Einmal Frank N. Furter sein

Neben den eingängigen Songs sorgten vor allem auch die ausgeflippten Outfits für den Welterfolg des Kult-Klamauks The Rocky Horror Show. Aber worin liegt die Faszination dieser schrägen Fantasiegestalten? Und warum schlüpfen Menschen so gerne in fremde Rollen?

So lange ist es noch gar nicht her, dass sexy Halbzombies durch die Gassen unserer Städte und Orte schlichen – wie jedes Jahr zogen auch diesmal Tausende Geschminkte am 31. Oktober herum, um Halloween zu feiern, fernab des ursprünglichen Gedankens der Geistervertreibung natürlich. Und lange ist es nicht hin, da werden wieder so einige mit Krapfen bewaffnete lustige Gestalten ihr Unwesen treiben.Weit bevor Halloween und das dazugehörige Verkleiden hierzulande populär wurde, tanzten sich schon horroreske sexy Gestalten über die Bühne und schlussendlich auch über TVGeräte: Mit „The Rocky Horror Show“ schuf Erfinder Richard O’Brien ein Musical, das einen Kultstatus erreichte, wie kaum ein anderes. Kaum zwei Jahre später, 1975, kam es zu der nicht weniger kultigen Verfilmung unter dem Namen „The Rocky Horror Picture Show“. Das Faszinosum an der kultigen Geschichte von Dr. Frank N. Furter geht aber weit über die – zugegeben gut komponierten – Songs und den ulkigen Plot hinaus, vor allem die Hauptprotagonisten, die schräger kaum sein könnten, fesseln seit Jahren ihre beträchtliche Fangemeinde, die sämtliche Gelegenheiten des Verkleidens zum Anlass nimmt, einmal selbst ein Charakter aus Transsexual Transylvania zu sein.

Die Lust am Verkleiden

Warum verkleiden sich Menschen so gerne? Hierzu gibt es etliche psychologische Abhandlungen, aber vielleicht muss man diese gar nicht bis ins kleinste Detail studieren, sondern einfach ein bisschen in sich hineinschauen, um zu erkennen, dass es manchmal einfach Spaß macht, dem Alltag zu entfliehen oder einen Abend jemand anderer zu sein. Hinter Masken verstecken wir uns täglich, diese sind aber nicht zu sehen, da geht es mehr um Selbstkontrolle und eine unsichtbare, emotionale Maske.
Ganz ehrlich, wer von uns hat sich nicht schon oft mit einem Lächeln für etwas bedankt, obwohl er im tiefsten Inneren seinem Gegenüber den Kopf abreißen wollte? Dementsprechend sind wir es also gewohnt, uns zumindest emotional zu verkleiden. Dazu kommt, dass es einigen – zumindest dem Alter nach – erwachsenen Menschen ein Anliegen zu sein scheint, die Unbekümmertheit ihrer Kindheit Revue passieren zu lassen. Für Kinder ist es ganz normal, in andere Rollen zu schlüpfen: Sind sie heute noch ein Ninja Turtle, tänzeln sie morgen vielleicht schon als Prinzessin Lillifee durch den Kindergarten – und das unabhängig von Erziehung oder Geschlecht.
Das äußerliche Erscheinungsbild zu ändern ist ein weiteres Mittel, um einmal einfach jemand anderes sein zu können oder sogar man selbst. Vielleicht ist die schüchterne Sekretärin in Wirklichkeit eher die sexy Krankenschwester?

Der Rocky-Horror-Style

Die Rocky-Horror-Verkleidung vereint gleich zwei markante Details: Sex und Horror – quasi ein Zusammenspiel von Erotik und Mystik, mit einem Teelöffel Fiktion und einer Prise Persiflage. Der Sexfaktor ist ein wesentlicher, geht Rocky Horror Stares beim Verkleiden schlussendlich auch darum, Grenzen zu überschreiten. Schlüpft man in ein Kostüm, ist man jemand anderes, man bewegt sich anders, man hat eine komplett andere Persönlichkeit. Im Falle von Dr. Frank N. Furter geht es um mehr als nur Sex und Horror: Sein transsexuelles Erscheinungsbild führt uns einmal mehr vor Augen, dass alles erlaubt ist, auch wenn es eventuell so gar nicht den gängigen Konventionen entspricht. Insofern kann man „The Rocky Horror Show“ respektive Erfinder Richard O’Brien Tribut zollen, eine oftmals hinter den Kulissen passierende Form des „In-eine-Rolle-Schlüpfens“ im 20. Jahrhundert nahezu salonfähig gemacht zu haben. Dennoch betonte er oftmals, dass er mit seiner Science-Fiction-Travestie reine Unterhaltung schaffen und keine Botschaft an die Welt senden wollte.
Sexy-sein-Wollen leuchtet ein, aber wie passt der Wunsch nach Horror in unsere Wandlungsaffinität? Dies mag einerseits auch an dem kindlichen Wunsch liegen, anderen einen Schrecken einjagen zu wollen und hat natürlich nebenbei historische Wurzeln (Stichwort wieder mal: Halloween), die sich über kurz oder lang gesellschaftlich in unseren Köpfen festgesetzt haben. Außerdem: Das Mystische, Geheimnisvolle hat ja ohnehin immer seinen Reiz! Hat nicht schon eine ebenfalls für ihre Kostümage bekannte heimische Band gesungen „Einmal möchte ich ein Böser sein!“? Und recht hatten sie wohl, so ein bisschen böse, verrucht und furchteinflößend an einem Abend zu sein, macht doch Spaß, solange es bei eben diesem kontrollierten Vernunftsausbruch bleibt.

 

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