„Eine US-Karriere wäre nichts für mich“

Der österreichische Singer-Songwriter Norbert Schneider bringt den Funk, Soul und Blues in seine Songs. Und außerdem seit zwei Jahren auch die deutsche Sprache und den Wiener Dialekt. Gezwungen auf Wienerisch möchte der 36 –Jährige jedoch nicht machen, wie er uns im !ticket- Interview erzählt.

Zur Zeit gibt es einen Boom in der Österreichischen Popmusik. Wie siehst du das?

Ich nehme das schon auch wahr. In erster Linie bin ich froh, dass ich jetzt nicht damit anfange. Das ist mein zweites Album auf Deutsch. Sonst würde jeder schreiben: Jetzt spring er auch auf diesen Trend auf. Ich find’s guad, es gibt immer mehr Bands, die das machen. Ich hoffe, dass die Medienlandschaft das auch einmal respektiert. Ich glaube auch, dass Radios irgendwann nicht mehr drum rumkommen. Es ist ein Trend: Es gibt Publikum, die Konzerte sind voll. Ich hoffe, dass das in der breiten Masse auch einmal ankommt.

Heißt das dann mehr Konkurrenz für dich?

Na, ich glaub, dass sich das eher beflügelnd, wenn ein Hype um österreichische Musik ausbricht. Musikalisch bin ich jetzt nicht unbedingt in dem Fahrwasser.

Hast du noch Vorbilder von früher? Wiener Lied oder Wiener Blues?

Ich höre ganz wenig deutschsprachige Musik. Ich höre irrsinnig viel Blues und Jazz und alles, was dazugehört an Soul und Funk, teilweise Hip-Hop. Auf das steh ich auch. Da gibt es viele Vorbilder. Ich bin Gitarrist, so habe ich meine Leidenschaft zum Musik-Machen entdeckt. Da gibt es eine Tonne an Gitarristen, die ich mir als Vorbild genommen hab. Wobei ich in den letzten Jahren schon darauf bedacht bin, das mit meiner Identität zu mischen. Deswegen hab ich auch den Wechsel zu unserer Sprache vollzogen. Musikalisch hat sich da gar nicht so viel geändert, ich wollte es einfach persönlich halten. Ich kann zwar ganz gut Englisch, ich kann mich mit Deutsch trotzdem anders ausdrücken.

Glaubst du, dass du deshalb seither erfolgreicher bist, weil authentischer?

Auf Konzerten bekomme ich  direkt präsentiert, dass ich ganz andere Leute bekomme. Alte Fans sind gottseidank nicht abgesprungen, also die Gitarren-Freaks kommen nach wie vor. Aber es ist ein viel breiteres Publikum, das konnte ich vorher gar nicht erreichen.

Das Video zu deiner Single ist ja in San Francisco aufgenommen. Wie passt das mit dem Österreichischem zusammen?

Mir war‘s auch wichtig, nicht in diese Falle zu tappen und wahnsinnig auf Wiener Schmäh zu machen. Das ist meine Sprache, meine Identität, das heißt nicht, dass ich nur etwas in Wien drehen kann und nicht, dass alles einen verkrampften Wien-Bezug haben muss. Bei dem Song hat es einfach gepasst: Es war eine Herz-Schmerz-Ballade. Alles hat sich umgedreht und meine Welt steht jetzt am Kopf, ich habe nach einer Location gesucht, die weit weg ist. Ich bin froh, dass es San Francisco geworden ist, weil die Stadt so cool war. Ich fahr jetzt im Sommer wieder hin, weil es so Spaß gemacht hat.

Wäre eine US-Karriere etwas für dich?

Na, nicht wirklich. Weil ich doch hier zu sehr verwurzelt bin. Vor allem wird‘s mit der Sprache jetzt schwer. Wobei, seitdem ich auf Wienerisch singe, habe ich die Vor einem Monat war ich in Toronto. Am meisten haben sie bei den Wiener Liedern gejubelt. Wahrscheinlich der Exoten-Bonus, den ich voll ausgekostet habe. Ich habe jetzt auch eine Anfrage für ein Jazz-Festival in Kairo. Das ist witzig. Vielleicht hat das jetzt so einen Kultur-Stempel, dass jemand seine eigene Kultur nach außen tragen will.

Das könnte auch mit dem Song-Contest zusammenhängen…

…vielleicht, daran habe ich noch gar nicht gedacht.

Bei „Wean“ gehst du durch den siebten Bezirk in Wien. Ist das für dich eine Persiflage auf den Vegan-Trend und den siebten als Bobo-Ville?

Ja schon. Ich habe da einige Freunde, die werden ein bisschen durch den Kakao gezogen.

Du wirkst ja relativ fröhlich. Gibt es die Wiener Grantigkeit, die irgendwann zum Vorschein kommt?

Ein grantiger Typ bin ich eigentlich nicht. Ich mache das ja hauptberuflich seit immer. Ich hab die Schule abgebrochen und bin seitdem Musiker. Das ist schon ziemlich lange her. Da habe ich immer wieder Phasen, wo es schwer ist, sich als Künstler durchzuschlagen, depressionsartige Momente auch. Da ist die Musik gut für mich, weil sie mich aufbaut. Es ist nicht schlecht, wenn man auch Erfahrungen hat, die nicht unbedingt so positiv sind. Das ist das tolle für mich, dass Musik die Macht hat, das anzustellen. Ich höre mir auch selten destruktive Musik an, das ist nicht so meins. Ich bin da mehr dem Afro-Amerikanischen zugetan. Dem Blues wird ja oft nachgesagt, depressive Musik zu sein. Das stimmt nicht, es ist eher Musik, die die Leute wieder herausholt.

Presse26

Hast du noch Pläne heuer. Was tut sich noch?

Die Album-Präsentation, die Konzerte und Tourneen, die damit verbunden sind. Ein paar Mal wieder in die Schweiz fahren heuer, viel in Wien und Niederösterreich. Mein Ziel für dieses Jahr, ist, dass ich mein eigenes Werk ein bisschen ernster nehme.

Hast du das nicht ernst genommen?

Nein, überhaupt nicht. Es ist erschreckend, wie wenig ich das ernst genommen hab. Ich hab meine eigenen CDs nicht zu Hause. Ich probiere gerade die alten Stücke wieder ins Life-Programm mitaufzunehmen und weniger Covers zu spielen. Ich habe schon 100 Songs selbst geschrieben, die ich aber immer wieder verwerfe. Den letzten Song hab ich mir vom FM4-Soundpark streamen müssen und habe ihn mir selbst wieder gelernt. Das ist schon bezeichnend, wie locker ich damit umgegangen bin.

 

Interview: Astrid Radner, Petra Albrecht

 

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