Erfolgsrezept: Wurst

Als Conchita Wurst dieses Jahr beim Song Contest abräumte, waren die Zweifler, die im Vorfeld aus allen Löchern krochen, schnurstracks mucksmäuschenstill. Kein Wunder: “Rise Like A Phoenix” wurde zur Hymne der Toleranz erkoren.

 

Wer glaubt, nach dem Großereignis ESC ruhe sich Conchita Wurst auf ihren Lorbeeren aus, irrt: Nicht nur, dass sie von Termin zu Termin hüpft und ihre Stimme „Licht ins Dunkel“ leiht, auch arbeitet sie fieberhaft (aber mit Contenance) an neuen Stücken. Dass sie zwischendurch noch Zeit und Muße hat, nach ihrem umjubelten Auftritt am Ballhausplatz als Voract von Nena zuerst den Phoenix steigen zu lassen, bevor die „99 Luftballons“ gegen Himmel fliegen, darf jedenfalls als eines der berührendsten Highlights dieses Jahres gewertet werden. Und dann, ja dann, steht ja noch der Wiener Song Contest vor der Türe …

 

Vier Monate sind seit dem Song Contest vergangen – wie fühlst du dich, was hat sich verändert?

Ich fühle mich voller Energie und so motiviert, wie ich vorher noch nie war. Ich muss auch ganz banal sagen, etwas zu gewinnen – dieses Gefühl kannte ich vorher noch nicht. Das ist … schön!

 

Bleibt genügend Zeit, Tom zu sein?

Ja. Es würde immer Zeit bleiben, es hängt ja auch immer davon ab, was für einen „genug“ ist.

 

Wie stressig sind die vielen Termine?

Das raubt mir keine Energie. Nicht falsch verstehen: Natürlich ist es anstrengend, aber nichts verglichen mit einer halben Stunde mit meinem Buchhalter (lacht). Allerdings weiß ich natürlich noch nicht, wie es nach fünfzehn Jahren sein wird …

 

Im Oktober soll der Song „My Lights“ auf der „Licht ins Dunkel“-CD erscheinen. Deine neue Single?

Nein, ich war nur „zu Gast“ bei dieser Nummer. Das ist ein „Licht ins Dunkel“-Konzept, jedes Jahr soll ihn jemand anders singen – somit singe ich heuer mit Axel Wolf, der die Nummer geschrieben und produziert hat. Für meine eigenen neuen Sachen kann ich noch kein Veröffentlichungsdatum nennen.

 

Aber du arbeitest bereits daran?

So ist es. Und es kommt dann raus, wenn es fertig ist (lacht). Ich lasse mir keinen Druck umhängen. Natürlich ist es schön, wenn es Menschen da draußen gibt, die freudig darauf warten, und ich bekomme auch viele Ratschläge, wann und wie etwas passieren soll – und dafür bin ich auch endlos dankbar –, aber unterm Strich mache ich es so, wie ich will, und wir werden dann schon sehen, ob das so funktioniert oder nicht. Und wenn es dies nicht tut, kann ich nur mir selbst die Schuld geben, aber damit kann ich ganz gut leben.

 

Selbst kein Druck, noch das Weihnachtsgeschäft zu schnappen?

Das wäre aus wirtschaftlicher Sicht natürlich nicht blöd, aber ich bin schon draufgekommen, dass ich keine gute Geschäftsfrau bin.

 

Zwei Powerfrauen an einem Abend: Conchita Wurst wird das große Nena-Konzert in Wien eröffnen!

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Welche Rolle kannst du dir für den kommenden Song Contest vorstellen?

Bis jetzt gibt es noch keine fixen Vorschläge. Mein Masterplan wäre, den Greenroom zu hosten, weil ich gern mit anderen Musikern rede. Das inspiriert mich selbst. Ich weiß aber auch, wie es ist, dort zu sitzen und zu warten – ich glaube, da kann ich gut für Ablenkung sorgen. Und auf jeden Fall möchte ich natürlich singen!

 

Wie hast du dich denn bei der Punktevergabe gefühlt?

Das Letzte, was man dort anfängt, ist rational zu rechnen. Du sitzt dort wie in Trance, freust dich … Das ist immer noch unbeschreiblich!

 

Hast du dir den ESC14 nachträglich als „Zuschauerin“ angesehen?

Komplett nicht, nein. Aber ich habe das Voting angeschaut – und ich hätte schon wieder weinen können. Da waren so viele wunderschöne Emotionen, und das ist teilweise so weit weg von mir, dass ich immer noch brauche, um das zu verstehen …

 

Was war für dich das Schönste, das du dir nach dem Sieg gegönnt hast?

Drei Wochen nach dem Sieg eine sehr lange Partynacht in meiner Stammbar im ersten Bezirk. Die gehört Freunden von uns – aber ja, ich zahle dort für meine Getränke (lacht).

 

Was brauchst du stets bei dir?

Ganz banale Dinge wie mein Handy. Ich weiß, das ist ziemlich bescheuert, aber wenn der Akku aus ist, dann bin ich ganz unrund.

 

Welche sind deine ersten, prägendsten musikalischen Einflüsse?

„Goldfinger“ von Shirley Bassey. Die „coolen“ Dinge wie Backstreet Boys oder Britney Spears fand ich … „ja eh“, aber berührt hat mich das nicht.

 

Wie wichtig ist Sozialkritik in Musik?

Ich glaube, das muss jeder für sich selbst definieren. Ich finde nicht, dass man als Künstler politisieren muss, aber wenn man einen Gerechtigkeitssinn hat, kommt das natürlich aus einem heraus.

 

Wirkt Musik in jeder Sprache gleich?

Ja. Gute Musik ist gute Musik. Wenn etwas berührt, ist es fast egal, ob man es versteht oder nicht. Die Kernaussage von Musik funktioniert jedenfalls in jeder Sprache.

 

 

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