Die Ermi-Oma über Krieg und Kekse

Alte Menschen werden gerne abgeschoben. Ins Heim. Weil: Alte Menschen sind mühsam, reden immer nur das Gleiche und vom Krieg und tun in die Backe kneifen. Aber Überraschung! Die Ermi-Oma zeigt, dass man auch im Alter noch a ordentliche Goschn haben kann!

 

Danke liebe Ermi-Oma, dass Sie sich für mich Zeit genommen haben. Ist viel los im Heim, so kurz vor Weihnachten?

Ermi-Oma: Jo, die Schwestern rotieren wie die Hubschrauber. Die hoben so vül zum Tuan, z Weihnochten tuans uns schniegeln, striegeln, kampln und die Zechnnägl zruckstutzen. Jo sie miaßns tuan, weil wenn die Verwaundschoft a mol im Joahr vorbeikummt – do kommens am 23. Dezember, damit’s am 24. sogen können, gestern woa ma bei da Oma, schön hot sie’s – miaß ma jo schön grichtet sein!

 

Meine Oma buk viel und gut. Wieso schmecken Oma-Süßspeisen immer einfach anders, besser?

Ermi-Oma: Jo wals afoch besser san. Die Jungen können des jo goa net mehr, die können net amol mehr gscheite Vanüllekipferl mochen, net amol an Keksteig können’s, den kaufens im Kaufgschäft fix und fertig! Des hätts bei uns net geben!

 

Was sind denn eigentlich Ihre Lieblingskekse?

Ermi-Oma: I darf goa net, wal i bin a Dibeterin!

 

Und was ist am heutigen Weihnachten anders als damals?

Ermi-Oma: Früher is eher um den Erlöser gaungan, heit draht sichs mehr um die Erlösung aus der Wirtschaftskrise.

 

War früher wirklich alles besser, so wie viele Damen und Herren Ihrer Generation meinen?

Ermi-Oma: A geh, so a Blöd- sinn, ka Mensch behauptet, dass ois bessa woa, aba des Bessere woa besser und des Schlechtere woa holt goa ka Spaß.

 

Sind Sie eigentlich damals auch „Hitler-Schauen“ ge- gangen und haben sich in einen Ami verliebt?

Ermi-Oma: I hob den Kaiser gsehn, des woa a fescha Maunn! Blitzblaue Augen hot er ghobt und an feschn Bart, net so an Stumml wia da Hitla. Für’s Verlieben hom mia ka Zeit ghobt, mia hom goaweit und Kinder kriegt.

 

Meine Oma sagte gerne oft, „unterm Dollfuß hätte es das nicht geben“. Waren die Politiker dereinst bemühter?

Ermi-Oma: Na jo, schau, wennst bei uns in da Steiermoak den oidn Krainer Pepi hernimmst, der hot schon wos hergmocht. Es gibt holt im Leben immer Leut’ die’s guat moanan und wölche die sich nur bereichern wollen. Des is oft net leicht zum dakennen, beim Hitla hom zerst a die meißten docht, dass der zu wos taugt und daunn … A so a dummer Kerl!

 

„Pensionspolitik“ – kommt man da über die Runden?

Ermi-Oma: Jo mi werdens net mehr kündigen können, aber die Jungen tuan ma lad.

 

Früher waren die Rollenbilder auch noch klar getrennt. War das wirklich so schlecht, wie uns der Feminismus weismachen will?

Ermi-Oma: Mia hoben hoit imma gsogt: Zsaumm hoitn und beinaunda bleiben is mehr wert wia Gold und Göld, aba die Jungen glauben oft, sie miaßn ois hoben und daunn hobens hoit ka Zeit und daunn geht ois in Boch obi.

 

Ermi-OmaHaben Sie einen Beruf erlernt?

Ermi-Oma: Mia hoben holt noch richtig gearbeitet, mit die Händ, net so wie die Jungen! Tipp, tipp, tipp – in Kompjuta einitippen und daunn sogen, heit homma goaweitat!

 

Was halten Sie von „gendern“?

Ermi-Oma: Jo sicher, es ghörat so manches geändert!

 

War die „gsunde Watschn“ Teil Ihrer Erziehungspolitik?

Ermi-Oma: I woa goa nia nit in da Politik, do hättest mein Maun frogen miaßn. Aber der is schon laung vablichen.

 

Was stellen Sie sich unter folgenden Begriffen vor – ohne dass Sie jetzt Ihre Enkel als Telefonjoker bemühen: Twitter.

Ermi-Oma: Des is falsch, des schreibt ma mit Z.

 

Justin Bieber.

Ermi-Oma: I kenn nur den Sumpfbieber!

 

iPad.

Ermi-Oma: Palatschinken?

 

YOLO!

Ermi-Oma: Saft?

 

Komasutra.

Ermi-Oma: Schreibt ma mit a net mit o, des waß i vom Kreuzworträtsel!

 

Movember.

Ermi-Oma: Schon wieder falsch gschrieben! Gschlaumpert seids ihr, des hätts bei uns net geben! Des darf ana Zeitung net passieren, so vüle Fehler.

 

Wie darf man sich eigentlich Sie als Jugendliche vorstellen? Wilde Siebziger gefeiert?

Ermi-Oma: Na, na! In die Siebziger woa i schon fost in da Renten!

 

Können Sie mit Musikerinnen wie Miley Cyrus und Lady Gaga etwas anfangen? Schunkeln Sie da mit?

Ermi-Oma: Bum, bum, bum … Des is jo ka Musik!

 

Hören Menschen Ihrer Generation wirklich nur Klassik oder Schlager?

Ermi-Oma: Na des is a Blödsinn, tuats net die olten Leut für dumm vakaufn! Überleg amol wos für a Musik in die zwanzga Joahr woa! Des woa holt noch a Musik!

 

Wie geht’s Ihnen mit dem älter werden? Würden Sie gerne die Zeit anhalten können?

Ermi-Oma: Na die Zeit möcht i auf kan Foll aunholten. Mir geht des ewige „jung, dynamisch, erfolgreich und sexuell aktiv“ ghörig auf die Nerven. Es kummt wie’s kummt und des ghört a zum Leben dazua.

 

Wie oft besuchen Sie Ihren Hausarzt?

Ermi-Oma: Er besucht mich! Immer wenn a neiches Quartal aunfaungt kummt er zum E-Koatn schleiffen.

 

Haben Sie eine Liste von Dingen, die Sie noch unbedingt erleben wollen?

Ermi-Oma: Na, i hob gnua gearbeitet, hiatzt solln amol die aundern wos tuan. I loss mi net mehr hetzen!

 

Was denken Sie eigentlich über das Thema „Sterbehilfe“?

Ermi-Oma: Do gfollt mir die Lebenshüfe besser! Sterben wird jo erst interessant wenn des Leben unerträglich wird und wenn’s da beim Leben helfen, so dass du sölbstbestimmt und ohne Schmerzen leben kaunst, warum solltest daunn sterben wollen?

 

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