Die Teenager vom Mars kommen …

… und treffen „Schwule Mädchen“, und bringen natürlich auch „eManuela“ mit! „Teenager vom Mars“ ist ein gut gelauntes Album, bei dem als rappende Gäste unter anderen MC Fitti und Kryptic Joe (von Deichkind) mit dabei sind. Tracks von Pop bis Rap, die schon mal unbequeme, sozial- und gesellschaftskritische Texte unter das Fan-Volk bringen. Fettes Brot grooven wie eh und je in ihrer zwanzigjährigen Karriere. Und kommen im Oktober für drei Konzerte nach Österreich.

 

Jetzt seid ihr nicht die „drei Jungs von nebenan“, sondern „von ganz weit weg“, wie es in der Biografie heißt, eben die „Teenager vom Mars“.

König Boris: Wir fanden die Perspektive schön als die, die von außen auf das Geschehen gucken und was sie da so vorfinden. Auf der anderen Seite kennt man auch das Gefühl wenn man durch die Welt geht und sich fragt, ob man hier überhaupt auf dem richtigen Platz gelandet ist und sich ein bisschen fremd vorkommt. Das war so eine schöne Art und Weise, wie wir die Perspektive unserer Lieder zusammenfassen konnten.

 

Ist es nicht eine natürliche Entwicklung nach so langer Zeit als Band, dass man die Dinge von ein bisschen weiter weg betrachtet?

Doktor Renz: Ich glaube, diesen distanzierten Blick hatten wir schon immer bewusst eingenommen und manchmal fühlten wir uns auch in diese Rolle gedrängt. Gerade in der Zeit, wo sich Hip-Hop schlagartig explosionsartig vergrößert hat und wir ein bisschen den Platz zwischen den Stühlen innehatten. Oder zeitweiße am meisten im Licht der Öffentlichkeit waren. Ich glaube, so ein Lied wie „Schwule Mädchen“, da steckt schon ein ähnliches Gefühl dahinter. Insofern weiß ich nicht, ob das neu ist, aber es ist für einen Künstler super, wenn man mit einem distanzierten Blick auf sein Land oder seinen Planeten gucken kann.

 

Tendiert man nicht mit dem Alter auch dazu, sich ein wenig raus zu nehmen? Eben distanzierter zu werden und nicht mehr alles grandios und aufregend und megageil zu finden?

König Boris: Das klingt mir ein bisschen zu Frührentnerhaft! Oder zu abgeklärt. Es ist noch immer aufregend für uns, und wir stützen uns noch immer rein. Aber wenn wir dann im Studio sind und anfangen über Dinge zu schreiben, über die wir uns als Privatpersonen auch unterhalten und die uns auffallen, dann ist das immer eine Beobachterrolle, die man einnimmt. Deshalb versuchen wir uns bei Fragen, warum manche Dinge so sind, und legen auch die Finger in die Wunde. Nicht nur, denn wir machen ja auch Leichtigkeit und Spaßtexte, das ist ja auch ein Teil von uns. Wir beschäftigen uns die ganze Zeit ja nicht nur mit traurigen Sachen. Es gibt einen großen Anteil an Humor. Wir können ganz gut über uns selbst schreiben und lustig machen. Die Balance ist ganz wichtig für uns.

 

Kommt sich nicht jeder einmal vor, als wäre er auf einem falschen Planeten ?

König Boris: Ja, dieses Gefühl kennen viele Menschen, vor allem momentan, mit dem ganzen Wahnsinn, der passiert. Seien es die Flüchtlingsgeschichten, von der Ukraine bis … man könnte ja stundenlang Dinge aufzählen, wo man sich fragt: Wo bin ich hier? Diesen Moment gibt’s auch auf der Platte. Das „Nicht mit mir“, das „So nicht“ oder „Das würden wir anders machen“. Das ist schon ein Gefühl dass man momentan schnell bekommen kann.

Doktor Renz: Wir beanspruchen aber nicht, irgendwelche Lösungsvorschläge zu haben, die man nur abfragen müsste. Insofern zeigen wir mit unserer künstlerischen Arbeit auf, dass hier etwas Ungerechtes passiert oder, dass das der falsche Weg ist, den die Menschheit oder die Gesellschaft eingeschlagen hat. Wir stellen Fragen.

 

„Du bist der Shit“ ist eigentlich ein Liebeslied, und dennoch kommt mir die Zeile prophetisch vor „mit dir kann man auch Nazis prügeln“. Der Text ist ja bereits lange vor den neuen Krawallen entstanden.

König Boris: Dass die Nazis nicht weg waren, wussten wir ja schon vorher. Die kommen immer wieder aus ihren Löchern gekrochen. Dass man sich in eine Frau verlieben kann, die sich im Notfall auch mit Nazis prügelt ist der Hit eigentlich! In Deutschland sind die ganzen Nazi- und Pegida-Sachen seit einem Jahr da. Uns freut sehr wenn es uns gelingt, keine wissenschaftlichen Abhandlungen zu schreiben, sondern in so kleinen Momenten das miteinfließen zu lassen auch wenn es um etwas ganz anderes geht. Da hab‘ ich große Freude dran!

 

Auch mit der „Abrissbirne Helene“, die in eurem Song „Alle hörn jetzt Schlager“ vorkommt?

König Boris: Ihr in Österreich habt es ja auch nicht einfach, ihr habt den Alpen-Elvis oder wie die alle heißen. Da hat man das Gefühl, da geht es textlich in ein antiquiertes Weltbild zurück, wo der Mann noch Mann sein darf, und die Frau noch Frau, Familie und Kind. Und gut ist gut und böse ist böse. Wo das wirkliche Leben in den Songs stark ausgeblendet wird. Das gab’s schon immer, aber das hat ein Riesenpublikum gefunden und eine Dimension angenommen, wo das auch gesellschaftlich etwas bedeutet. Die Leute wollen sich abschotten und mit den anderen nichts zu tun haben. Die zimmern sich ein schwarz-weißes Weltbild zusammen zimmern. Das finde ich bedenklich.

Doktor Renz: Das wirkt wie eine Flucht in das „Lasst mich doch in Ruhe mit euren Problemen“. Das ist überhaupt nicht angebracht und möglich. Alle Probleme auf der Welt hängen miteinander zusammen. Wenn in Syrien Krieg ist, dann hat das auch etwas mit uns zu tun. Spätestens wenn die Flüchtlinge vor der Tür stehen weiß man, jetzt ist der Krieg dahin zurückgekommen, wo er auch mit los getreten wurde. Den Wunsch nach Musik, die das alles übermantelt und mit einer Goldkette verzieht, kann man vielleicht nachtvollziehen. Dass manche Menschen von der Schnelligkeit der Ereignisse überfordert sind, kann ich auch verstehen. Das geht mir manchmal auch so. Aber Musik darf nicht damit entwertet werden, dass sie nur noch Trallala macht. Musik hat viel mehr Kraft, kann Menschen zusammenbringen, aufrütteln und nach vorne gerichtete Kraft erzeugen. Und nicht nur das Gestern und das Alpenglühen besingen.

König Boris: Und unterhaltsam bleiben! Wenn man sich unsere Platte ansieht, widerspricht sich das ja nicht. Wir sind ja Typen, die Entertainment immer groß geschrieben haben. Es geht uns auch darum, dass die Leute eine gute Zeit haben und nach dem Konzert mit einem Lächeln nach Hause gehen.

 

Die Menschen wollen vielleicht nur eine Auszeit?

König Boris: Dagegen ist ja nichts zu sagen, aber wenn man sich so ein ganz isoliertes Weltbild zimmert, das parallel dazu lebt und tut, als hätte es mit dem Rest nichts zu tun, das ist zu wenig für mich.

 

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Ziemlich geil, die Space Box (VÖ 4. September): Limitiert auf 5.000 Stück. Inhalt: 1x das komplette neue Album mit 13 Songs auf CD bzw. 2-LP inkl. CD, 1x DVD „Erdbeerbowle“ (Studio-Küchenkonzert mit 4 exklusiven, neuen Bonus-Songs), 1x Ufo / Frisbee mit dem „Teenager vom Mars“-Emblem, 1x riesiges Album-Artwork-Poster in 120×60 cm und 2x „Teenager vom Mars“-Buttons!

 

Wie macht man so ein geiles Kornfeld-Cover?

König Boris: Das war ein bisschen aufwändiger, wir waren aber nicht selbst dabei. Es gibt so eine gewisse 3D-Technik, es gab Hubschrauberflüge, wo Dinge fotografiert wurden …

Doktor Renz: Man musste ja erst ein Feld finden, wo so ein Ding drinnen war.

 

Ihr hattet einige Gäste im Studio mit dabei. Wie hat sich das ergeben?

Doktor Renz: Es gibt in dem Lied „Emmely“ eine Sprechrolle, die eines Anwalts, die gar nicht zu MC Fitti zu passen schien. Aber die Stimme passte dann sehr gut. Er hatte auch Bock drauf!

König Boris: Die anderen Gäste finden auf dem „Meine Stimme“-Song statt. Da waren wir auf der Suche nach Menschen, die rein akustisch eine starke Stimme haben, als auch nach solchen, die etwas zu sagen haben. Inhaltlich starke Stimmen. Das sind dann Fatoni geworden, der kommt auch mit auf Tour. Und es sind noch Felix von Kraftklub und Kryptic Joe von Deichkind dabei. Meinungsstarke Männer, die in der aktuellen Musiklandschaft eine entscheidende Rolle spielen und an der richtigen Stelle mal den Mund aufmachen. Das waren unsere Kriterien.

 

Fettes Brot sind im Oktober für drei Termine in Österreich, im Vorprogramm: Fatoni. Tickets gibt es auf oeticket.com und unter 01 / 96 0 96.

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