Eine Klassenfahrt ins Unbekannte

Madeline Juno ist gewissermaßen der musikalische Max Goldt: Sie sitzt da, im Nirgendwo, und driftet mit ihrer Gitarre in intelligente Gedanken ab, die auf den ersten Blick nicht weltbewegend erscheinen mögen, aber dafür das eigene Ich, die Seele ergründen – was im Grunde ja vielleicht noch viel wichtiger ist. Man hört ihre starke Stimme im Kino (Fack Ju Göthe, Pompeii) und will sie für Deutschland zum ESC nach Kopenhagen schicken: !ticket reçu dix points de Madeline Juno.

 

Dein Error ist Teil des Soundtracks zu Fack Ju Göthe: Wie lässt sich bei dir zurzeit Schule und musikalische Karriere verbinden, oder hast du das Abi bereits hinter dir?

Madeline Juno: Ne, das Abi habe ich noch nicht hinter mir. Ich hätte es dieses Jahr, aber ich habe erst mal eine Pause eingelegt. Ich habe aber die Möglichkeit, jederzeit wieder einzusteigen und mache jetzt einmal so lange Musik, bis ich Lust habe, mein Abi zu machen.

Aufgeschoben ist also nicht aufgehoben.

Madeline: Stimmt. Es ist alles in bester Ordnung, ich habe eine ganz tolle Schule, die mir auch immer wieder schöne Briefe schreibt und sagt, dass sie das ganz toll finden, was ich mache. Es ist also ein sehr gutes Verhältnis zu meiner Schule.

Lieblingsfach?

Madeline: Englisch. Und Psychologie!

Schlechteste Note bisher?

Madeline: Eine Sechs. In Mathe (lacht).

Und die beste?

Madeline: Eine Eins. In Englisch. Ich hatte aber auch einmal eine Phase, da hatte ich eine Eins in Mathe (lacht).

Dein persönliches „Fuck you“ geht an Goethe oder Schiller – oder beide?

Madeline: (lacht) Das ist eine gute Frage. Ähm. Darf ich auch „keinen“ sagen?

Sicher. Oder jemand anderen nominieren, Kafka …

Madeline: Nee, Kafka ist doch auch toll (lacht). Also ich würde zu keinem „Fuck you“ sagen. Das waren doch große Persönlichkeiten! Also nein, ich würde sagen: „Alle Achtung! Danke für eure Werke, danke für das, was ihr uns hinterlassen habt!“

„Dein“ nächster Kinofilm ist nun Pompeii, hier wird Like Lovers Do zu hören sein. Wie schaut‘s bei dir mit Interesse an Geschichte, insbesondere den frühen Hochkulturen aus?

Madeline: Ich liebe Geschichte! Mama ist sehr geschichteinteressiert und hat auch Geschichte studiert und mich damit überhäuft, meine Oma war Lehrerin und hat mir auch sehr viel über Mozart erzählt. Heute, im Taxi, hatten wir übrigens Mozartkugeln (lacht). Die liebe ich bis heute und verbinde die ganz eng mit meiner Kindheit. Ich interessiere mich sehr für das dritte Reich, und hatte sogar mal ne kurze Phase, da wollte ich Ägyptologin werden (lacht). Also: Geschichte ist toll!

Daher muss wohl neben Wien auch Salzburg auf deinen Tour-Kalender?

Madeline: Ja, unbedingt!

Auf Pompeii nehm ich an freust du dich schon besonders, bist du als Serien-Junkie hier mit Kit Harington aus Game Of Thrones ja bestens bedient …

Madeline: Jaaaaa … (grinst)

Bei welchen Serien hängst du denn eigentlich gerade vor dem Laptop herum?

Madeline: Dexter momentan. Ich liebe Dexter! Ich habe jetzt neulich mit Arrow angefangen, da bin ich aber noch nicht ganz warm damit geworden. Game Of Thrones auf jeden Fall und Breaking Bad habe ich gesuchtet wie …

… Meth?

Madeline: Oh ja! (lacht)

Worauf freust du dich dieses Jahr dann schon insbesondere? Im April gibt’s ja bei Game Of Thrones Nachschlag …

Madeline: Und Ende des Jahres kommt auch wieder ein Hobbit! Das muss gekuckt werden.

Nachdem du auch auf Horror stehst: Wie steht’s mit der Serie Hannibal?

Madeline: (schnippt) Kucke ich auch! Genau! Hannibal ist fantastisch!

Da kommt ja demnächst auch endlich die zweite Staffel …

Madeline: Das ist gut, weil die erste habe ich schon lange durch. Eine richtig gute Serie! Und auch sehr irreführend. Am Anfang war ich total irritiert, weil ich dachte, dass der Profiler der Mörder ist, weil er sich so komisch verhält und nervös ist die ganze Zeit.

 

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Medienwechsel vom Film zum Buch: Welches Buch liegt bei dir am Nachtkästchen oder reist im Handgepäck mit?

Madeline: Ich habe gerade vor zwei Tagen von Michael Robotham Sag, es tut dir leid fertig gelesen. Das ist ein Thriller, die lese ich am liebsten. Achja, ich muss unbedingt auch noch Insidious 2 kucken, das ist ein Horrorfilm.

Wie steht’s eigentlich mit deinen eigenen Romanentwürfen?

Madeline: Ich habe mal an zwei Romanen geschrieben, die es nicht mehr gibt, weil meine Festplatte kaputt gegangen ist und wirklich gar nichts mehr zu retten war. Aber ich schreibe gerade an meinem dritten Buch, das wird ein Thriller. Es geht da um einen ganz normalen, intelligenten Jungen, der versehentlich seine Mitstudentin umbringt, auch wenn das jetzt mal komisch klingt. Es war ein Missgeschick. Aber irgendwie findet er Gefallen daran und wird zum Serienmörder …

Also leichte Dexter-Anleihen …

Madeline: (lacht) Ja.

Wie ist das eigentlich für dich, wenn du deinen Pressetext das erste Mal vorgelegt bekommst – fühlt man sich da gut getroffen, oder muss man da schon manchmal laut auflachen? Ich denke da vor allem an die Textzeile „zu meist mondsüchtiger Stunde sitzt sie auf dem Bett“.

Madeline: Ha, ja das ist Frank, mein guter Frank! Mein – ich sage immer – Creative BlaBlaBla, Frank und ich, wir bilden so eine kreative zweiköpfige Hydra. Frank schreibt für den Stern und so und er ist so einer, der spielt gern mit Worten und übertreibt auch mal gern. Er kennt mich sehr gut, also passt das schon. Aber den Pressetext kenne ich noch gar nicht (grinst). Ist wohl mal wieder zu doll Frank, hat er mal wieder auf den Putz gehau‘n (lacht)!

Madeline steht nicht nur auf Eulen und Löwen, sondern auch auf (unsere) Ente.

Madeline steht nicht nur auf Eulen und Löwen, sondern auch auf (unsere) Ente.

Und wie ist das, wenn du dich unerwartet aus dem Radio singen hörst, oder eben im Kino? Gänsehaut? Oder checkst du dann eher ab, wie die anderen auf deine Musik reagieren?

Madeline: Ich war ja bei der Premiere von Fack Ju Göthe, das war schon echt cool. Aber ich höre relativ wenig Radio und kucke relativ wenig fern, außer, wenn ich weiß, dass ich irgendwo zu sehen bin, dann machen wir schon bei mir daheim im Wohnzimmer mit Band oder Freunden eine Art „Public Viewing“. Vor einer Woche saß ich mit meiner Mama im Auto und dann kam tatsächlich mein Lied im Radio! Das war schon krass, weil wir uns da gerade darüber unterhalten haben, dass sie und Papa mich nie hören, weil man das immer verpasst. Gänsehaut bekomme ich da nicht, aber es ist schon … „Aaah, schön!“ (lacht)

Ab Anfang März steht ja nun auch dein Debüt The Unknown endlich in den Läden, die Klicks zu deinen Songs auf YouTube rattern stets in die Höhe. Ist dir da rückblickend eigentlich auch was peinlich, teilst du immerhin doch sehr intime Gedanken mit der breiten Öffentlichkeit …?

Madeline: Nee. Ich seh‘ das so: Wenn ich nicht wollte, dass das öffentlich wird, würde ich die Songs nicht schreiben. Diese Themen, die Dinge, die mir passieren, passieren ja auch vielen anderen. Klar ist es sehr persönlich, insbesondere viele Kleinigkeiten sind meine Geschichte, sind nur mir passiert. Es gibt da Always This Way, da kommen Tegan and Sara vor, das habe ich mit dieser einen Person geteilt. Oder Restless, das war der Film, der für mich sehr relevant war. Aber trotzdem ist das was, womit ich nicht alleine bin. Sowas kommt halt auch einfach so: Wenn ich schreibe, verarbeite ich, was mir passiert, dann sprudelt das so „bluarbbbb“ aus mir heraus.

In Fack Ju Göthe geht es – einer Filmkritik nach – „um Jugendliche, die in Emoticons sprechen“. Mit welchen fünf Smileys würdest du deine CD beschreiben?

Madeline: Mhm mhm mhm … Diesen hier … hm hm … der sieht so n bisschen unsicher aus, so „äääh?“. Wütend ist es manchmal auch … Den. So, und den. Das war‘s.

Smileys Juno

Wie sieht eigentlich dein musikalischer Background aus? Du kommst ja nicht nur aus einer geschichtsinteressierten, sondern auch aus einer sehr musikalischen Familie – was sind da deine frühesten prägendsten Erinnerungen?

Madeline: Ich erinnere mich noch ganz gut daran, dass ich meine Eltern auf ihre Gigs begleitet habe und hinter der Bühne saß. Und was später mein Zimmer wurde, im Keller, war früher der Proberaum meiner Eltern. Wenn meine Cousine zu Besuch war, saß ich immer auf einer der Verstärkerboxen und hörte ihr beim Singen zu. Sie war mein Leben lang mein großes Vorbild. Ich habe immer gesagt, ich möchte so singen, wie sie. In der vierten Klasse, bei der Abschlussfeier meiner Grundschule, habe ich übrigens ein Lied ganz alleine gesungen.

Was für eine Musik machen denn deine Eltern?

Madeline: Die covern so einen Kram und spielen auf Hochzeiten und Geburtstagen, machen Unterhaltung. Meine Mama macht dann auch so ein richtiges Programm, mit Spielen und so weiter … (lacht)

Was rennt zurzeit auf deinem iPod?

Madeline: Ganz, ganz viel. Immerzu Casper, immerzu Tom Odell, Ed Sheeran, Tegan and Sara und City and Colour, William Fitzsimmons. Ich liebe The 1975, Boy finde ich ganz toll, John Mayer und noch so viele mehr!

Hast du eigentlich weibliche Musikerinnen als Vorbilder – abgesehen von deiner Cousine?

Madeline: So ein direktes Vorbild habe ich eigentlich nicht. Aah, ich habe Paramore vergessen! Paramore ist meine allerliebste Lieblingsband! Wenn ich fleißig trainiere, dann wäre es schon super, einmal eine etwa so starke Stimme wie Hayley Williams zu bekommen. Sie ist schon irgendwie meine Göttin.

Am 13. März darf man dir ja die Daumen drücken, denn da geht’s in Köln um die Frage: „Vertrittst du Deutschland beim Songcontest in Kopenhagen?“ Was macht deiner Meinung nach einen guten, zugkräftigen ESC-Beitrag aus?

Madeline: Ich habe darüber viel nachgedacht und ich glaube, dass die Gewinner-Songs der letzten Jahre keine Freakshow-Songs waren. Es gibt ja immer diese gewissen Länder, die schicken halt ihre Freaks da hin, die machen ganz viel Choreographie und spielen etwas in ihrer Landessprache, und dann checkt das sowieso keiner. Das ist eine nicht ernst zu nehmende Freakshow. In den letzten Jahren haben aber eher die Songs gezogen, die emotional waren, die Menschen berührt haben. Gesetz des Falls, ich schaffe es tatsächlich nach Kopenhagen, dann kann es ohnehin nur Error oder Like Lovers Do sein. Da braucht es dann auch keine Explosionen oder Tanz.

Das heißt, du findest die eigene Landessprache auch nicht so wichtig?

Madeline: Ich glaube schon, dass es schön ist, aber es hat sich ja in den letzten Jahren gewandelt, da muss man ja nicht mehr in der eigenen Sprache singen. Mittlerweile treten viele auf Englisch auf, und das finde ich nicht schlecht.

 

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Ein bisschen verklärend wird über deinen Herkunftsort, den Schwarzwald, geschrieben, dass du dort „gern Kastanien sammeln“ gehst. Bist du ein Frühlings-, Sommer-, Herbst- oder Winter-Mensch?

Madeline: Winter kann ich nicht so gut, weil ich eine Frostbeule bin. Obwohl dieser Winter ja eigentlich relativ mild war, da war wirklich nix. Es hätte viel schlimmer sein können, aber ich bin froh, wenn der endlich vorbei ist. Ich habe eigentlich nie warme Hände. Sommer kann ich auch nicht so ab, obwohl ich da Geburtstag habe, weil in Deutschland ist es immer so drückend und schwül. Deswegen: Ich bin ein Herbstmensch! Ich liebe so goldene Oktober!

Der Geruch von Kastanien, vom Laub …

Madeline: Genau! Und die Vögel sind noch nicht weg! Das finde ich ganz schön!

Apropos Fauna: Du hast ja zwei Tier-Tattoos …

Madeline: Mittlerweile habe ich drei Tattoos! Eins ist noch ganz frisch! Die Eulen waren mein erstes Tattoo.

Wofür stehen die?

Madeline: Für meine Nachtaktivität und weil ich von klein auf ein großer Harry Potter-Fan war – Hedwig und so. Es sind vier Stück, die stehen für Papa, Mama, meinen Bruder und mich. Dann der Löwe, der war als nächstes. Ich bin ja von Sternzeichen Löwe.

Oh, eine Gemeinsamkeit!

Madeline: Ach du auch? Wann hast du Geburtstag?

Am 9. August.

Madeline: Dann haben wir uns knapp verpasst, ich habe am 11. August (lacht). Cool! Der Löwe steht für Stärke und Mut. Ja, und das, das ist ganz neu wie man sieht, es ist noch recht dunkel. Es ist ein Zitat aus The Unknown und ein Kompass, der mir zeigt, wo es ins Unbekannte geht (lacht) …

Schon das nächste in Planung?

Madeline: Nee, noch nicht. Aber es wird vermutlich die Stelle über den Eulen gefüllt und dann, behaupte ich mal, ist es genug (lacht) …

Ich traue mich wetten, das ist es nicht. Ist eine kleine Sucht, das Tätowieren …

Madeline: (lacht) Ich seh’s an dir …

The UnknownDeine Musik wird ob der Themenwahl „Liebe“ als „Heart-Core“ verkauft …

Madeline: Das war auch Frank (lacht)!

… und aufgrund deines Alters als „Coming-Of-Age“-Album gepriesen, was ja auch wieder einen kleinen Goethe-Bezug hat, von wegen „Werthers Lehr- und Wanderjahre“. Wohin willst du? In Zukunft vielleicht mehr Band, weniger Solokünstlerin, als Teil etwas Ganzen?

Madeline: Ich liebe meine Band! Wir proben jetzt schon seit drei Jahren, sie sind meine besten Freunde, ich habe das so gern, mit ihnen auf der Bühne zu stehen. Manchmal ist es schon angebrachter, alleine zu spielen, im Radio oder bei irgendwelchen intimen Situationen, bei etwas kleinem, netten, da kommt es gut, wenn da nur das Mädchen mit der Gitarre sitzt. Aber ich habe das unfassbar gern mit meiner Band, ich liebe es auch, mit ihnen zu reisen – fast so wie bei einer Klassenfahrt. Ich will auf jeden Fall diese Band behalten!

Und mit ihr auch endlich nach Österreich kommen?

Madeline: Auf jeden Fall! Es ist so schade, dass ich gestern und heute so wenig von Wien gesehen habe. Nur ein bisschen die Gebäude, und die Architektur ist unfassbar schön! Aber wenn wir dann hier spielen, nehme ich mir richtig Zeit und laufe hier rum und schaue mir die Museen auch von innen an.

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