Schauspielhaus Wien und Werk X starten in die neue Saison

Sie zählen zu den kleineren Häusern unter den Wiener Theatern, überzeugen dafür umso mehr mit qualitativ hochwertigen Stoffen und prominenten KünstlerInnen – in dieser Saison etwa mit Thomas Köck und dem Ende der Welt.

Zukunftsfragen im Schauspielhaus Wien

Bereits vergangene Woche startete das Schauspielhaus Wien mit Golem in die neue Spielsaison. Gernot Grünewald, der für seine radikalen ästhetischen Setzungen gefeiert wird, verknüpft dafür den Golem-Mythos mit literarischen Manifesten des Transhumanismus zu einer musikalischen Textcollage, die eine verstörende Zukunftsvision aufreißt: eine Welt nach dem Menschen.

Die erste Komödie der Saison, Gespräch wegen der Kürbisse, ist zugleich die erste österreichische Aufführung eines Werks des deutschen Autors Jakob Nolte. Regisseur Marco Storman sprengt für das Projekt die traditionelle Anordnung von Bühne und Zuschauerraum.

Wer wird im Café nicht zum Voyeur? Wer freut sich nicht über die theatralen Miniaturen, die sich dort jeden Tag in unendlicher Zahl abspielen? Was geht da am Nachbartisch eigentlich vor, ist das schon unsichtbares Theater oder noch der Alltag und was lauert da eigentlich unter dem harmlosen Geplänkel?

Auf Altbewährtes setzt das Schauspielhaus mittels Imperium nach dem Roman von Christian Kracht. Die Wiederaufnahme war nicht allein für den Nestroy nominiert, ferner hat sie die Jury der Berliner Festspiele in die engere Auswahl für das Theatertreffen 2017 genommen.

Mit Thomas Köck und Miroslava Svolikova werden zwei AutorInnen ans Haus geholt, die im deutschsprachigen Raum derzeit für Furore sorgen. Bereits zwei Stücke des 31-jährigen Köck wurden am Schauspielhaus Wien uraufgeführt, diesen Oktober ist überdies “paradies fluten” im Akademietheater zu sehen. Sein Regiedebüt im November gibt der Oberösterreicher wiederum im Schauspielhaus selbst mit der Uraufführung von Die Zukunft reicht uns lange nicht – eine postheroische Schuldenkantate.

Tötet das Leben!: Schorsch Kamerun und Charles Manson im Werk X

Seit knapp zwei Wochen probt der Sänger und Regisseur Schorsch Kamerun am Werk X  Me are the World. Thema des deklarierten Opernspektakels über das Ende der Welt ist der Verrat an unseren zivilisatorischen Vorsätzen von Freiheit, Gleichheit und Menschenwürde.

Tötet das Leben! Tötet es! Oder was ist gemeint, wenn sich die Einen vor den Anderen schützen sollten, weil sonst irgendwelche “Fässer überlaufen” und dann “Lebensräume”, ganze “Kulturen“ zu ersaufen drohen? Wie kann es sein, dass Schlagbäume, Stacheldrähte und “Heimatschutz”-Dekrete ein heißes Comeback erleben, giftige Angstpropheten mit extra einfachen Lösungsmittelchen zu gelobten Regenten aufsteigen?

Die Anhänger von Charles Manson ermordeten in dessen Auftrag innerhalb von zwei Tagen acht Menschen mit einem Revolverlauf, Pistolenschüssen und insgesamt 78 Messerstichen, um Afroamerikanern zu zeigen, wie man ‘Weiße’ tötet. Die zweite Spielstätte – das Eldorado – bringt im November das Leben des Massenmörders und Rassisten mit Im Auftrag Charles Mansons erstmals auf die Bühne. Manson als Jesus und Satan und Manson als Verführer: Wie sehr lassen wir uns verführen?

How the hell did I brainwash 35 girls in less than a year? That’s impossible. You’re making me out to do the impossible. You don’t understand you are making me a legend. (C. Manson)

Die Saison-Eröffnung Ich Glaube selbst widmet sich ähnlichen Lebensentwürfen. Religiöse wie quasi-religiöse werden vom Vorarlberger “aktionstheater ensemble” in einer vom Terror verletzten Welt zur Debatte gestellt. Dass der Glaube an absolute Wahrheiten noch nie recht funktioniert hat, ist dabei nur ein schwacher Trost.

(Kultur-) Hunger auf mehr bei oeticket.com!

Der Beitrag gefällt dir? Jetzt teilen!