen muss. Ich möchte spielen, solange es mir Spaß macht.

Politiker bezeichnet man als Elder Statesmen, du wurdest jetzt nach Kansas City eingeladen zu einer Blues Konferenz namens „Wisdom of the Elders“. Wie fühlt man sich als Autorität?

Hans Theessink: So fühle ich mich gar nicht, ich spiele die gleiche Gitarre, die gleiche Musik, die ich vor dreißig Jahren auch gemacht hab‘. Solange man gesundheitlich gut drauf ist, merkst du die Jahre gar nicht.

Hättest du dir je gedacht, dass du dein gesamtes Leben mit Musik bestreiten kannst und nie einen normalen Job gebraucht hast?

Hans Theessink: Als ich als Junger angefangen hab‘, wusste ich nicht einmal, dass es so etwas wie Berufsmusiker gibt. Das ist mir gar nicht in den Sinn gekommen. Aber ich hab‘ gerne gespielt, dann hat man mich zu Festln eingeladen, wo man ein bisschen was bezahlt bekam. Das ist ja nicht ganz so schlecht, hab‘ ich mir gedacht, wenn man etwas gerne macht und dafür auch noch bezahlt wird. Dem bin ich nachgegangen und zum Glück hat es wunderbar geklappt. Ich hab‘ immer von der Musik leben können. Am Anfang gab es auch magere Jahre, aber wenn man jung ist und nicht zu große Ansprüche hat, ist das wurscht, Hauptsache man muss nichts in einer Tretmühle machen, wo man kaputt gemacht wird. Ich bin sehr dankbar, dass es so gekommen ist.

Gibt es einen Punkt, wo du aufhören wirst?

Hans Theessink: Na, das glaub‘ ich net, aber das weiß ich net. Das Musikmachen, auf der Bühne zu stehen und das Publikum zu unterhalten ist traumhaft. Aber die ganze Herumreiserei kann schon anstrengend sein. Das Auf- und Abfahren der deutschen Autobahnen, sechs, sieben Stunden bis zum nächsten Konzert ist nicht unbedingt ein Riesenspaß. Ich mach‘ eh schon ein bissl weniger. Solange es mir Spaß macht, werd‘ ich auch spielen. Eine Neugierde ist immer da.

Stimmt es, dass man mit dem Alter als Musiker immer besser wird? Oder ist das nur ein Gerücht?

Hans Theessink: Besser kann man nicht sagen. Man ist gereifter und kann vielleicht mehr Ausdruck in die Musik legen. Ob man besser wird? Elvis hat sicher als junger Mann schöner gesungen als später.

In den vergangenen Monaten sind einige deiner Weggefährten von den Dubliners, aber auch dein musikalischer Gefährte Terry Evans überraschend verstorben. Was geht dabei in dir vor?

Hans Theessink: Es ist natürlich schrecklich. Mit Terry Evans war ich im vergangenen August und September auf Tournee. Er wollte bald wieder nach Wien kommen, zu meiner Geburtstagsfeier und hat sich schon darauf gefreut. Das geht jetzt nicht mehr. Das ist ein Riesenschock und man denkt schon, dass jeder Moment, jeder Tag der letzte sein könnte. Deshalb ist es wichtig, dass man die Zeit die man hat, ausnützt und so gut wie möglich über die Runden bringt.

Lebt man da bewusster?

Hans Theessink: Das glaub‘ ich schon. Man muss schauen, dass man jeden Tag bis zum Maximum ausnutzt und sein Leben möglichst gut gestaltet. Man erhofft sich natürlich, dass man noch viele Jahre bei guter Gesundheit ist. Es ist aber nicht so, dass ich Angst habe, es könnte morgen vorbei sein. Es kommt, wie’s kommt. Ich hab‘ da keine Ängste.

Wie gehst du eigentlich mit dem Titel „Legende“ um, der dir oft zugeschrieben wird?

Hans Theessink: Ich dachte immer, Legenden sind die Toten. So etwas wird einem angehängt. Titel wie Star oder Legende nehm‘ ich mit einem Augenzwinkern. Wenn die Menschen einen verehren und gern mögen, ist schon eine wunderbare Sache.

Hans Theessink spielt zu seinem Siebziger im April im Metropol. Tickets gibt es bei oeticket.com. Zur Einstimmung noch ein Buchtipp: „Hans Theessink Big Bill’s Guitar“ von Dietmar Hoscher, erschienen im echomedia Buchverlag.

Der Beitrag gefällt dir? Jetzt teilen!

[i]
[i]