Die Super Nanny

Das geheimnisvolle Kindermädchen „Mary Poppins“ hat nichts von seiner magischen Anziehungskraft verloren. Derzeit verzaubert es das Wiener Ronacher in der ersten deutschsprachigen Version des Musicals. !ticket hat es bereits gesehen.

Vier Wochen habe Annemieke von Dam gebraucht: Deutsche Freunde sprachen es der Holländerin aufs Handy – „Schite-gilaip–xekitsili-garfila-krepus“ – überall murmelte sie es vor sich hin. Hier versteckt sich das immerkluge Wort „Superkalifragilistikexpialigetisch“ des Disney-Lieblings „Mary Poppins“. Annemieke sagt das magische Wort auf der Bühne sogar rückwärts auf, als ob es von vorn nach hinten nicht schon unaussprechlich genug wäre. Zuletzt war sie als Sisi in „Elisabeth“ zu sehen. Nun auch – Vorhang auf – in der deutschsprachigen Version von „Mary Poppins“, und spätestens pünktlich zur Premiere am 1. Oktober brachte sie die zungenbrecherischen Silben fehlerfrei über die Lippen!

Erfolgsstory

Das Musical „Mary Poppins“ ist ein Erfolgsgarant. Seit der Erstaufführung 2004 begeisterten die zauberhafte Supernanny und die Geschichte um Familie Banks 11,5 Millionen Menschen auf drei Kontinenten. Nach zwei Monaten Proben zieht der Broadway-Hit auch die Österreicher in seinen Bann. Ganz ehrlich: Sobald die ersten Akkorde von „Chim Chim Cheree“ erklingen und David Boyd alias Bert auf die Bühne tritt, kann man dieser Magie schwer widerstehen. Da sind die vertrauten Klänge. Irgendwo, tief in den inneren Kindsköpfen, schwirren sie noch, Songs wie „Wenn ein Löffelchen voll Zucker“ aus der Disneywelt.

Dazu kommen die Farbexplosionen des Bühnenbilds. So führt Mary die Banks-Sprösslinge in einen tristen Park. Kaum hineinspaziert, erwachen Statuen zum Leben, Bäume zu bunten Gestalten und sogar Queen Victoria lässt sich blicken. Im Kinderzimmer springen Teddys und Puppen in Menschengröße ins Scheinwerferlicht und fordern mehr Rechte für Plüschgetier. Ein netter Kindertraum geht in Erfüllung – mehr nicht?

Ganz neue Szenen als im Film

Nein, so ist es nicht! Die Geschichte hinter dem Musical wirkt zwar auf den ersten Blick überholt: Mrs. Banks gibt ihre Schauspielkarriere für die Rolle als Ehefrau auf, Dienstboten finden sich im Haus, und zuletzt siegt das Bild der traditionellen Familie. Aber die Grundaussage, die Zeit mit den Liebsten sei das Wichtigste, bleibt noch genauso revolutionär wie im Roman von Pamela Lyndon Travers aus dem Jahr 1934. Das Musical basiert auf Film und Buch. Aber als Überraschung gebe es Szenen, „die es im Film gar nicht gibt“, sagt VBW-Musical- Intendant Christian Struppeck. Dass man im Theater sitzt, vergisst man schnell. Während der drei Stunden fühlt man sich vielmehr wie inmitten eines Märchens. Das passiert durch den filmisch-dynamischen Szenenwechsel. Vielleicht auch durch die magischen Details wie das Qualmen aus der Medizinflasche, vielleicht dank der Cruella-De-Vil-artigen Miss Andrews, bestimmt durch die märchenhafte Erscheinung von Mary Poppins selbst. Die spielt ihre Rolle einwandfrei, eingegliedert in eine makellose Komposition mit professionellem Ensemble.´Zu perfekt, zu wenig Raum für Emotion? Vielleicht. Aber so ist sie eben, unsere Mary Poppins, wie sie von sich selbst singt: „fehlerfrei“. Aber so ganz superkalifragilistikexpialigetisch dürfte die Gute auch nicht sein, denn bei der Vorpremiere ist dann doch ein kleines Hoppala passiert: Da ist sie beim Flug über das Publikum stecken geblieben. Hütchen richten und weiterfliegen!

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