Auf keinen Fall unterkomplex: Element Of Crime

Seit dreißig Jahren kennen Sven Regener und Jakob Ilja einander schon und finden den jeweils anderen anscheinend noch immer rätselhaft. Und das scheint gut so zu sein, das treibt sie an, das macht sie und ihre Band aus! Soeben erschien ihr neuestes Werk „Lieblingsfarben und Tiere“. Langeweile und Element Of Crime? Ein Oxymoron!

Wie sieht euer Aufnahme-Prozess eines Albums aus?

Jakob: Wir treffen uns und bringen Material mit. Wir haben Akkorde, dann improvisieren wir. Man hört auch schnell, ob das was ist. Es hat ein Eigenleben, das sich Stück für Stück formt. Dann ist es ein Lied – später braucht man einen Text. Sobald wir zwei Stücke haben, gehen wir ins Studio, fangen an und dann braucht das Ganze ein halbes Jahr, bis eine Platte entsteht.

Sven: Es fällt uns immer leichter, den ersten Schritt in der Aufnahme zu machen. Weil wir mittlerweile wissen, wie es geht. Wir sind einfach besser geworden.

Jakob: Mit so etwas wie einer Editierung oder Pro Tools halten wir uns nicht auf. Wir nehmen auf Band auf, die Sachen sind dann so, wie sie sind. Die erste Frage ist, wer was dazu spielen möchte. Es hat etwas sehr Unbefangenes und Leichtes. Ängste und Zweifel, die es früher mal gab, sind heute nicht mehr so vorhanden. Es kommt dann auch eine andere Musik raus, als vor 20 Jahren.

Was war denn das letzte Konzert, das ihr als Gast besucht habt?

Jakob: Ich habe Dr. John gesehen, es ging so. Aber ich habe die Arctic Monkeys mit meinem Sohn in der Zitadelle (Anm.: Berlin) gesehen. Ich kannte die Musik, aber das war wirklich beeindruckend! Das war stylish, aber dennoch unprätentiös – es war eine eigene Klasse. Die Musik war ausgefuchst, aber nicht zu kopflastig.

Sven: Bei mir waren es die Rolling Stones in der Waldbühne. Ich wurde eingeladen, ich komme in letzter Zeit weniger auf Konzerte. Ja, es war mein erstes Rolling Stones Konzert und es war so, wie ich erwartet habe – es sind einfach die Rolling Stones, sie sind so wie sie sind.

Gibt es jemanden, den ihr noch nicht live gesehen habt, aber gerne live sehen würdet?

Jakob: Ich bin ein großer Musikfreund, war aber nie so ein richtiger Fan-Fan, also so, dass ich etwas unbedingt sehen muss. Wenn es sich ergibt, dann freu ich mich natürlich darüber, aber ich MUSS nicht unbedingt irgendwo hin gehen.

Sven: Doch, bei mir gibt es da jemanden, den ich unbedingt sehen will. Das ist auch demnächst, ich hab ihn komischerweise noch nie live gesehen: Elvis Costello! Und das ist eine offene Wunde, ihn nicht live gesehen zu haben, geht nicht! Interpol haben ja gerade eine neue Platte rausgebracht, die würde ich auch gerne mal live sehen …

Interpols Konzert von Rock am Ring war ja live im Fernsehen …

Sven: Im Fernsehen sehe ich mir Live-Konzerte nicht gerne an. Das ist ja auch das Problem! Gefilmte Konzerte gucke ich mir gerne an, aber nicht im Rock ‘n‘ Roll. Die Philharmoniker kann ich mir ansehen, aber beim Rock ist es problematisch, weil ich immer das Empfinden von Verlust habe. Eine Party, auf der ich nicht gewesen bin. Wenn man Konzerte im Hier und Jetzt erlebt, die Aura ist unwiederbringlich.

Im deutschen Fernsehen gibt es ja etliche Live-Übertragungen von Rockkonzerten, bei uns ist das nicht so …

Sven: Jetzt hadere nicht mit deinem Land, das ist ja auch ein kleines Land, die können sich nicht um alles kümmern! Keine Österreich-Schelte, wenn wir dabei sind.

Jakob: Wir lieben alles an Österreich!

Sven: Wenn wir auf Tournee nach Österreich kommen, sobald wir die Grenze überschreiten, dann geht es uns gut. Alles easy hier.

Jakob: Wir sind hier ja nur Besucher, deshalb können wir es lieben! Wir fahren auch wieder … wir leben ja nicht hier …

Sven: Deshalb sind die Leute auch freundlich zu uns (lacht).

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Ihr arbeitet ja schon ewig gemeinsam, könnt ihr einander mit einem Wort beschreiben?

Sven: Jakob! (lacht) Nein, das wäre mir jetzt zu unterkomplex. Wie ein Musikfile, der nur 0,8 MB hat, das klingt scheiße.

Jakob: Ich kann jetzt sagen: „Der größte, lebende Textdichter.“ Was ist das? Das ist ja geschmacklos.

Sven: Was? Findest du es scheiße, oder wie? Was bist du denn für ein W****er. W****er, das wäre ein Wort (lacht).

Jakob: Da kommt jetzt eines zum anderen und schon haben wir hier Streit. Wir haben lange gebraucht, um auch immer wieder Platten machen zu können …

Sven: Die Rätselhaftigkeit des jeweils anderen ist wichtig. Das Unerforschte des Kontinents Jakob, darum ist es auch wichtig, dass ich das überhaupt nicht beschreiben kann.

Was steht denn auf eurem Rider? Gibt es da etwas Außergewöhnliches?

Sven: Ist das nicht oft ein dummes Machtspiel von Bands? Das, wo die Leute manchmal nicht sicher sind, ob wir das ernst meinen, sind die unglaublichen Mengen an Underberg.

Und? Meint ihr es ernst?

Sven: Ja klar! Wir trinken das, weil es aggressiv macht (lacht). Hast du das schon mal getrunken?

Jakob: Nein, das machen wir nicht! Es ist ja schon komplex genug, mit all den Leuten, die mit auf Tour sind.

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