Ein etwas anderes Freudenhaus

Im Herzen Wiens, in Ottakring, befindet sich die einzigartige Tschauner-Bühne, die mit Unterbrechungen und Ortswechseln seit 1909 feinste, urwienerische Komik für Groß und Klein kredenzt.

 

Vor über 100 Jahren ins Leben gerufen, ist die mittlerweile im 16. Hieb niedergelassene Tschauner-Bühne Garant für heitere, aber auch schmackhafte Kost: Teils derb-komisches, aber nie tumbes Stegreiftheater und dazu die traditionelle Knacker mit Bier. Wir unterhielten uns mit Geschäftsführerin Anita Zemlyak über den guten, wienerischen Schmäh. Der Ton macht die Musik!

 

Dieses Jahr steht am Kinderprogramm der „Praterkasperl“. Können Sie sich noch erinnern, wie Sie als Kind Praterbesuche erlebt haben?

Anita Zemlyak: Als Nicht-Wienerin kann ich mich natürlich noch sehr gut an meine Praterbesuche erinnern – es war immer ein ganz besonderes Erlebnis, da es auch selten vorgekommen ist. Die heutige Generation wächst im Vergleich dazu natürlich mit einem riesigen Angebot an Unterhaltung auf – ein Praterbesuch, denke ich, ist dennoch immer eine besondere Attraktion, weil es einzigartig ist und für Kinder viel zu Entdecken und Bestaunen gibt.

 

Ebenfalls am Kinderprogramm steht die „Kleine Raupe Nimmersatt“. Wären Sie die Raupe des Buches, welche kulinarischen Köstlichkeiten stünden bei Ihnen auf jeden Fall am Speiseplan – neben der obligatorischen Knacker mit Brot und Senf der Tschauner -Bühne?

Schmalzbrot mit Zwiebel und Manner-Schnitten.

 

Und welche Kinderbücher gehören noch in den gut sortierten Bücherschrank einer Jungfamilie?

Auf jeden Fall „Das kleine Ich-bin-Ich“.

 

Wie steht es um Ihre Bühnenerlebnisse als Kind?

Der Urania-Kasperl im TV hat auf jeden Fall dazu gehört. Ich freue mich, dass sich auch diese Tradition in der Tschauner-Bühne erhalten hat. Fröhliche Kindertheaterbesucher sind das Publikum der Zukunft.

 

Dieses Jahr haben Sie wieder köstliche, urwienerische Matineen und ein reiches Musikprogramm in Ihrem Haus. Würden Sie – angesichts der wieder aufkeimenden Diskussionen zum Thema „österreichische Musiker“ – auch eine qualitativ hochwertige Modernisierung des „österreichischen Musikgutes“ erkennen?

Ja, auf jeden Fall. Es gibt viel neue und sehr gute Wiener Musik. Zur österreichischen Musik kann ich nur sagen: Gratulation Conchita!

 

Dem „Urwienerischen“ wird gern ein derber Schmäh und ein ständiges „Granteln“ zugeschrieben. Was macht für Sie das „Wienerische“ aus?

Das Wienerische hat sehr viele Facetten. Ich bin ein Fan vom „alten Wienerisch“ und höre auch sehr gerne Wienerlieder, sowohl die alten Aufnahmen als auch die neuen Interpretationen, die es ja – dank vieler junger Wienerlied-Musiker – wieder zu hören gibt. Es ist ein Unikat, wie jede Mundart, wird aber schon auch von Nicht-Wienern, wie zum Beispiel mir, verstanden!

 

Auch das Kabarettprogramm hat dieses Jahr wieder eine bunte Mischung, von Weinzettl & Rudle bis hin zu Klaus Eckel. Wie würden Sie österreichischen Humor charakterisieren?

Guter Schmäh und Selbstironie mit Augenzwinkern.

 

„Tschauner-Reloaded“ bringt mit „Sissi“ die „Beuteljahre einer Kaiserin“ auf die Bühne. Was unterscheidet Ihre „Sissi“ von der eigentlichen „Sisi“, und was zeigt das Stück, das Romy Schneider oder das Musical nicht ohnehin schon präsentierten?

Unsere Sissi hat nicht nur ein „S“ mehr!

 

Verraten Sie mir vielleicht auch eine Geschichte, ein „unnützes Wissen“ über „unsere Kaiserin“, das unsere Leser vielleicht noch nicht kennen?

Sisi war dem österreichischen Wein nicht abgeneigt. Besonders vor langen Ausritten gönnte sie sich diese Stärkung.

 

Auf der Stegreif-Bühne geht es erneut ordentlich „versext“ zu. Wieso ist jenes Thema aus dem „klassischen Wien“ im Stegreiftheater so omnipräsent, ist Sex statt der wichtigsten Neben-, nun die wichtigste Hauptsache?

Ja, sicher!

 

Welchen Kunstgriff müssen „Ihre“ Schauspieler beherrschen, auf die man auf „üblichen“ Bühnen verzichten kann?

Spontanität.

 

Was sagen Sie Kritikern, die meinen, Stegreif sei „kein richtiges Theater“?

Es ist die ursprünglichste Form von Theater.

 

Wie weit ändern sich die Stücke von Tag zu Tag?

Die Rahmenhandlung bleibt gleich, das gesprochene Wort hängt von der Stimmung der Schauspieler und des Publikums ab.

 

Ein touristischer Gast besucht Wien zum ersten Male: Welche fünf Wörter würden Sie ihm auf jeden Fall mit auf den Weg geben?

Besuchen Sie die Tschauner Bühne!

 

Die Tschauner Bühne sitzt im Herzen Ottakrings: Welche wunderschönen oder speziellen Fixpunkte, Plätzchen, Lokale sollte man in „Ihrem“ Bezirk kennen – insbesondere als Einheimischer?

Den Brunnenmarkt samt Yppenplatz, die Jubiläumswarte, den Bockkeller und Steinhof!

 

 

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