Die Ente bleibt draußen

Loriot wollte in Pappa ante Portas für einen kleinen Kulturkreis als „bedeutenster, lebenster Vertreter moderner Lyrik“, Lothar Frohwein, 22 Gedichte aus dem Zyklus Abschied, acht Balladen aus seiner frühen Schaffensperiode, gefolgt von der Sonnettensammlung Die 12 Monate präsentieren. Hierauf sollten drei Kapitel aus dem Roman Pedokles, und zum Schluss ein Trauerspiel in drei Akten mit dem Titel Goethe in Halberstadt zum Besten gegeben werden. Über die Melusine  kam er jedoch nicht hinaus. Stermann und Grissemann halten sich nicht beim „Krawehl, Krawehl!“ auf.

Als Victor Bülow, besser bekannt als Loriot, 2011 verstarb, starb für Deutschland der Humor – zumindest dann, wenn man darunter mehr versteht als den Schuhtick der Freundin und Grimassen, die aussehen wie ein Mini nach einem Frontalbuserer. Kein Wunder, dass Dirk Stermann – selbst Deutscher – daraufhin im profil seiner Heimat attestierte, dass es nun „eng werde“. Keine Hoppenstedts mehr, die es sich gemütlich machen mögen (und dabei darf es auch gern ein bisschen „Puff!“ machen), die Nudel im Gesicht wandert ins Leere, plötzlich hängen alle Bilder gerade und mein drei Minuten gekochtes Frühstücksei will nun auch nicht mehr richtig schmecken.

Noch zu Loriots Lebzeiten planten Stermann und Grissemann eine Lesung mit dessen Texten, er gab umgehend sein Einverständnis. Dass aus dem Hutziehen ein Nachruf wurde, ist tragisch. Nur zu gern hätte man nochmals Loriots „Ach!“ aus dessen Mund gehört. Aber lassen Sie sich gesagt sein: Für zerbröselte Kommunikation, immerhin das A und O bei Loriot, sind die beiden Herren Stermann und Grissemann auch ganz hervorragend, wie sie vor einigen Jahren auch schon im Rahmen zahlreicher Lesungen von Klassikern der Weltliteratur im Wiener Radiokulturhaus bewiesen. Es mag so manchem Loriot-Anhänger vielleicht sauer aufstoßen, dass sich das Duo, bekannt für den derben Schmäh mit dem Holzhammer und der Political Incorrectness, dem großen Meister des deutschen Humors überhaupt widmen darf, noch dazu öffentlich. Aber es darf gesagt sein: Der Deutsche und sein kleinerer Kollege machen ihre Sache toll und in aller Ehrfurcht, sowohl sprachlich wie auch in Gestik und Mimik beweisen sie Eleganz – mit eigener Note. Und wer wollte Stermann und Grissemann nicht schon immer gemeinsam in der Badewanne sehen?

Einzig, der fahle Nachgeschmack: Früher war mehr Lametta (und deswegen bleibt auch unsere TICKETente einstweilen einmal draußen) …

 

Auch die TICKETente bleibt draußen

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