Die Leichtigkeit des Gregor Meyle

gregor Meyle

Am 11. November erschien das neue Album von Gregor Meyle, „Die Leichtigkeit des Seins“. Selbiges zeigt den Deutschen erneut auf gewohnt hohem Niveau.

Gregor MeyleLobeshymnen von prominenten Kollegen machten Gregor Meyle, 38, in den vergangenen Monaten zum Überflieger der deutschen Musikszene. Xavier Naidoo muss ja Recht haben, wenn er Gregors Mucke zu Hause hört, ihn zu „Sing Meinen Song – Das Tauschkonzert“ einlädt und Meyle daraufhin die höheren Weihen einer eigenen TV-Sendung, „Meylensteine“, erhielt. Preise – vergoldete Alben und der deutsche Fernsehpreis –, ausverkaufte Konzerte (mehr als 100 pro Jahr) und das brandneue Album „Die Leichtigkeit des Seins“ sind der Lohn für die konsequente Arbeit auf hohem Niveau.

Du giltst nach wie vor als Geheimtipp …

Gregor Meyle: Ist doch cool, oder?

… und als eher stiller Typ. Wie gehst du mit der neugewonnenen medialen Aufmerksamkeit um? Ist sie Segen oder Fluch?

Gregor Meyle: Das Schönste, was dir als Künstler passieren kann ist, wenn Grönemeyer oder Naidoo sagen, dass du ein cooler Typ bist. Oder wenn Xavier Naidoo privat deine Mucke hört … Na also! In Deutschland kann man als Musiker, glaube ich, gar nicht mehr erreichen. Für mich ist der eigentliche Erfolg, dass man eine fette Band am Start hat, die ich alle bezahlen kann. Da gibt’s einen Tour-Bus, einen LKW-Fahrer. Nach sechs, sieben Jahren, in dem ich den Bauchladen umgeschnallt hatte, im eigenen Auto gesessen und nachts wieder nach Hause bin. Also die ganz normale Ochsentour, die man als Musiker so macht. Davor hab ich ja sowieso zehn Jahre lang als Roadie gearbeitet, war auch als Stagehand auf der Trabrennbahn für die Leningrad Cowboys in Wien. Ich habe immer Rock and Roll gemacht. Damals halt auf der anderen Seite.

Ist es ein Vorteil, dass du erst jetzt, im Alter von 38, Erfolg hast?

Gregor Meyle: Das wäre eine Hypothese. Ich hatte ja schon ein Leben davor, ich habe mich mit 28 dafür entschieden, Musik zu machen. Hinter den Brettern, die die Welt bedeuten. Ich bin ein Typ, der sich lieber reinschleicht. Ich hätte mich nie getraut zu sagen, dass ich Mucke mache. Man muss auf den richtigen Moment warten und das dann auch durchziehen. Ich habe als Tontechniker in Südafrika damals schon einen Vertrag gehabt, ein Auto, eine Wohnung in Kapstadt und wäre 2006 beinahe ausgewandert. Das hatte ich ernsthaft vor. Mein Bruder, der zehn Jahre für Stefan Raab (in „TV Total“, Anm.) Spiele gemacht hat, steckte mir den Tipp, dass sie Leute suchen, die ihre eigenen Songs schreiben. Ich wollte da nicht hin, aber er hat mich mit einem Trick zu einem Casting gelockt. Danach hat es ganz gut hingehauen.

Du bist also beruflich angekommen?

Gregor Meyle: Ich schreibe einfach wahnsinnig gern Songs, das hab ich schon immer gerne gemacht, schon als Vier-, Fünfjähriger. Du brauchst eine Objektivität, einen der dir sagt, ob das cool oder nicht so cool ist. Das ist bei mir der Christian Lohr, mit dem ich die Platten mache. Natürlich auch die ganze Familie. Also, wenn meine zwei Brüder bei einem neuen Album sagen ,Ey, das ist aber nicht so gut‘, dann wäre das das Schlimmste für mich. Das würde mir das Herz brechen, aber das kann mir eigentlich nicht passieren. Wenn du nämlich happy mit deinem Baby bist, dann haut es schon hin. Es gab eine Zeit, in der ich als Überzeugungstäter unterwegs war. Aber je mehr Erfolg du hast, desto weniger musst du andere Leute anquatschen oder überzeugen. Du machst einfach dein Ding.

„Das nennt man Glück“ brettert mit einem herrlich groovigen Arrangement daher. Eine neue Seite von dir?

Gregor Meyle: Wir haben viel Beach Boys gehört, da gibt’s bei YouTube schöne Sachen. Ich bin ja ein großer Brian Wilson-Fan, weil der so ein Nerd ist und alle fertig gemacht hat. Die haben ja immer alles live eingespielt, mit 60-Mann-Orchester. Und dann beschwert der sich, dass der Schellenkranz nach links gewackelt hat und alles noch einmal gemacht wird. Der hat alle an den Eiern gepackt. Ich bin froh, dass ich nicht so bin. Man hat so ein paar Arrangement-Vorbilder und ich muss ja nicht in einem Pop-Umfeld mitschwimmen …

Du brauchst also keine Radiotauglichkeit?

Gregor Meyle: Also nee, ganz im Gegenteil. Ich habe keinen einzigen Song in den Top 100. Nichts, nada.

Gregor Meyle

Gregor Meyle hinterlässt bei „Walk Of Stars“ im Wiener Prater einen bleibenden Eindruck.

In „Leichtigkeit des Seins“ sprichst du über unsere Luxusprobleme. Was sind deine?

Gregor Meyle: Dass ich mir selbst die Neunschwänzige auf den Rücken knalle wenn ich weiß, ich muss in eineinhalb Monaten ein Album abliefern und habe erst zwei Songs. Das heißt aber nicht, dass etwas Besseres rauskommt wenn man sich mehr Zeit lässt. Meine Lieblingsgerichte sind auch alle in 15 Minuten gekocht. Gut, es gibt ein Rehragout, das fünf Stunden kochen muss. Trotzdem latsche ich immer mit dem Gedanken rum: Warum musst du es immer so knapp machen, du Depp?

Auf einmal ist bei „Da geht noch mehr“ ein Banjo dabei. Bist du Country-affin?

Gregor Meyle: Natürlich! Total! Countrymusik kommt ja eigentlich von den Iren. Das Banjo wurde auch darüber transportiert. Wir haben einen guten Freund in Schottland, der eine Irish Pipe spielen kann, der Calum Stewart, ein richtiger Schotte, den ich bei Angelo Kelly kennengelernt habe. Wir hatten noch einen Tag Zeit bei dem Album, also hat der sich in den Zug gesetzt und wir haben das bei mir zu Hause aufgenommen.

Wer sich das neue Album durchhört wird staunen, dass du ja gar nicht der ständige Jammerer und Raunzer bist, den man von deinen Balladen kennt.

Gregor Meyle: Ich muss gar nix machen, das ist ja das Geile! Ich muss keine Erwartungshaltungen entsprechen. Ich kann auch mit einem afrikanischen Chor losziehen oder mir einen Schottenrock anziehen. Wenn ich es geil finde, wenn ich es schön finde und berührt bin, geht das. Das kann auch ein ganz banaler Song sein. Wie „Pack deinen Scheiß“, der live abgeht und eine Mega-Nummer ist. Wenn wir gut drauf sind, packen wir noch „Cotton Eye Joe“ darunter und die Leute gehen ab wie Sau. Vor allem als Musiker musst du eines wissen: Du darfst dich selbst nicht zu ernst nehmen. Wenn dir ein Song wichtig ist, dann merken die das schon. Aber es muss auch Banalitäten geben. Wenn du singst „Nur die Liebe zählt und sonst gar nichts“ und es so meinst, dann verstehen es die Menschen. Ich glaube, dass die Schublade „Schlager“ erst dann entsteht, wenn du etwas Aufgesetztes machst. Das kann dir im Pop aber auch passieren, da gab es in den letzten paar Jahren viele Schandtaten. Wenn man sich die lustigen Texte einmal übersetzt …

Ein Duett mit Xavier musste auf die Platte?

Gregor Meyle: Das stand schon sehr lange aus. Für mich war klar, dass die Platte „Leichtigkeit des Seins” heißen wird. Da hatte ich noch gar keinen Song, weil man muss ein Exempel statuieren in dieser Zeit. Es kann nicht immer alles Scheiße sein. Man muss sagen, Leute, uns geht’s richtig gut!

Auf dem Album gibt’s deinen ersten englischsprachigen Titel.

Gregor Meyle: Der Charlie Winston ist ein sehr, sehr guter Freund und ich bin ein Riesenfan! Es war eine Ehre, dass er sich auf den Weg gemacht hat und wir diesen Song miteinander geschrieben haben. Der Typ hat zwei Millionen Platten verkauft und ist ein Pop-Star in Frankreich. Der ist ein Kumpel von Sting und Peter Gabriel, das ist schon krass. Im vergangenen Sommer haben wir gemeinsam auch in ein paar Flüchtlingslagern gespielt und haben den Leuten ein Lächeln ins Gesicht gezaubert. Wir haben sie mit dem was wir können ein Bisschen vom Alltagsleben abgelenkt. Das ist unser Job.

Auf dem Cover bist du mit Angelrute zu sehen. Fischst du?

Gregor Meyle: Nee, überhaupt nicht. Ich habe keine Ahnung vom Fischen, aber ich bin mit meinem Opa immer Schwarzfischen gegangen. Da ist es wurscht, was du in der Hand hast.

 

Gregor Meyle spielt im Winter 2017 im Salzburger republic und in der Wiener Arena, sowie bereits im Sommer auf der Donaubühne Tulln. Tickets gibt es bei oeticket.com.

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