Eiszeit bei Holiday on Ice

Holiday on Ice

„Time“, die neueste Show von Holiday on Ice, nimmt das Publikum mit auf eine Reise durch die schönsten Momente des Lebens. Erzählt wird mit atemberaubender Akrobatik, funkelnden Kostümen und einem Soundtrack von Coldplay bis Bublé.

Holiday on IceEs ist Mitte Mai. Wir sitzen leicht erhöht am Kopf der Eisfläche in der Halle Tony Garnier im französischen Lyon. Draußen gleißt die Sonne, die Stadtbewohner läuten bei sommerlichen Temperaturen ihr Wochenende am malerischen Ufer der Saône ein – während sich Annette Dytrt, Yannick Bonheur und ihre KollegInnen am Eis aufwärmen. Ein Eis zum Schlecken hätten wir jetzt auch gerne, winterlich anheimelndes Showvergnügen wirkt sieben Monate vor Weihnachten noch etwas surreal; Und dennoch können wir die gebannten Augen nicht von den AkrobatInnen lassen, die in halsbrecherischer Geschwindigkeit übers Eis sausen, springen, rotieren – und nur wenige Stunden später vor ausverkauftem Haus und unter frenetischem Beifall scheinbar nebenbei die Geschichte von den schönsten Lebensmomenten erzählen werden. Im Anschluss an die neue Show von Holiday on Ice dürfen wir dann hinter die Bühne, wo Annette, Yannick und all die anderen ihre glitzernden Kostüme abgelegt und es sich gemütlich gemacht haben. Entspannt, als kämen sie aus dem Urlaub und nicht vom Hochleistungssport, fragen sie mit strahlenden Augen: „Und, hat es euch eh gefallen?“

„Time“, die Geschichte über die schönsten Lebensmomente, ist hierauf als Antwort gewissermaßen treffend: In mir keimte die Erinnerung auf, als ich als Kind 1990 gebannt die Holiday on Ice-Produktion „Die Reise um die Welt in 80 Tagen“ verfolgte. Was verbindet ihr mit Holiday on Ice?

Annette: Ich bin mit 9 Jahren als Eiskunstläuferin für den Münchner EV am Eis gestanden. Wir LäuferInnen bekamen immer Karten für Holiday on Ice – und ich verliebte mich sofort. Katarina Witt stand damals für die Show am Eis und ich wusste, irgendwann würde sich auch mein Traum erfüllen, einmal für Holiday on Ice laufen zu dürfen.

Yannick: Ich war zwar bereits älter als Annette, als ich die Show erstmals sah. Aber auch mich begeisterten unsere Stars – Philippe Candeloro und Surya Bonaly –, die damals für Holiday on Ice liefen und auch ich hoffte, nach Ende meiner Sportlerkarriere zu Holiday On Ice wechseln zu können.

Was brachte euch überhaupt auf das Eis?

Yannick: Wir gingen damals mit der Volksschule immer Eislaufen, am Eis fühlte ich mich von Anfang an pudelwohl! Insbesondere die Geschwindigkeit, wenn man über das Eis saust, hatte es mir damals als kleiner Junge angetan (lacht).

Annette: Meine Eltern kommen zwar auch aus dem Leistungssport, aber standen selbst nie am Eis. Meine ältere Schwester hingegen schon: In Landshut gab es ein Restaurant in einer Eishalle, da traf sich mein Vater immer mit Freunden auf ein Bier, während die Mütter shoppen waren. Natürlich stand da die Frage im Raum, was mit den Kindern gemacht werden solle. Meine Schwester war die erste, die dann unten in der Halle aufs Eis gestellt wurde und irrsinnigen Spaß hatte – und ich habe ihr zugeschaut. Mit zweieinhalb Jahren wollte ich dann auch unbedingt aufs Eis – und gar nicht mehr runter (lacht).

Ihr lieft beide auch für die Revue im Lido de Paris: Wo ist der Unterschied zwischen einer Revue und einer großen Show wie Holiday on Ice?

Yannick: Die Show – also Musik und Kostüme – ist ähnlich aufgebaut. Da Holiday On Ice aber nicht an einem Ort stationiert ist, ist die Vorbereitung eine andere: Es braucht etwas Zeit, sich auf die örtlichen Gegebenheiten, die Hallengröße einzustellen. Für beide Shows sind abwechselnd etwa 30 bis 35 LäuferInnen am Eis, die Fläche bei Holiday on Ice ist aber größer und bietet mehr Raum, sich zu entfalten.

Annette: Im Lido hatten wir auch nur einen Akt, bei Holiday on Ice sieht man uns öfter am Eis. Im Lido sitzen die Leute näher an den LäuferInnen dran, kriegen da ab und an auch schon ein paar Flocken Eis ins Champagnerglas ab (lacht).

Ist das Publikum unterschiedlich?

Annette: Im Lido sind vornehmlich asiatische Touristen Gäste gewesen, die so eine Eis-Revue noch niemals in ihrem Leben gesehen haben.

Yannick: Die Besucher von Holiday on Ice kennen das Konzept weitestgehend, denke ich – und sind wiederkehrende Gäste.

Wodurch unterscheidet sich das Training im Leistungssport von dem für Holiday on Ice?

Annette: Im Leistungssport musst du intensiver an Perfektion feilen – bei Holiday on Ice ist natürlich auch viel Übung von Nöten, aber die Grundstimmung ist relaxter. Hier bekommen wir keine Punkte, können Fehler leichter ausmerzen. Es beurteilt uns das Publikum, nicht die Richter: Selbst wenn dir ein Fehler unterläuft, klatscht das Publikum – allein um dich zu motivieren!

Yannick: Im Sport geht es sehr stressig zu, da ist kaum Urlaub drinnen. Bei Holiday on Ice können wir durchaus zwischendurch einmal abschalten.

Habt ihr Trainer, oder trainiert ihr unter- und miteinander?

Annette: Wir trainieren selbständig, aber wir fragen manchmal bei außenstehenden Akrobaten um Rat – aber wir helfen uns natürlich auch untereinander.

Was macht für euch eigentlich das besondere Gefühl aus, wenn ihr am Eis steht?

Annette: Für mich ist es ein wundervolles Gefühl, aufs Eis zu steigen und eine Geschichte erzählen zu können – allein mit meinen Bewegungen. Gemeinsam mit der Musik und den Kostümen ist das magisch! Mich macht es glücklich, wenn mich freudenstrahlende Gesichter anstarren – und natürlich der Applaus!

Yannick: In mir steigt das Selbstvertrauen, ich fühle mich am Eis stärker als normal – und auch glücklicher (lacht).

Annette: Vor jeder Show heißt es bei uns immer untereinander: „Hab Spaß!“ Im Sport war das nicht so – natürlich machte auch das eine Freude, aber du musstest fokussierter sein. Holiday on Ice können wir richtiggehend genießen, das ist etwas ganz Besonderes.

Holiday on IceIhr vollführtet eure Akrobatik in der Vergangenheit jedoch nicht nur am Eis, sondern auch auf Inlineskates: Wo ist der Unterschied zwischen Rollen und Kufen?

Yannick: Das Gefühl, wenn du so willst, ist ähnlich. Aber mit Rollen brauchst du mehr Kraftanstrengung als am Eis. Das Eis gleitet so schön, da musst du nur einmal abstoßen (lacht).

Und wo liegen die unterschiedlichen Herausforderungen an Männer und Frauen?

Yannick: Es ist wie im Leben: Frauen sind detailverliebt, die Männer wollen einfach nur Spaß haben (lacht).

Annette: Die Besucherinnen und Besucher kommen auch, um schöne Showgirls zu sehen, mit schönem Make-Up und schönen Frisuren. Demnach müssen wir besonders gut in Form bleiben – wir machen unsere Übungen auch in den Pausen, während die Männer auch gern einmal Playstation spielen (lacht).

Yannick: Wir müssen halt die Frauen auch heben und schleudern können, insofern müssen auch wir laufend ordentlich trainieren.

Annette: Frauen haben es immer schwieriger, im nächsten Leben bin ich ein Mann (schmollt spielerisch).

Ist Einzel- oder Paarlauf einfacher?

Annette: Nach 20 Jahren als Solo-Läuferin auch heute noch: Einzellauf. Der Unterschied ist: Wenn ich bei meiner Nummer einen Fehler mache, zum Beispiel einen Schritt zu viel oder zu wenig, kann ich das leicht überspielen, ohne dass es auch nur irgendjemand merkt. Das geht beim Paarlauf nicht, da greift ein Zahnrad ins andere und du musst dich auf jedes Detail erinnern.

Yannick: Ich mag den Paarlauf, weil da nie die Verlockung aufkommt, gedankenverloren zu sein. Für mich ist der Paarlauf harmonisch.

Annette: Das stimmt schon, wenn man zu zweit läuft, unterstützt man sich gegenseitig, das ist schon ein wunderbares Gefühl. Ich glaube auch, dass die Besucher den Paaren lieber zuschauen, weil die mehr aufführen können: Das schaut gleich viel schöner aber auch gefährlicher aus.

Wechselt ihr manchmal die Partner, um euch aus der Komfortzone zu lösen?

Annette: Nein. Die Paare kennen und vertrauen einander blind – natürlich: Wenn jemand ausfällt, muss eingesprungen werden. Aber einen beabsichtigten Wechsel gibt es nicht.

Holiday on IceWie wichtig ist es, dass euch persönlich die Musik von Holiday on Ice gefällt?

Yannick: Sehr. Immerhin müssen wir die Musik über Monate hinweg fast jeden Abend hören (lacht). Wenn uns die Musik gefällt, können wir uns allabendlich so richtig fallen lassen.

Das heißt, ihr folgt der Musik tatsächlich – und habt sie nicht nur als Hintergrundgeräusch in der Wahrnehmung?

Yannick: Ja. Wenn bei „Time“ zum Beispiel der Song „Say Something“ läuft, spüren wir beide immer wieder die Emotionen, die er für uns aussagt und manchmal singe ich innerlich sogar mit.

Was braucht ein Stück Musik, um Teil von so einer Show zu sein?

Annette: Wenn es ein schnelles Stück ist, dann können wir auch schnellere, verrücktere Kunststücke zeigen. Bei langsameren Songs geht es dann mehr darum, Emotionen am Eis zu zeigen – das ist natürlich auch schön. Letztlich macht es die Mischung aus.

Yannick: Wichtig ist auch, dass man als Besucher zumindest einige der Stücke kennt, etwas mit ihnen verbinden kann.

„Time“ erzählt also die Geschichte von Momenten, die man sich bewahren möchte. Welche eurer persönlichen Lebensmomente würdet ihr erzählen wollen?

Yannick: Ich glaube, ich würde gerne die harten Zeiten zum Anfang meiner Karriere zeigen – als ich mich noch beweisen musste.

Annette: Die Show „Passion“ hat gewissermaßen schon meine Geschichte nacherzählt (lacht). Aber auch als wir im Supertalent zu „Sound Of Silence“ geskatet sind – das war für mich ein sehr besonderer Moment, den ich gerne eines Tages auch aufs Eis bringen würde, vielleicht mit anderen Kostümen (lacht).

Wie wichtig ist überhaupt das Thema oder die Geschichte einer Holiday on Ice-Show? Denn letztlich ist’s gleich, ob die Show „Passion“, „Speed“, „Believe“ oder „Time“ heißt: Ihr saust über das Eis und vollzieht teilweise waghalsige Akrobatik.

Yannick: Für uns als Darsteller ist das schon wichtig, weil so folgen wir einem roten Faden – wie Schauspieler. Wir erzählen halt nicht mit Worten, sondern mit unseren Figuren.

Annette: Und die Besucher wollen natürlich immer eine Steigerung haben – das ist für die Erzählung dann immer eine Herausforderung.

Wenn ich mir euer Zusammenleben hier hinter der Bühne so anschaue: Es fühlt sich an, als wärt ihr eine große Familie. Wie es in Familien so üblich ist, gibt es da auch gerne einmal Zwist. Wie löst ihr das, bevor es aufs Eis geht?

Yannick: Natürlich gibt es auch bei uns hie und da Meinungsverschiedenheiten, aber wir alle wissen: Bevor die Show beginnt, muss alles ausgesprochen sein. Da dürfen die eigenen Befindlichkeiten nicht über den Ansprüchen des Publikums stehen.

Annette: Was hinter der Bühne passiert, bleibt auch dort. Vorm Vorgang gilt nur die Show, dein Auftritt. Wenn jemand merkt, dass es jemand schlecht geht, oder Frustrationen da sind, etwa weil eine Figur nicht wirklich gelingen will, sind wir für einander da, reden miteinander. Bei Holiday on Ice gibt es keinen Konkurrenzkampf, wir sind wie du sagtest: eine Familie.

Holiday on IceDie Show heißt Holiday on Ice. Braucht ihr auch mal „Holiday from Ice“?

Annette: Der Körper verlangt manchmal danach, ja. Aber geistig bin ich eigentlich schon fast immer am Eis. Aber wenn ich einmal für ein, zwei Wochen nicht am Eis war ist es ein berauschendes Gefühl, dann wieder die Schuhe anzuhaben und übers Eis zu gleiten.

Yannick: Nach einer Tour von sechs Monaten braucht es eine Pause – körperlich und geistig. Aber da wir bei Holiday on Ice so viel Spaß haben, ist die Pause weitaus weniger dringlich als in unseren Zeiten als Wettkämpfer (lacht).

Annette: Das Tolle hier ist ja auch, dass wir so viele Ortswechsel haben – insofern ist jeder Tag neu und anders, da schleicht sich keine Routine ein. Glücklicherweise bleibt auch immer ein bisschen Zeit für Sightseeing – wenn ich mit Yannick unterwegs bin, trage ich aber besser keine High Heels (lacht).

Die Themen gesunde Ernährung und Sport sind heute en vogue wie nie: Spielt da Holiday on Ice auch eine Vorbildwirkung?

Annette: Ich hoffe, wir können gerade unsere jüngeren Besucher zum Sport motivieren – nicht zwangsweise zum Eissport. Aber ja, das schwingt bei uns natürlich auch mit: Wir wollen rausgehen und zeigen, dass sportliche Betätigung nicht nur gut für den Körper, sondern auch für den Geist ist. Dabei ist aber auch wichtig festzuhalten: Wir kasteien uns nicht, wir essen auch gerne einmal einen Kuchen oder trinken ein Gläschen Wein. Man muss das Leben auch genießen.

 

Holiday on Ice “Time” gastiert zwischen 18. und 28. Jänner in der Wiener Stadthalle (D). Tickets gibt es bei oeticket.com.

Der Beitrag gefällt dir? Jetzt teilen!