Die Kamikatze

„Pinky und der Brain“, die US-amerikanische Animationsserie, gaukelte uns jahrelang Schmonzes vor. Augenscheinlich versuchte Steven Spielberg ein dystopisches Weltbild zu erschaffen, indem die Rasse der Mäuse danach trachtet, die Weltherrschaft an sich zu reißen. Doch tatsächlich sind es die Katzen, jene süßen, verschmusten, flauschigen Vierbeiner, die sich schon längst das Zepter in die Krallen gedrückt, den weinroten Umhang geschultert und die Krone / das Diadem aufs Köpfchen gerückt haben.

 

Die Beweisführung ist einfach: Die wirkliche Welt spielt sich heute ohnehin nicht draußen, an der frischen Luft ab, sondern in den digitalen Weiten des Internets. Der Stammtisch heißt Facebook, der Wichtschaß ist auf Twitter, das „Tagebuch“ schreibt sich nun nach einer neuerlichen Lautverschiebung „Tumblr“ und den Promistatus bestimmt Instagram. Statt eine SMS zu versenden könnte man gleich auch die Nachricht auf Schellack sprechen, WhatsApp ist der neue heiße Scheiß. Und überall haben sie sich flauschig breit gemacht: die Katzen, als Meme, Smiley, Video, Foto oder Thema.

Nichts funktioniert im Netz besser als „cat content“, nichts erhält so viel Aufmerksamkeit im Netz wie Katzen – nicht einmal barbusige Frauen: selbst auf jenem Fotomaterial wird verzweifelt nach einem süßen Kätzchen gesucht. Nichts erhält mehr „Likes“ und mehr „Shares“ als Katzen – und wir lassen es zu, weil wir nach wie vor an unsere Überlegenheit glauben, nicht gneißen, dass der eigentliche Bösewicht nicht Blofeld, sondern das weiße Fellknäuel auf seinem Schoße ist. Tatsächlich beherrscht uns die Katze seit der Antike. Katzen sind gewiefte Propagandisten, die mit Dschihadisten gemeinsame Sache machen und sich dafür mit #catsofjihad einen eigenen Hashtag zugelegt haben. Katzen bekleiden politische Ämter, wie Freya als „Chief Mouser of the Cabinet Office“ im Büro des britischen Premiers, sie kontrollieren die Verkehrsinfrastruktur ganzer Regionen, so wie Tama in der japanischen Präfektur Wakayama. Und selbst bei Ihnen und mir zuhause – ja, selbst in den eigenen vier Wänden! – dominieren die Felidae. Wer sagt Ihnen in der Früh, wann Tagewache (und Essen fassen) ist? Der Wecker? Dass ich nicht lache, Sie armer, armer Tropf!

Tatsächlich können wir froh sein, dass die Katze noch nicht die Weltherrschaft übernommen hat, sondern nur das Internet – wenngleich es natürlich auch einige forschere Exemplare gibt, wie das Buch „How To Tell If Your Cat Is Plotting To Kill You“ beweist. Wir Naivlinge, die Gattung Mensch, glauben an die Überlegenheit der Rasse, halten uns für tierfreundlich, wenn wir uns die Vierbeiner „halten“ – doch tatsächlich sind wir die Mäuse, die an Fäden nach der Katzen Befehl tanzen.

Til-Mette-MousePad-e1409654951534Wie wir wissen, schlafen Katzen gerne auf Laptops. Dabei ist es nicht die Wärme, die unsere Katze so anzieht, sie möchte damit auch nicht Aufmerksamkeit generieren – sie möchte allein unsere Kommunikation zur Außenwelt trennen. Ihre Katze versteckt sich unterm Bett, der Decke, hinterm Schrank oder in einer Ecke und stiert sie mit leuchtenden Augen an? Ja, sie werden tatsächlich beobachtet, analysiert, nach Schwachstellen abgetastet. An jeder Katze (neunlebige „Kamikatze“?) ist ein SpezNas verloren gegangen! Die Katze starrt Sie minutenlang an, beim Essen, beim Duschen, beim Schlafen oder Lesen, ja selbst am Klo? Wer den Blick senkt, hat verloren – die Chancen stehen gut, dass Sie das sein werden. Und hören Sie das Schaben, wenn unsere Lieblinge im „Kisterl“ das Streu über ihr „Geschäft“ schaufeln? Manchmal ist es das einzige Geräusch, welches wir in der tiefschwarzen Nacht vernehmen. Lassen Sie sich gesagt sein, das hat nichts mit irgendwelchen Notbedürfnissen zu tun – sie üben dort nur, unsere Körper zu verscharren. Aber wir frohlocken nach wie vor. Immerhin werden wir stets begrüßt, wenn wir heimkehren. Die Katze schlängelt sich verschmust um Ihre Beine, macht wohlige Geräusche – und hat dabei doch nur im Sinn, Sie zum Fall zu bringen, Ihr Genick zu brechen.

Dorthe-Landschulz-Chinesische-Katze-e1409655580785„Si vis pacem para bellum“, heißt ein lateinisches Sprichwort und bedeutet, Sie mögen sich doch für den Krieg rüsten, wenn Sie des Friedens bedürfen. Kennen Sie also den Feind! Tun Sie es ihm gleich, spionieren Sie ihn aus, beobachten Sie ihn, durchschauen Sie seine Tagesabläufe, machen Sie ihn mit Leckerli gefügig, brechen Sie kraulend seinen Willen (Insider-Tipp an die Frauenwelt: Funktioniert bei Katzen ähnlich wie beim (menschlichen) Mann)! Einen kleinen (dabei amüsanten) Einblick in die Welt der Vierbeiner gibt das Buch „Cartoons über Katzen“, in dem zahlreiche Cartoonisten, die noch nicht von der Katzenherrschaft gebrochen wurden – Sie erinnern sich sicherlich an das Drama um die Mohammed-Karikaturen! – ihre Sicht der Dinge schildern, so wie Ari Plikat (Titanic, Stern, FAZ), Bernd Ertl (HEUTE, NEWS), Tex Rubinowitz (Falter) und viele andere.

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Verzeihen Sie, die Katze will an den PC. Und Sie gehen sich das Buch kaufen, ja? (Ps.: Hilfe!)

 

 

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“Cartoons über Katzen” ist im Holzbaum Verlag erschienen.

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