Die Rückkehr der Wellenreiter

In den 80er-Jahren dominierte die Neue Deutsche Welle die Hitparaden. Manche Stars von gestern gibt’s heute wieder. Wie Minisex, die jetzt zum Comeback antreten.

Minisex waren in den frühen Achtzigern vier Jahre lang die angesagteste Band des Landes, doch dann glitten die Mannen langsam in Richtung Fade-out. Genauso schleichend wie das Aus 1990 kam, machte sich die Combo 2009 zum Comeback auf, Mitte März lag dann auch das neue Album „Reduziert“ vor – mit „neuem Sound“! Nostalgische Klassentreffen in Sachen NDW stehen jedoch nicht auf dem Programm – obwohl gerade in deutschen Landen die alten Haudegen noch immer Erfolge feiern: An der Spitze natürlich das 80er-Jahre-Fräuleinwunder Nena, die nun ihr Castingstudio verlässt und – hoffentlich mit neuem Album im Gepäck – wieder auf Tour geht.

„Hurra, hurra die Schule brennt“ war der Schlachtruf einer ganzen Schüler- Generation, mit dem Extrabreit 1981 die Charts eroberten. 33 Jahre später sind von der Originalbesetzung noch zwei Mitglieder – Kai „Hawaii“ Schlasse und Stefan „Kleinkrieg“ Klein – üb-rig, dennoch touren Extra – breit weiterhin durch die Lande. Das bisher letzte Studioalbum, „Neues von Hiob“, ist allerdings bereits vor sechs Jahren erschienen. Nach diversen Auflösungen und Wiedervereinigungen gibt’s seit 2008 auch die DAF (Deutsch Amerikanische Freundschaft) wieder, die anno dazumal mit ihrem Hit „Tanz den Mussolini“ für Aufregung sorgten. Nicht zu vergessen ist, dass die E.A.V. in den 80er-Jahren mit „Tanz, tanz, tanz“ der jungen NDW zugerechnet wurde. Kabarettist und Texter Joesi Prokopetz setzte mit dem Projekt DÖF gemeinsam mit Manfred Tauchen und den Humpe-Sisters Annette (zuletzt mit Ich & Ich erfolgreich) und Inga (2raumwohnung) einen augenzwinkernden Meilenstein der Austro-NDW.

Was fasziniert die Menschen noch heute an Minisex bzw. der NDW, denn die Songs geraten seit bald 35 Jahren nicht in Vergessenheit?

Rudi Nemeczek: Das ist ein großes Kompliment des Publikums, dass diese Handvoll Songs mittlerweile Evergreens sind. Es gibt ganz selten Songs, die diese lange Zeit überleben und wenn, dann haben sie die Menschen irgendwie berührt. Entweder durch den Text oder die Melodie. Das dürften bei uns fünf Lieder geschafft haben, mit denen die damals jungen Menschen heute Erinnerungen verbinden. Erinnerungen, kombiniert mit Musik, sind ganz starke Gefühlsebenen. Das ist der Grund, weshalb sie die Songs noch immer gern hören und weshalb die tausend Mal pro Jahr im Radio gespielt werden.

Das war ja doch ein ganz anderer Stil als alle anderen Gattungen …

Rudi: Trotz der Formatradios kommen dort auch Songs vor, die eine enorme Popularität erfahren haben. Diese Programmmacher wissen, dass diese Songs von den Menschen geliebt werden, weil sie eben positive Erinnerungen damit verbinden. Da setzt Wohlbehagen ein. Du hast vollkommen recht, das waren Titel, die nicht so strukturierte Songs waren wie aus der Pop-Welt, oder die die getragene Austro-Pop-Ebene bedienen. Die sind musikalisch sofort zuordenbar und noch immer herausragend identifizierbar. Das hat denen aber nie geschadet. So etwas wäre heute kaum möglich, denn bei den heutigen Formatradios musst du immer die gleiche Konfektionsgröße tragen. Das war in der 80er-Jahre-Welt noch nicht notwendig.

Werden die alten Hits jetzt auch mit dem neuen Sound versetzt?

Rudi: Nee. Wenn wir in der Folge große Konzerte geben, werden wir das alte Material in das neue Konzept integrieren. Das wird’s weitergeben, natürlich. Kinder die man liebt, wird man nicht auf Diät setzen. Der neue Sound wird mitschwingen, aber man wird die Lieder erleben, so, wie man sie gerne hört.

Ist Minisex 2014 ein Hobby-Projekt oder soll bzw. kann es wieder zum Hauptberuf werden?

Rudi: Hobby ist es keines! Es ist ein sehr professionelles Unterfangen und es kann daraus auch mehr werden, aber ich hab da keinen Stress damit. Ich bin da völlig gelassen. Das Ziel war, etwas zu schaffen, was uns selbst gefällt, und das haben wir erreicht. Die bisherigen Reaktionen haben das bewiesen. Wir stehen auch unter keinem ökonomischen Druck.

 

Ein legendärer Abend mit legendären Gästen im legendären u4: Am 9. Oktober minisex und erstes Wiener Heimorgel Orchester – Patrick Pulsinger an den Decks.

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