Emotionaler Rückschlag?

Mit Spielern wie Novak Djokovic, Rafael Nadal oder Roger Federer bewegt sich der Tennissport aktuell auf einem historisch hohen Niveau.
Für die Rückkehr zum Sport der Herzen fehlen allerdings noch ein paar entscheidende Punkte …

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Lang ist es her, dass Tennis eine der prominentesten und populärsten Sportarten im heimischen Fernsehprogramm war.
Das muss damals gewesen sein, als Edberg, Muster und Lendl sich gegenseitig vom Platz fegten, während McEnroe den Schiedsrichter beleidigte und Noah dem Publikum mit seiner Reggae-Band einheizte. Heutzutage erlebt man Tennis auf dem höchsten Niveau seit eh und je! Dennoch scheint es – zumindest im deutschsprachigen Raum – einen Popularitätsverlust im Sport des Filzballes zu geben. Woran das liegt? Fehlt das Herz? Fehlt die Berichterstattung? Was ist also, seit Thomas Muster Nummer eins war, mit dem „Premiumsport Tennis“ geschehen?

Typen
Die Popularität des Tennissports ist seit einigen Jahren ein heiß diskutiertes Thema unter Fans oder solchen, die es einmal waren. Ein Aspekt, den man sicher nicht unterschätzen sollte, sind die Spieler selbst. In „den guten alten Zeiten“ zu schwelgen, hat oft einen unmodernen Nachgeschmack – dennoch erscheint es so, als ob die einzelnen Center-Court-Typen früher noch mehr Charakter besaßen als heute.
Mats Wilander, seines Zeichens Tennisprofi in den Achtzigern und Neunzigern, bestätigte dies auch in einem Interview mit Die Welt: „Fast alle Spieler, die heute auf der Tour spielen, haben bereits mit sechs oder sieben Jahren mit hartem Training begonnen – von einer Akademie in die nächste. Sie werden nur auf den Job als Tennisprofi vorbereitet. In den 60er-, 70er- und 80er-Jahren haben wir Tennis gespielt, weil es Spaß machte. Es gab nur wenige Spieler zu meiner Zeit, die Tennis gespielt haben, um Millionär zu werden. Ich glaube, wenn du Tennis spielst, um fit zu sein, bist du mental besser, weil du den Sporteinfach mehr liebst. Ich glaube, dass Djokovic und Murray Tennis lieben. Aber es ist anders als früher.“ So scheint es, dass wir beim Punkt der Emotionalität angelangt sind –die Liebe zum Sport! Fehlt diese, kann man wohl auch ein Publikum nicht mehr entsprechend anziehen. Ob damals alles rosarot und lovely war, sei dahingestellt. Fakt allerdings ist, dass der Sport mehr Charakter hatte, woran auch immer das liegen mag. Heutzutage ist es so, dass Tennis hauptsächlich auf dem Randsportsender ORF Sport plus übertragen wird – auch zum Unmut der Medienbehörde KommAustria wurde 2011 das Davis-Cup-Finale ebendort gesendet, und ein als Premiumsport geltendes Event ist dem Spartensender ORF Sport plus per Mediengesetz im Prinzip verboten zu übertragen. Sportübertragungen gibt es auf ORF eins zuhauf – man muss nur einmal in Ruhe einen Sonntagnachmittag vor dem Fernseher verbringen um sich – je nach Jahreszeit – von Skifahren, Formel 1 oder Fußball mitreißen zu lassen.

Medien
Ein zweiter Punkt, der maßgeblich am Popularitätsverlust beteiligt ist, sind die Medien. Ein Volk kann nur solche Dinge in seine Aufmerksamkeitsspanne aufnehmen, die es auch vorgelegt bekommt. Der Mensch an sich scheint faul – nach der richtigen Unterhaltung selbst zu suchen, machen nur
wenige, man ist lieber passiv und bekommt alles auf dem Präsentierteller serviert. Als Premiumsport scheint Tennis nur noch im Entstehungsland Großbritannien zu gelten. Dort allerdings wird mit Wimbledon auch das prestigeträchtigste aller Tennisturniere ausgetragen. Auch die heimischen Tennisturniere müssen sich nicht verstecken, warum also das gesunkene Interesse? Vielleicht liegt es schlichtweg daran, dass der österreichische Tennisnachwuchs sich nicht mehr in den Top Ten tummelt, allerdings immerhin in den Top 100, also bitte!

TennisbaelleFacts
Wer schon einmal Tennis live erlebt hat, kann von dem Gestöhne (Grunting), das vorherrscht, wenn ein/e SpielerIn den Ball schlägt, ein Lied singen! Die Portugiesin Michelle Larcher de Brito erreicht mit ihrem „Grunt“ unglaubliche 109 Dezibel! Ob Grunting verboten werden soll, ist immer noch nicht ausdiskutiert. Ist man ein emotionaler Spieler, hat man es schwer am Tennisplatz! Verboten ist: Fluchen, den Schiedsrichter, Gegner oder das Publikum beleidigen, unsportliches Verhalten, Spielverzögerung sowie Verlassen des Platzes ohne Genehmigung des Schiedsrichters. Tennisbälle eignen sich nicht nur zum spielen! Ein altbewährter Trick gegen Schnarchen: Eine Tasche auf die Rückseite des Pyjamas nähen und einen Tennisball in dieser platzieren. Man schnarcht meistens, wenn man auf dem Rücken liegt – der Tennisball auf ebendiesem verhindert ein gemütliches Liegen auf der Hinterseite. Tennisbälle werden bekannterweise mit enormer Geschwindigkeit aufgeschlagen. Mit 263 km/h führt der Australier Samuel Groth die Liste an. Den schnellsten Aufschlag bei den Damen hatte Venus Williams mit 207,6 km/h.

 

Termine
Tennis live erleben gilt es vom 28. Juli bis zum 2. August beim Bet-At-Home-Cup im Stadion Kitzbühel sowie bei den Erste Bank Open von 13. bis 19. Oktober in der Wiener Stadthalle.

 

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