Endgültig?

Black Sabbath, Unheilig, Twisted Sister und Co. – auch 2016 verabschieden sich wieder zahlreiche Superstars in den (Vor)Ruhestand. Dass dieses Versprechen aber nicht immer eingehalten wird, ist so sicher wie die Pommesgabel am Konzert.

 

Wie zieht man das Publikum als Veranstalter auf seine Seite, wenn man in Großstädten wie Wien mit Konzerten überladen wird? Man droht – und zwar mit der „letzten Chance“.
Abschiedstourneen sind aufgrund des steigenden Alters legendärer Rock- und Pop-Legenden logisch, doch die Vergangenheit hat des Öfteren bewiesen, dass nur leere Luft dahintersteckt. Die britischen Metal-Legenden Judas Priest kündigten schon 2011 mit der „Epitaph“-Tour das Ende ihrer Konzerttage an – dank Junggitarrist Richie Faulkner und dem „unerwarteten Zuspruch der Fans“ ist davon heute nichts mehr zu sehen. Ganz im Gegenteil: Mit einem neuen Studioalbum ist die Band so dick da wie seit Jahren nicht mehr. Ähnlich auch die Scorpions, die ihr Ende in diversen Interviews schleichend und leise zu einer „unendlichen Geschichte“ ausweiteten. Die hat Grandseigneur Bob Dylan wenigstens schon 1988 glaubhaft gemacht: Seine „Never Ending Tour“ ist mittlerweile fast 3.000 Shows stark.
Weitere Beispiele gefällig? Cher kündigte bereits 2002 an, dass sie frühestens dann wieder zurückkehrt, wenn man mit Joystick-gesteuerten Autos durch die Lüfte fliegt – 2014 war nach einer fetten US-Tour keine Rede mehr davon. KISS begaben sich schon anno 2000 auf Abschiedstour, zündeln aber immer noch in den größten Stadien der Welt ihre Tonnen von Pyrotechnik. Und auch der „Prince Of Dark­ness“, Ozzy Osbourne, hatte sich gar schon 1992 in die Frühpension verabschiedet, bevor er nur drei Jahre später aus Langeweile wieder aktiv ins Showbusiness zurückkehrte.

Mit Pauken und Trompeten
Hier schlagen wir den Bogen zur Gegenwart – nach 46 Jahren soll 2016 nämlich endgültig Schluss sein mit der personifizierten Ursuppe allen Heavy Metals, der Kultband Black Sabbath. Eine beispiellose Karriere, deren Ende aus vielerlei Gründen verständlich ist: Gitarrengott Tony Iommi kämpft noch immer gegen seinen Krebs, ob Ozzy clean ist oder nicht, lässt sich nicht eindeutig herausfinden. Zudem muss die Band schon lange nichts mehr beweisen. Uneinigkeit herrscht offensichtlich nur noch über das „Wie“ des Abgangs – mit oder ohne neuem Studioalbum, mit oder ohne Ur-Drummer Bill Ward? Solange der „Iron Man“ noch „paranoid“ durch die Halle tönt, wird es aber am Ende allen egal sein.
Auch Twisted Sister kommen zur Abschiedsvorstellung noch einmal nach Österreich. Dee Snider und Co. spielen auf ihrer „Farewell“-Tour beim Nova Rock. Das Ende der US-Metaller besiegelte aber nicht etwa Unlust, sondern der unerwartete Tod ihres Drummers A.J. Pero – der Schlussstrich war eine logische und auch löbliche Schlussfolgerung für eine Band, die seit den frühen 80er-Jahren in quasi unverändertem Line-up rockte.
Ebenfalls auf Abschiedstour mit Österreich-Zwischenhalt: Deutschlands berühmtester Graf mit Unheilig und Star-Tenor José Carreras, der sich zum nahenden 70er mit dem Karriereende beschenkt.

Ende gut, alles gut?
Ob das Ende endgültig ist, weiß man hingegen nie so genau. Bei Van Halen oder Faith No More war es nicht der Fall, die legendären Led Zeppelin hingegen hielten (fast) Wort und haben seit dem Band-Ende 1980 nur mehr einen Gig bestritten: Das kultige Ahmet-Ertegun-Tribute-Konzert am 10. Dezember 2007 in der Londoner O2-Arena. Für 20.000 Tickets haben sich eine Million Menschen angemeldet – dass dieses Vergnügen bis heute einmalig blieb, liegt an Sänger Robert Plant, der jeden Reunions-Wunsch von Ex-Kollege Jimmy Page oder den Fans abwinkend ignoriert. Vielleicht auch besser, wenn man sich im Vergleich dazu die diesjährige per Notariat beglaubigte Abschiedstour von Mötley Crüe ansieht, die eher nach gequältem Grabgesang klingt.
Kurz vor dem drohenden Ende sollen laut Medienberichten auch die Pop-Stadionstars Coldplay stehen, die mit „A Head Full Of Dreams“ unlängst die vorweihnachtlichen Charts hochkraxelten. Frontmann Chris Martin gab sich in Interviews bislang kryptisch bis zugeknöpft, nix Genaues weiß man nicht. Ansonsten bleibt aber immer noch die letzte Zuflucht Las Vegas, wo sich alte oder abgehalfterte Stars ohne Reisestress bejubeln lassen können. Celine Dion, Britney Spears und Billy Idol können sicher viele Geschichten erzählen …

 

Wer jetzt wirklich alles von den Konzertbühnen abtreten wird, lässt sich natürlich nicht mit letzter Gewissheit sagen, doch folgende Künstler wird man anno 2016 wohl das letzte Mal live in Österreich sehen: Twisted Sister werden im Zuge des Nova Rock am 12. Juni auf den Pannonia Fields im Burgenland auftreten, die Metal-Pioniere Black Sabbath kreuzen auf ihrer „The End“-Tour am 28. Juni die Wiener Stadthalle. Kurz darauf wird Der Graf mit Unheilig am 1. Juli am Grazer Messegelände und am 2. Juli in der Wiener Krieau zwei letzte große Open-Air-Shows geben. Star-Tenor José Carreras verabschiedet sich schließlich noch am 10. September in der Grazer Stadthalle. Tickets gibt es auf oeticket.com und unter 01/96096.

Der Beitrag gefällt dir? Jetzt teilen!