Entscheidende Rolle

Star-Juroren sind für Casting-Shows ein Muss. Wer international auf der Juroren-Bank sitzt und warum Musik dabei nur eine geringe Rolle spielt, erfahren Sie hier.

Der Countdown für die zehn ruhmreichsten Minuten in Anetas Leben läuft. Ihr Name fällt, im Hintergrund ein Kreisch-Konzert, zwei Funken sprühende Fontänen, alle Scheinwerfer auf sie gerichtet. Und da erhebt sich sogar Dauerjuror Dieter Bohlen aus seiner gewohnt lungernden Laissez-Faire-Pose. Standing Ovations. Von diesen Momenten weiß die jüngst gekürte DSDS-Gewinnerin nur noch Bruchteile. „Nur noch, dass ich irgendwo hin gelaufen bin (…)“, erzählt die 25-Jährige im !ticket-Interview „Dann habe ich (…) meinen Vater gesehen, der geweint hat. Erst da war mir wirklich klar: Ich habe gewonnen.“

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Siegeszug. Aneta gewinnt die elfte Staffel von DSDS. Der Kurzzeitruhm hat seinen Preis.

Einige Minuten Ruhmrausch für monatelanges Gefühls- Auf und- Ab während der Casting-Show. Denn so schnell, wie die jungen „Stars“ emporsteigen, fallen diese trotz Plattenvertrag und einem Suzuki Swift Sport oft wieder auf den Boden der beinharten Dschungel-Scheinrealität. Dennoch haben Casting-Shows eine enorme Anziehung für junge Musiktalente und jene, die es unbedingt werden wollen. Allein bei DSDS haben sich in den ersten 10 Staffeln circa 270 000 Kandidaten beworben.

Ob „X-Faktor“, „The Voice“ oder „American Idol“ – ein unabdingbarer Part bei den verschiedenen Sendungen: die „Star“- Jury. International ist der Promi-Faktor bei den Shows hoch. Ein kurzer Blick auf „The Voice“. Das Casting-Format gibt es derzeit in 52 Ländern und erstreckt sich von den USA und Mexico, von China und Vietnam bis nach Kazakhstan oder Südkorea. Die US-Version kann dabei mit den größten Stars auftrumpfen: Hier drückten bereits Usher, Shakira oder Pharrell Williams die Juroren-Bank. In Australien konnten die Produzenten etwa Kylie Minogue, will.i.am, Ricky Martin oder Seal für sich und die Zuschauer gewinnen.

Musik im Vordergrund?

Etwa bei „The Voice of Germany“ suche man bei der Auswahl der Coaches nach Künstlern mit einer großen, musikalischen Erfahrung, Charisma und natürlich Unterhaltungsfaktor, erklärt ein Sprecher der ProSiebenSat.1-Gruppe. Auch ein Mix aus verschiedenen Musikstilen sei gewollt. Denn: „Musik steht im Mittelpunkt“, heißt es von ProSiebenSat.1.

Das sieht der Wiener Autor Fabian Bursteiner anders. „Musik spielt bei Casting-Shows eine untergeordnete Rolle“, will er aus Gesprächen mit Produzenten und Teilnehmern wissen. Sein Buch „Träum weiter“ ist eine wahre Abrechnung mit dem Format „Casting-Show“. Der Protagonist ist ein Kandidat, zunächst hochgelobt, zuletzt desillusioniert, von den Produzenten zum Quoten-Zweck benutzt und in den Selbstmord getrieben. Eine überspitzte Geschichte, die Menschen endlich zum Nachdenken anregen sollen.

Für Bursteiner funktionieren Sendungen wie DSDS oder Popstars ähnlich wie zuvor Talk-Shows oder Soaps. „So wie man früher Menschen beim Streiten zusehen wollte, möchte man hier zusehen, wie sich Menschen auf der Bühne blamieren“, meint er im Gespräch mit !ticket, hörbar aufgebracht. Musik als Nebensache? Dafür reicht ihm ein Argument „Es gibt zu 95 Prozent Cover-Versionen. Dabei werden nicht eigene Songs präsentiert und die eigene Persönlichkeit der Kandidaten ist unwichtig“

Wissen, was man will

Genau diese spezielle Eigenart bewahre die Kandidaten jedoch vor Enttäuschung. Das meint zumindest „The Voice Of Germany“- Juror und Singer- Songwriter Rea Garvey. Erst kürzlich übte der gebürtige Ire heftige Kritik an Casting-Shows. Gegenüber der „Berliner Morgenpost“ sagte er: „Irgendwann sind sie dann alle im Dschungel und später mit irgendwem verheiratet“. Man müsse wissen, was man will, um Casting-Shows für sich zu nutzen. Natürlich gibt es auch positive Beispiele von Casting- Alumini: Kelly Clarkson („American Idol“- Gewinnerin 2012), Beatrice Egli („DSDS“-Gewinnerin 2013) oder in Österreich Christina Stürmer (Starmania 2002) oder Julian Le Play („Helden von Morgen“ 2010). ProSiebenSat.1 begründet den nachhaltigen Erfolg ähnlich wie Rea Garvey: „Es muss ein guter Musiker sein, um danach auch ein guter Musiker zu bleiben.“

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Leider Nein! Katy Perry lehnt den Juroren-Platz bei „Americon Idol“ trotz Millionen-Gage ab.

Rea Garvey, Nena, The Boss Hoss, Xavier Naidoo oder Samu Haber – für Autor Bursteiner gehören die „The Voice Of Germany“- Juroren zu Typ B der Talente-Richter. „Jene, die sich der öffentlichen Kritik entziehen wollen“. Das Konzept geht offenbar auf: Staffel 3 erreichte laut ProSiebenSat.1 bei den 14 bis 29- Jährigen circa 20,5 Reichweite bei den Zuschauern. Die Faktoren Obszönität und Sensation seien hingegen die Masche von Juroren-Typus A wie etwa in DSDS oder Popstars. Bei diesen klassischen Coaching-Shows ist laut ProSiebenSat.1 ein starker Rückgang zu bemerken. Die letzte Staffel (11) von DSDS war etwa die am wenigsten erfolgreichste seit Beginn. Manche Künstler wollen sich außerdem nicht den Jury-Stempel aufdrücken lassen. Oder brauchen die Promotion einfach nicht. So wie Katy Perry. Sie sagte bei „American Idol“ ab und lässt sich 20 Millionen Dollar entgehen.

Von diesem Luxus ist DSDS-Sternchen Aneta noch weit entfernt. „Ich bin sehr happy. Mein Leben hat sich total verändert“, strahlt sie. Ob sie, nun auf sich allein gestellt, bei Dancing Stars, im Dschungel oder doch im Musikgeschäft landen wird, liegt nun in ihrer Hand. Ihr Tipp? „Sei nicht so dumm wie ich und fürchte dich vor Dieter Bohlen.“

 

Termine:

Die Deutschland sucht den Superstar – Tour macht am 26. Juli in der Grazer und am 27. Juli in der Wiener Stadthalle Halt.
Julian Le Play hat die Show „Helden von Morgen“ für seine Karriere genutzt.
Als Support Act für James Blunt spielt er am 11. Juli in Reifnitz und am 12. Juli auf der Burg Clam.
Katy Perry hat bei „American Idol“ zwar
abgedankt, Österreich-Fans dürfen sich jedoch freuen. Den 26. Februar für die Dame freihalten und in die Wiener Stadthalle kommen!

 

Tickets bei oeticket.com

 

 

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