Dinner In The Dark

Schmecken, Riechen, Hören, Fühlen, nur nicht Sehen. Wenn das Augenlicht ausfällt, feiern bekanntlich alle anderen Sinne ein Fest. Die beste Location, um in eine andere Sinnesgalaxy zu reisen, ist das „Noir“ im Herzen Wiens. TICKET hat es ausprobiert.

Meine Augen habe ich stets geöffnet. Was ich sehe, ist ein anderes Schwarz, als jenes mit bloß geschlossenen Augen. Satt und konzentriert, nicht grau-flackernd mit weiß- blinkenden Pünktchen und wimmelnden Sternchen. Eher fester Edding als schattiges Jolly-Grau. Zugegeben: auch ein wenig beängstigend. Ich fühle die weichen Armlehnen des Ledersessels, höre die klirrende Teller, quirrlig-gut-gelaunte Kellnerinnen, die durch das tiefe Nichts von Tisch zu Tisch huschen. Ich bin aufgeregt, wir sind an der Reihe. „So, ich habe hier einen gelben Muskateller“, sagt da eine angenehm-sympathische Stimme, die wir Lisa rufen dürfen. Puh, kurze Erleichterung, das ist nicht meiner. Somit muss mich noch nicht der Schmach eines Blind-Dummies ergeben. „Und einen Zweigelt“ – Verdammt, es geht los. „Für mich, bitte!“ „Welches mich?“, fragt Lisa. Hm, Ähm, Ja. Wo bin ich überhaupt? Rechts? Links? Wer sitzt noch einmal neben mir? Ich komme zu einem Entschluss: „Die erste Dame links“. Lisa klimpert mit ihrem Fingernagel gegen das Glas, ich strecke meine Hand in die erhörte Richtung, Lisa findet mein Handgelenkt einen gefühlten Meter neben dieser. Sie führt meine Hand langsam zu dem langen, dünnen Stil des Weinglases, den ich mich von da an krampfhaft umkrallend nicht mehr loszulassen traue. Wir – insgesamt fünf an der Zahl – wagen es und setzten zum Prosten an. Eins, zwei, Prooooo – Voll ins Leere —st. Dann ein Klirren. „Ups, jetzt habe ich mit meinem Wasserglas geprostet“, meint mein Gegenüber. Wir brechen in Gelächter aus und beim zweiten Versuch schaffen wir es schließlich.

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Dass das Essen köstlich ist kann ich schon von mehr oder weniger Weitem riechen. Jeder von uns konnte noch bei Tageslicht und Mango-Cocktail zwischen den Fünf-Gang-Menüs Fisch, Fleisch, Vegetarisch oder Gemischt, aussuchen. Meine Wahl fiel auf Letzteres, was heißt: Es kann wirklich alles sein. Den ersten Gang identifiziere ich als dickflüssige Suppe mit schmackhafter Schärfe, aufgepeppt durch eine fischartige Einlage. Wie sich später herausstellt, sind es Mozzarellabällchen. Eigentlich auch egal, denn eine wahre Gaumenfreude ist sie allemal. Das gilt auch für die übrigen Gänge: Fleisch- und Fischspieße, Püree, Blätterteigtaschen auf herrlich mariniertem Salat.IMG_6512 copy

Mittlerweile sind wir ein eingespieltes Team, reichen die Teller gekonnt weiter, wissen wo alles steht, geben zu, das meiste in der Manier eines Dreijährigen mit den Fingern zu essen oder bereits den Hosenknopf aufgemacht zu haben. Durchwegs lachen wir über den Essens-Rätselspaß. Zwischen den Gängen werden außerdem essensunabhängige Ratespiele durchgereicht.

Natürlich ist es nicht schön blind zu sein. Jedoch macht sich im Laufe des Dinners ein warm-wohliges Badewannengefühl bei mir breit. Wie in einer anderen Galaxie, fernab von allen Oberflächlichkeiten, entspanntes In-Sich-Ruhen und dennoch lustiges Miteinander.

Übrigens: ob blind oder nicht. Beim Essen schließe ich dennoch die Augen. Inhaliere die Geruchsnuancen, lasse mir das Dessert auf der Zunge zergehen. Oder ertaste es mit den Fingern. Was solls? Sehen kann mich ja niemand.

 

Obacht beim Essen in der Dunkelheit

KellnerInnen mit eingeschränktem Sehvermögen. Bei Dinner In The Dark im Noir gibt es keine Nachtsichtgeräte.

KellnerInnen mit eingeschränktem Sehvermögen. Bei Dinner In The Dark im Noir gibt es keine Nachtsichtgeräte.

• Ein Stück Fisch entpuppt sich oftmals als Brot

• Man sieht nichts und wird auch nicht gesehen. Deshalb kann man auch

ritterlich essen. Aber …

• Von der Serviette sollte man Gebrauch machen und sich, bevor man

wieder ans Licht geht, das gesamte Gesicht noch einmal kräftig abwischen.

• Ja, ein Achterl Wein wiegt wirklich so viel! Nein, man hat kein Maß Bier in der Hand

• Merken, wer gegenüber und neben einem sitzt – sonst führt das vielleicht zu

amourösen Verwirrungen.

• Ganz wichtig: Stimmen passen oft nicht zu dem wirklichen Bild der Person.

Dinner In The Dark ist auch eine Chance für ein echtes Blind-Date!

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