DJ Ötzi, ein Mann mit Mission

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Am 24. März erschien das brandneue DJ Ötzi-Album “Von Herzen”, ein vielseitiges, persönliches Album, das trotzdem für die Party gereicht. Am 6. April präsentiert es DJ Ötzi im Rahmen vom Großen Schlagerfest in der Wiener Stadthalle.

amore dj ötzi

Der „Mann für Amore“ verschenkt schon mal „einen Stern“ und ist „geboren um dich zu lieben“. Und er weiß, wie man das Party-Volk so richtig auf Touren bringt. Mit 46 Jahren ist Gerry Friedle angekommen „in seiner Kraft“, knallt „von Herzen“ ein Hit-Album auf den Tisch, nur, um sich demnächst – wie es sich gehört per pedes ohne Promi-Bonus – auf den Jakobsweg zu machen. !ticket traf den Star vor seinem Pilger-Aufbruch.

In jedem deiner Interviews hört man heute den Satz, dass du den Menschen ein Lächeln ins Gesicht zaubern willst. Ist das dein neues Motto?

Nein, das ist kein Motto! Das, und nur das ist meine Aufgabe. Wenn ich ins Publikum schau‘ und keinen Stress, keine schlechten Gedanken sehe, dann hab ich meine Aufgabe erfüllt

Hat sich diese Mission langsam ergeben?

Es ist eine gewachsene G’schicht. Ich bin erwachsener geworden, ich bin bewusster geworden. Ich wollte aufs Wesentliche reduzieren, worum es mir eigentlich geht: Dass es den Leut’ gut geht, wenn sie mich hören, wenn’s mich sehen, dass sie ein gutes Gefühl haben. Man wünscht sich, dass man den Menschen ein Lächeln ins Gesicht malt.

Auf der anderen Seite gab es ein tiefes Tal, Depressionen. Das hat man in der Öffentlichkeit aber nicht mitbekommen.

Du kannst ja in niemanden rein schauen, aber das sind Zeiten, die hinter mir sind. Man geht den Jakobsweg öfter, weil man Probleme hat. Ich aber nicht. Ich hab’ kein Problem. Ich möchte nur das Minus, das ich in meinem Leben und speziell vor meiner Karriere aufgebaut hab’, zum Plus machen und damit abschließen. Es soll mich nichts mehr belasten.

Bist du ein Mensch, der mit der Vergangenheit nicht leicht abschließen kann?

Ich will es in mir einfach nur abrunden, den Kreis schließen. Dann bist du viel mehr in deiner Kraft und kannst viel mehr zulassen.

Das klingt alles ein wenig esoterisch …

Nein, jeder halbwegs vernünftige Mensch reflektiert …

Aber nicht jeder im Musikgeschäft …

Mag sein. Sollen die anderen machen was sie wollen. Ich bin ein reflektierender Mensch. Ich will wissen, wo was herkommt und warum ich was habe. Das kann ich nur, wenn ich mich auch selbst spür’.

Ich nehme an, dass auch deine vergangene „Gipfel-Tour“ nicht nur einfach ein Spaß war. Besinnst du dich beim Älterwerden auf deine Wurzeln, auf die Natur, die Berge?

Man erinnert sich: Wo war ich früher richtig in meiner Kraft? Bei den Hütten damals, weil die haben mich gespielt. Ich war ja selber DJ früher. Wenn du weißt, wo du herkommst, dann weißt du auch, wo du hin willst. Und noch dazu bist du in deiner Kraft.

In unserem Gespräch vor sieben Jahren ging es um die Differenzierung zwischen DJ Ötzi und Gerry Friedle. Hast du deine Rolle gefunden, wenn du dir das Ötzi-Gewand anziehst und den Deppen gibst?

Ich empfinde den DJ Ötzi grundsätzlich nicht als Depp. Ich finde, der ist ein sehr cooler Typ. Was der geleistet hat in den vergangenen 17 Jahren! Du musst immer handeln um zu wirken. Weil du hast ja eine Aufgabe, eine Verantwortung. Ich hab’ mittlerweile 325.000 Facebook-Friends, da hab’ ich eine Verantwortung. Da hab’ ich mich nicht deppert darzustellen oder etwas vorzumachen. Da gib’ ich ihnen die ganze Wahrheit.

Das hat eben 2010 noch anders geklungen.

Naja, vor vierzig Jahren hab’ ich auch noch in die Hos’n g’schissen. Man muss sich ja ändern, man muss sich weiterbilden, man muss sich finden. Ich bin ganz nahe, dass ich mit dem richtig lieg’ was ich jetzt mach’.

Auf dem 2010er Album „Du und ich“ hast du sehr persönliche Lieder gemacht, was kommerziell nicht erfolgreich war. Jetzt machst du wieder persönliche Titel – und plötzlich stehen die Zeichen auf Mega-Erfolg.

Das war damals zu früh: Der Gedanke, die Aussagen. Jetzt ist es aber richtig. Es fühlt sich richtig an, was ich da mach’, es fühlt sich an, als wäre es mein erstes Album. Es ist zu 100 Prozent persönlicher, das ist in den Texten. Man braucht seine Zeit um zu reflektieren, um sich weiter zu entwickeln, um sich anzunehmen. Es ist das Älterwerden. Es ändern sich die Ansichten. Ich fühl’ mich mit 46 Jahren zum ersten Mal als wirklicher Mann. Ich hab’ mich lange gefragt, was ist denn ein Mann? Bin ich das mit Fünfzig? Mit Sechzig?

Wenn man sich den Text zu „Für immer jung“ anhört – ist es deine Methode, in allem etwas Positives zu sehen?

Naaa! Wenn es regnet, dann regnet’s. Dann seh’ ich das auch net positiv. Bin ich traurig, dann bin ich traurig. Punkt. Die G’schicht bei „Für immer jung“ ist der Gedanke: Es kann die Welt untergehen wie sie will. Wenn ich weiß, wen ich liebe und wer mich liebt, dann bin ich in meiner Kraft, dann ist das wurscht. Das will ich den Leuten zeigen, dass Familie etwas Kraftvolles ist. Wenn du das weißt, dann brauchst du dir keine Sorgen machen oder Angst haben. Und wenn ich morgen Kartoffeln verkauf: Mein Schatz ist bei mir, mein Kind ist bei mir, da mach ich mir solche Sorgen nicht mehr.

Wenn man sich mit dem Thema Schlager-Pop-Seeligkeit beschäftigt, gibt es immer das Argument, die machen positive Musik in einer heilen Schlager-Welt …

Hast du jetzt echt heile Schlager-Welt gesagt? Das Album ist nicht heile Schlager-Welt, hör’ dir das an!

Naja, „Ein Mann für Amore“…

Hör’ amal guat zu: “I bin wie i bin, i tanz’ und i sing’, i mach’ halt mein Ding.” Was heißt das? Ich steh’ zu mir! Da krieg’ ich so einen Hals! Das ist für mich kein Kasperltheater, das ist mein Leben. Ich liebe, was ich mache. Glaubst du wirklich, dass ich so viel Zeit dafür aufwende, den Menschen das Album nahe zu bringen? Mit dem „Anton aus Tirol“ hab’ ich damals das Armani-Model abgelöst. “Ich bin so schön, ich bin so toll”, das hab’ nicht nur ich gesungen, sondern Millionen von Leuten. Im Unterbewusstsein hab’ ich gesagt: Hey, ich bin was wert! Und bei „Amore“ ist es genauso. Ich bin wie ich bin, soll ich mich verstellen? Na! Ich mach’ halt mein Ding. Ich war im Studio inspiriert von Udo Lindenberg, der sein Ding durchzieht. Wie geil ist das denn?

Bei „Leb’ deinen Traum“ hört man einen ganz anderen Ötzi, einen ruhigen. Wollen deine Fans von ihrem DJ Ötzi, von ihrem Anton, so etwas hören?

Jeder soll sich das rausholen, was ihm gut tut, wo er glücklich ist. Das Album hat es verdient, dass so ein Song drauf ist.

Weshalb gibt’s nicht mehr von der Sorte?

Das geht nur langsam. Das kann ich nicht von heute auf morgen.

„Alle Wege führen nach Rom“ heißt ein Titel, aber du gehst im Mai den Jakobsweg?

Auch da gibt’s Wege, die die Römer damals gemacht haben. Das Schiff vom Jakobus hat ja auch im Porto angelegt. Es gibt auch einen Pilgerweg nach Rom.

In „Gott hatte einen Traum“ erschafft er mit der rechten Hand die Schönheit (d)einer Frau. Was hat er mit der linken Hand gemacht?

(lacht) Er hat den Stab gehalten, sonst hätte es ihn um’ghaut. Was er mit der linken Hand macht? Kenie Ahnung, hat er das Material geholt?

Wo geht der Gerry hin? Wo geht der Ötzi hin? Gehen sie gemeinsam?

Ich hab’ einmal den Jakobsweg vor mir. Ich will nicht vorgreifen, ich weiß, wo ich morgen bin. Den Rest will ich nicht so genau wissen. Ich will Visionen und Ideen haben.

 

DJ Ötzi spielt am 6. April im Rahmen des Großen Schlagerfestes in der Wiener Stadthalle. Tickets gibt es bei oeticket.com.

 

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