Die Melodie des Moments

Die sensible US-Singer-Songwriterin Melody Gardot gastiert im Rahmen des Jazz Fest in der Wiener Staatsoper. Mit im Gepäck: das neue Album „Currency Of Man“.

 

Angeblich wollte Melody Gardot sich einer anderen Kunst als der Musik zuwenden: der Malerei. Zum Glück für ihre zahlreichen Fans schlug sie dann doch den musikalischen Weg ein. ticket! machte sich auf den Weg nach Paris und sprach mit ihr über das neue Album „Currency Of Man“ und ihre Inspiration.

 

Dein neues Album unterscheidet sich sehr von den vorherigen. Wie ist das passiert?

Ein Album ist wie ein Kind. Wenn du ein Kind bekommst, weißt du auch nicht, wie es aussehen, wie es sich entwickeln wird. So ist nun ein Album entstanden, das eben so geworden ist. Es ist auch in 432 Hertz, eine Stimmung, die nicht viele Leute verwenden. Ich liebe diese sehr, weil die Obertöne am Klavier so schön sind. Ich habe zu Frequenzen geforscht und fand das sehr interessant. Dann kommt noch dazu, dass ich mehr E-Gitarre spiele. Manchmal war ich mit dem Klang des Klaviers nicht glücklich und dann nahm ich stattdessen die E-Gitarre. Ich bin keine große Gitarristin, aber ich suche mehr nach Klängen als nach einzelnen Noten.

 

Ist das deine Inspiration?

Klang und Szenerien. Sehr oft ist es der Klang. Klänge haben die meisten Dinge inspiriert, die auf diesem Album passiert sind. Klang und Bilder, wie in einem Film. Wenn es wie ein Film aussieht, den ich in zwei Sekunden sehe, dann wird es ein Song.

 

Das klingt jetzt, als wenn du beim Komponieren sehr schnell bist.

Ja – spontan sein! Das muss sein. Für dieses Album habe ich die Demos aufgenommen und dann bin ich zum Computer gegangen. Ich habe MIDI das erste Mal verwendet. Ich hatte eine tolle Zeit, hab einen kleinen Controller gekauft und begonnen, Arrangements zu schreiben. Die waren sehr hilfreich für den Arrangeur, zu dem ich sagte: Das ist die Welt in der ich gerade bin, in diese Richtung mag ich gehen.

 

Kannst du den Albumtitel „Currency Of Man“ erklären?

Muss ich?

 

Ja! Ich kann mir nicht wirklich vorstellen, was du damit meinst.

Es ist wie die Namensfindung für ein Kind. Für mich ist es kein Titel, der eine Richtung zu denken festlegt. Man kann ihn interpretieren, wie man mag. Weil alle Songs sprechen von der Welt jetzt gerade. Sie alle sind über das Leben von Menschen. Die Frage für mich ist, wo und wie wir den Wert eines Menschen definieren. Auf das habe ich geschaut – nicht als Politikerin oder Diplomatin, aber als jemand, der in das alles involviert ist. Es ist interessant, dass wir 2015 mit den gleichen Problemen kämpfen wie seit Jahrhunderten. Es geht immer noch um die Frage nach Klassen, Rassen oder Religion – eine Million Dinge sind noch immer dieselben. Ich frage mich, wann wir lernen werden, dieselben Fehler nicht immer wieder und wieder zu machen. So habe ich es interessant gefunden, darüber zu reden. Wird es einen Punkt geben, wo wir aufhören Grenzen und Zäune zu bauen? Das erste Mal mache ich kein Album über die Liebe und auch nicht über mein eigenes Leben. Zum ersten Mal denke ich, dass ich alt genug bin, eine Meinung zu haben. Aber es war auch für mich ein Schock, denn ich habe nicht geplant, das zu tun. Ich mache nie einen Plan, worüber ich schreiben werde. In diesem Fall wollte ich über das, was ich gesehen habe, reden. Weil es für mich nicht akzeptierbar war.

 

Du sagst, es gibt keine Liebeslieder. Aber der letzte Song, „If I Ever Recall Your Face“, klingt wie ein Liebeslied.

Das kann er sein. Und deshalb will ich nicht sagen, worüber der Song ist. Für mich ist es wie eine Erinnerung an etwas, an eine Liebe, eine Umarmung, einen Freund. Der Song hat in einer Zeile auch eine Referenz an meinen Großvater, seine blauen Augen. Der Song ist wie ein Gedicht, ursprünglich war es auch eines.

 

Melody Gardot singt am 4. Juli im Rahmen des Jazz Fest Wien in der Wiener Staatsoper. Weitere Höhepunkte beim Jazz Fest Wien:
1. Juli, Porgy & Bess: Sarah McKenzie
3. Juli, Wiener Staatsoper: Caro Emerald
5. Juli, Wiener Staatsoper: Rufus Wainwright/ Angelika Kirchschlager
7. bis 11. Juli, Jazzland: Carole Alston & Markus Gaudroit
9. Juli, Reigen: Beto Dourah & Edison Tadeu

[button color=”black” link=”http://www.oeticket.com/de/kuenstler/jazz-fest-wien-795/profile.html?partnerId=2872&utm_campaign=ticketmag&utm_medium=homepage
&utm_source=button&utm_content=melodygardot” target=”newwindow”]Tickets bei !ticket kaufen[/button]

Der Beitrag gefällt dir? Jetzt teilen!