Die haben doch einen Knall, die Science Busters

Das kollektiv wohl erotischste Kleinkunsttrio ist über die Landesgrenzen hinaus hinlänglich ein Begriff. Soeben wurden sie für ihr Schneckenstreicheln-Buch von bild der wissenschaft ausgezeichnet und bekamen den Österreichischen Kabarettpreis verliehen, befriedigen aber auch abseits von Ehrungen Wissensdurst und Gier nach Amüsement. Dabei sind die Herren Oberhummer, Gruber und Puntigam wohl die einzigen, die ungestraft Präsidenten sprengen und Jesus – erneut – ans Kreuz nageln dürfen.

 

Langsam wird’s kalt. Ist kalt duschen tatsächlich gut fürs Immunsystem?

Science Busters: Nein, ob man kalt oder warm duscht, hat keine Bedeutung für das Immunsystem, sehr wohl aber für den Kreislauf. Durch das Kaltduschen ziehen sich die Blutgefäße zusammen, während sich beim Warmduschen die Blutgefäße erweitern. Das führt dazu, dass das Herz ein wenig belastet wird. Man erspart sich vielleicht das Joggen. In erster Linie dient Duschen jedoch der Reinigung, und die funktioniert mit warmem Wasser deutlich besser.

Eine Alternative, um sich etwas aufzuwärmen ist, die Kleidung auf die Heizung zu legen. Kann Kleidung dort Feuer fangen?

Science Busters: Wenn von oben kommend Außerirdische mit Flammenwerfern die Kleidung attackieren, dann ist ein Brand sehr wahrscheinlich. Sonst eher nicht. Die maximalen Temperaturen, welche bei modernen Heizkörpern erreicht werden, betragen zwischen 40 bis 60 Grad Celsius, während ältere Heizkörper 70 bis 90 Grad Celsius erreichen können. Die Zündtemperatur von Baumwolle beträgt aber 450 Grad Celsius und für die im Bekleidungssektor verwendeten Viskosefasern 238 Grad Celsius. Andere Kunststofftextilien haben noch eine wesentlich höhere Zündtemperatur. Textilien können sich daher beim Hinauflegen auf Heizkörper nicht entzünden.

Kann eigentlich heißes Wasser bei starker Kälte in der Luft gefrieren?

Science Busters: Das wiederum kann passieren, dazu gibt es auch beeindruckende Videos im Internet zu begutachten, aber es muss schon sehr kalt sein und das Wasser in Tröpfchenform vorliegen. Das heißt, wenn die Lufttemperatur weniger als etwa -30 Grad Celsius beträgt und man einen Becher heißen Wassers nach oben ausschüttet, gefriert das Wasser tatsächlich in lauter kleine Eiskristalle, bevor es den Boden erreicht.

Kann man wirklich vom Blick in den Schnee blind werden?

Science Busters: Wenn man direkt in den Schnee schaut, besteht in der Regel keine Gefahr, denn im Schnee ist es oft sehr dunkel. Das weiß jeder, der schon einmal kopfüber in den Pulverschnee getaucht ist. Die Reflexionen einer Schneefläche hingegen können auch unharmlos sein. Bei zu starker ultravioletter UV-Strahlung kommt es nämlich, ähnlich wie bei Haut am Arm, zu sonnenbrandähnlichen Verbrennungen von Horn- und Bindehaut im Auge. Das tritt durch Reflexion der UV-Strahlung im Schnee, insbesondere in größeren Höhen durch die stärkere Strahlung auf. Schutz bieten hier Gletscherbrillen, welche die UV-Strahlung zu fast 100 Prozent abschirmen, während normale Sonnenbrillen etwa 40 Prozent der UV-Strahlung durchlassen.

Wie kurz muss ein Vorname sein oder wie voll die Blase, damit man tatsächlich seinen Namen in den Schnee pinkeln kann?

Science Busters: Für diese Frage sind wir dankbar, damit haben wir gar nicht gerechnet und wir beantworten sie gerne. Es kommt darauf an, wie groß man den Namen schreiben will und in welcher Sprache. Wenn man nur dahintröpfelt, kann man sogar den Donaudampfschifffahhrtskapitän morsen, und in Steno geht sich auch Einiges aus.

Mit dem Herbst/Winter kommt auch die Erkältungszeit. Können Tiere den Menschen anstecken – und umgekehrt?

Science Busters: Natürlich können Tiere den Menschen anstecken, aber womit? Beulenpest funktioniert in jeder Jahreszeit und ein neuer Vogelgrippevirusmutant namens H6N1 feiert gerade Gleichenfest. Am meisten Menschen haben sich aber mit Tierliebe infiziert, was dann oft anderen Menschen wieder nicht zuträglich ist, etwa denen, die auch gerne jeden Tag eine Dose Essen auf dem Teller hätten, aber leider keine Katze in Österreich sind.

Was Erkältungen betrifft, so glauben viele Menschen, dass man sich aufgrund der Kälte ansteckt. Tatsächlich ist die Kälte vollkommen unbedeutend. Problematischer ist, dass man bei Kälte die Heizung einschaltet und das führt dazu, dass es in den Wohnungen feucht/warm ist. Dieses Klima sorgt dafür, dass wir uns anstecken, denn auch Bakterien und Viren haben es gerne warm. Also, immer alle Fenster offen haben, und nicht heizen, dann gibt’s auch keine Grippe und die Heizkostenrechnung bleibt überschaubar …

Der Duft von Maroni, Spekulatius und Lebkuchen – macht der eigentlich „high“?

Science Busters: Im Prinzip nicht, aber einige Gewürze können den Kreislauf anregen wie zum Beispiel Zimt. Sollte man einen zu hohen Blutdruck haben, sollte man damit vorsichtig sein. Hat man Zahnschmerzen, so kann man sich mit Eugenol – das befindet sich in der Gewürznelke – helfen. Aber bitte nicht direkt auf die Gewürznelke draufbeißen, sondern mit dem benachbarten Zahn. Umgekehrt führt der Schmerz dann zur Ausschüttung von Endorphinen. Will man diesen Genuss haben, braucht man nicht unbedingt Schmerzen erleiden, es reicht, wenn man Safran nimmt. Safran war früher ein Opiumersatz – kann man aber auch heute noch dafür verwenden. Das Problem ist die Dosis. Man muss schon sehr viel Safran zu sich nehmen, und wenn man 50 Packungen Safran kauft, dann fällt das erstens auf, zweitens kann man sich mit viel Safran vergiften wie mit jeder Droge, aber nur dann, wenn man davor nicht schon ausgiebig erbrechen muss.

Als rational denkender Mensch – feiert ein Herr Oberhummer „traditionelles“ Weihnachten, die Geburt Jesu Christi?

Science Busters: Meine Familie feiert Weihnachten wie die meisten ÖsterreicherInnen mit Weihnachtsbaum, Liedern und Festtagsessen. Weihnachten ist nämlich das Fest der Familie, Liebe, Freundschaft, Freude, Geschenke und der Wintersonnenwende. Dass da angeblich auch ein Religionsgründer geboren wurde, ist dabei nicht von Bedeutung. Es gibt tatsächlich aber auch etwas Naturwissenschaftliches in dieser Heiligen Nacht zu feiern. In dieser einzigartigen Nacht wurde Sir Isaac Newton geboren. Damit hatten wir Jahre später ein tolles Gesetz der Gravitation, der Mechanik, der Optik, die Erfindung des Spiegelteleskops, der Differentialrechnung und vieles mehr. Wahrlich ein Grund zu feiern.

Herr Oberhummer, kann eigentlich der „Stern von Bethlehem“ als Wegweiser tatsächlich existiert haben?

Science Busters: Es gibt drei Erklärungsversuche von Astronomen für den „Stern von Bethlehem“.

1) Komet: Ein Komet oder Schweifstern ist ein kleiner Himmelskörper von einigen Kilometern Durchmesser, der in den sonnennahen Teilen einen leuchtenden Schweif entwickelt.

2) Planetenkonstellation: Darunter versteht man wenn zwei Planeten scheinbar am Nachthimmel eng beisammen stehen.

3) Supernova-Explosion: Am Ende ihres Lebens können Sterne explodieren, und als neuer heller Stern am Himmel sichtbar werden.

Keine der obigen drei Hypothesen kann jedoch zufriedenstellend den „Stern von Bethlehem“ beschreiben. Das größte Problem ist jedoch, dass diese Himmelserscheinung nur von den drei Heiligen Königen gesichtet wurde und sonst nirgendwo auf der gesamten Erde erwähnt wurde. Es liegt der Verdacht nahe, dass sie neben Gold, Weihrauch und Myrrhe noch andere Substanzen mitgeführt haben, vielleicht sogar in ihren Blutkreislauf.

Herr Gruber: Zu Weihnachten gibt’s bei manchen Familien gerne Fisch. Stinkt der Fisch wie im Sprichwort tatsächlich vom Kopf her?

Science Busters: Ja, da sich die Kiemen am Kopf befinden. Der restliche Fisch ist von einer dünnen Schleimschicht umgeben. Dadurch wird der restliche Fisch gut geschützt. Bei den Kiemen gibt es aber diese Schicht nicht. Also können bei den Kiemen und im Maul die unangenehmen Keime als erstes Fuß fassen. Das riecht man dann …

Nachdem Silvester vor der Türe steht – lieber Herr Puntigam, steckt auf dem Plakat zu Supererde die Rakete tatsächlich „drinnen“? Und Herr Gruber, was würde passieren, würde man selbige anzünden?

Science Busters: Mit großer Freude nehmen wir zur Kenntnis, dass nach der Frage nach der Urinierbarkeit des Namens auch der Enddarm zu seinem Recht gelangt. Würde man die Rakete anzünden wollen, hätte man seine liebe Not, denn Holz oder gepresstes Papier brennen gar nicht so leicht. Würde man die Lunte entzünden, bekäme die alte Diskussion, ob man auf Verbrennungswunden Öl geben soll, neues Futter, denn solche würden möglicherweise vorbeischauen. Jedenfalls wäre der Schauwert groß, zumal in Innenräumen.

Silvester ist freilich auch der Tag der Silvesterknaller. Herr Gruber, Ihr eigenes beliebtes Rezept für die perfekte konzentrierte Sprengung?

Science Busters: Ich  empfehle eine Flasche Sekt, gut gekühlt, und um Mitternacht soll der Korken knallen. Das reicht mir. Durch das Knallen sollen böse Geister vertrieben werden, da ich an diese nicht glaube, muss es auch nicht knallen. Es wird jedes Jahr so viel geschossen, leider auf Menschen, dann müssen wir zu Silvester nicht auch noch knallen. Wenn man ein Experiment macht, dann gerne, aber nur so zum Spaß …

Herr Gruber, Sie sind ja bekanntlich ein Gourmet – was kochen Sie zu Weihnachten, was steht zu Silvester bei Ihnen am Menüplan?

Science Busters: Zu Weihnachten gibt es eine perfekte Weihnachtsgans. Diese wird gefüllt mit Semmelknödelfülle, und dazu gibt es dann Orangecreme. Will man eine perfekte Gans, so muss man sie zwei Tage vorher ordentlich mit Salz einreiben und beim Braten immer mit flüssiger Butter übergießen. Wichtig ist nur, dass sie nicht im eigenen Saft kocht – sondern auf einem Rost liegt. Zur Orangencreme: einfach etwas Schlagobers aufschlagen, mit Orangenmarmelade verrühren und kaltstellen. Durch den leicht bitteren Geschmack der Orange schmeckt die Gans noch besser. Zu Silvester bin ich unterwegs, zuerst im Rabenhof, dann in der Urania, da lasse ich mich überraschen …

Gibt es bei Weihnachtsgebäck eigentlich lethale Dosen?

Science Busters: Ja, bei 3 Kilo platzt der Magen.

Science Busters Gesamtausgabe

 

Seit es die Science Busters gibt beweist das magische Dreieck Oberhummer, Gruber und Puntigam, dass Physik sexy, aufregend und spannend sein kann. Das dokumentiert auch der aktuelle Preisregen für die Science Busters, bekamen sie soeben den Österreichischen Kabarettpreis (Sonderpreis), den Wissensbuch des Jahres  für Gedankenlesen durch Schneckenstreicheln und den Radiopreis der Erwachsenenbildung für die FM4 Kolumne verliehen. Nun ist über Hoanzl eine DVD-Gesamtausgabe der Science Busters erschienen. 15 Stunden Lachen auf hohem Niveau (acht DVDs mit 32 Folgen) sind garantiert. Und der Preis von 39,99 Euro ist dafür fast so sexy wie Puntigams rosa Oberteil.

 

 

 

 

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