EXIL-BERLINERIN – DEAR READER

Es ist noch gar nicht so lange her, dass die Exil-Berlinerin Cherilyn MacNeil alias Dear Reader ihr Album Rivonia veröffentlichte. Nun aber erscheint am 6.12. ein Live-Album mit dem Titel We Followed Every Sound. Hiefür hat sie mit dem Deutschen Filmorchester Babelsberg zusammen gearbeitet und man darf schon sehr gespannt sein! Hier ein kleiner Auszug:

Dass Dear Reader etwas ganz besonderes ist, bemerkten wir schon im Frühjahr, bei einem netten Plauscherl.

Du lebst seit drei Jahren in Berlin. Die Stadt soll einen intensiven Einfluss auf Künstler haben, zum Beispiel David Bowie oder Nick Cave. Inwiefern wirst du von deiner Umgebung beziehungsweise von Berlin beeinflusst?

Cherilyn MacNeil: Berlin hat mich insofern beeinflusst, als dass ich eine völlig neue Perspektive bekommen habe, weil ich anders lebe und erlebe. Außerdem habe ich viel über deutsche Geschichte gelernt und gemerkt, wie sehr sich Deutsche für Politik interessieren und dass sie oft darüber reden. Sie haben mir häufiger schwierige Fragen über südafrikanische Politik und Geschichte gestellt und ich dachte nur: „Verdammt, bin ich
ignorant!“ Ich habe mich so gefühlt, als wüsste ich gar nichts. Es war peinlich. Ich ging nach Hause und las auf Wikipedia möglichst viel über die südafrikanische Geschichte.

Wie hast du Diskriminierung in Südafrika persönlich erlebt?

Cherilyn: Ich muss sagen, als Kind war mir das nicht wirklich bewusst. Ich wurde sehr behütet erzogen. Meine Eltern hatten diese altmodischen Ansichten, dass die Kinder weggeschickt werden, wenn die Erwachsenen reden. Sie haben mir aber beigebracht, zu allen Menschen gut zu sein. Ich hatte als Kind Freunde mit schwarzer Hautfarbe. Dass sie nicht gleich wie ich sein würden war niemals Teil meiner Realität.

Zur ihrem im Frühjahr erschienenem Album Rivonia:

Erzähl etwas vom Songwriting. Hast du zufällig Lied für Lied geschrieben oder hast du das gesamte Album geplant?

Cherilyn: Eher das Zweite. Das erste Mal in meinem Leben war das sehr be-freiend für mich. Bevor ich begonnen habe, habe ich viel darüber nachgedacht, was ich machen wollte und wie das Album klingen sollte. Das war sehr wichtig für mich, weil es immer sehr leicht für mich war, Lieder zu schreiben. Dann habe ich mich immer auf jemand anderen verlassen, wenn es ums Arrangieren und Produzieren ging. Das habe ich mir und meinen eigenen Ideen niemals zugetraut.

Rivonia klingt fast wie ein Musical. War das Absicht?

Cherilyn: Irgendwie schon, es hat sich fast so angefühlt, als würde ich ein Musical über Südafrika schreiben.

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Hast du Verbindungen zu diesem Genre?

Cherilyn: Ich habe viel Freude an diesem Genre. Aber ich muss sagen, dass ich Andrew Lloyd Webber absolut verabscheue (lacht). Wenn ich von Musicals spreche, meine ich Mary Poppins oder Oklahoma, aber nicht Cats!

Würdest du gerne selbst einmal ein Musical schreiben?

Cherilyn: Würde ich sehr gerne, ja! Ich habe schon einmal ein paar Songs für ein deutsches Kindermusical geschrieben, aber nur die Musik. Vielleicht ist das ja meine neue Berufung!

Interview: Gregor Krenker

TERMINE:

29.11.2013    A-Innsbruck, Treibhaus
30.11.2013    A-Goefis, Vereinshaus
01.12.2013    A-Wien, Chelsea

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