Exklusive Preview: Motörheads “Bad Magic”

Nachdem Motörhead vierzig Jahre lang Zähne zum Klappern, Knochen zum Brechen und Ohren zum Glühen gebracht haben, könnte man es eigentlich entschuldigen, wenn die Band langsam mal die Füße hochlegen, ein bisschen entspannen würde. Aber: es sind halt Motörhead.

 

Christkind Lemmy steht kurz vor seinem Siebziger und ist die wohl einzige Lebensform, deren Hämozyten sich zu 90 % aus Whiskey und zu 10 % aus Cola zusammensetzen. Dass er mittlerweile aus Gesundheitsgründen auf Vodka umsteigen musste, hört man dem 22. Studioalbum von Motörhead, “Bad Magic”, in keinster Weise an: Lemmys Verstärker ist immer noch auf die 11 gedreht, wenn er abgedreht ist. Statt zu entspannen erteilt die Band Auflösungserscheinungen aus tiefster Überzeugung und vollem Herzen eine Abfuhr und sagt: Arsch lecken!

Laut, ohrenbetäubend und ungestüm tritt “Bad Magic” denjenigen die Zähne aus, die zu glauben gewagt haben, es könnte anders kommen – aus Motörhead sei gar eine Altherrenpartie geworden. All die tumben Zweifler sollten sich bereits jetzt im Kniefall üben, denn Songs wie “Thunder and Lightning” und der extra laute “Teach ‘Em How To Bleed” (Auf die 11!) donnern in der gewohnt zerstörerischen Art und Weise aus den Boxen und zeigen, dass Motörhead so stark, fies, laut, erbarmungslos, kompromisslos und ‘goddam heavy’ wie eh und je sind. So gibt sich auch Reini Reither, lokale Autorität in Sachen Motörhead, überzeugt: “‘Bad Magic’ hat immense Durchschlagskraft, ist deutlich schneller und aggressiver als es die schon verdammt guten Vorgängerwerke ‘The Wörld Is Yours’ und ‘Aftershock’ je waren und fährt zudem mit dem von den Gitarrenläufen her hoch progressiven, von allerlei UFO-Kram sinnierenden ‘Shoot Out All Of Your Lights’ den verzwicktesten, aber dennoch interessantesten Motörhead-Track seit einer gefühlten Ewigkeit auf.” (stormbringer.at)

Mikkey Dee / Ian „Lemmy“ Kilmister / Philip „Wizzö“ Campbell

Mikkey Dee / Ian „Lemmy“ Kilmister / Philip „Wizzö“ Campbell

So greift die Band auf dem Album selbstbewusst auf ihr feistes Repertoire an Rock ‘n’ Roll Spirit zurück, der an Motörmusic aus vergangenen Tagen erinnert, Motörhead sind anno 2015 breitbeinig wie zu “Bomber”- oder “Ace Of Spades”-Zeiten. Dabei zahlt es sich ganz offensichtlich aus, dass Motörhead mit “Bad Magic” erstmalig in der Ära Kilmister/Campbell/Dee ein Album im Studio zusammen geschrieben und aufgenommen haben. Motörhead haben schon immer massiv gerotzt, aber selten haben die Briten auch auf ihren Studioalben so “live” geklungen, wie hier. Da kommt die Bösartigkeit (Was für eine Omnipotenz von Lemmy bei “Choking On Your Screams”!) und Derbheit (“Electricity”, “Evil Eye”) umso giftig-ätzender daher – gerade wenn Phil zudem auch noch mit einer seiner besten Soloarbeiten der letzten Jahre (“Shoot Out All Of Your Lights”) achtern penetriert und Mikkey mit seinem teuflischen Galopp querbeet jagt, dass schließlich kein Gänseblümchen mehr steht. Warum es so eine Herausforderung ist, Motörhead so richtig krachen zu lassen – und wir meinen Stufe XII auf der Mercalli-Sieberg-Skala -, könnt ihr im Interview mit ihm an dieser Stelle nachlesen.

Dass für “The Devil” Queen’s Brian May mit einem brillanten Gastsolo noch für einen weiteren Coolness-Faktor sorgt, ist eigentlich bisher in die feuchten Traumwelten verbannt geblieben – bis jetzt!

Motörhead Bad Magic

“Bad Magic” wird am 28. August veröffentlicht.

Das in den NRG Studios von Langzeitproduzent Cameron Webb produzierte Album lebt vor allem aber auch von der Tatsache, dass Lemmy akzeptiert hat, dass auch er nur aus Fleisch und Blut besteht, sterblich wie jeder andere auch ist. Die gesundheitlichen Probleme im Griff, wirkt er auf “Bad Magic” stärker und niederträchtiger denn je – siehe auch das Fazit in unserer Albumrezension, die ihr an dieser Stelle nachlesen könnt. Seine eigene Performance rangiert dabei unter den einzigartigsten und intensivsten, aber auch reifsten Leistungen, die er jemals abgeliefert hat. In der Ballade “Until The End” eröffnet er uns gleichermaßen Erklärungen und Intentionen zu den einfachen aber wichtigen Dingen, die das Leben für uns bereithält, und ein Mann wie Lemmy muss es wissen – ist er immerhin nicht nur ein Charmeur der alten Schule allein, der der Damenwelt nach dem “Orgasmatron” selbstverständlich eine Marlboro kredenzt. Als wäre das nicht schon genug, enthält die Platte noch eine erstklassig umgesetzte Cover-Version des Rolling-Stones-Klassikers “Sympathy For The Devil”- der endgültig klar macht, wer der beiden Haudegenformationen den breiteren Schritt vorzuweisen hat.

Jedem, der zwei funktionierende Ohren hat, dürfte klar sein, dass es sich bei “Bad Magic” um das beste Motörhead Album der letzten zwei Jahrzehnte handelt. “Bad Magic” ist die Rückkehr des größten, fiesesten, dreckigsten und erbarmungslosesten Bastards der Rockmusik – und genau darum freuen wir uns einen Haxen aus, an dieser Stelle gleich fünf Stücke vorab präsentieren zu dürfen – solltet ihr unseren Worten allein keinen Glauben schenken:

[soundcloud url=”https://soundcloud.com/udrmusic/motorhead-bad-magic-electricity” comments=”true” auto_play=”false” color=”ff7700″ width=”100%” height=”81″]
Electricity ist programmatisch: “You need a bolt of rock / Severe tocix shock / Electrity deep in your soul”


Victory Or Die ist eine perfekte Eröffnung, knackig und auf die 11.


Evil Eye ist eine fiese Hymne mit überaus grimmigen Lemmy geworden.


Shoot Out All Of Your Lights: Das Solo! Ein Traum, ein Wahnsinn!


Sympathy For The Devil: Obwohl Lemmy eher “Team Beatles” ist, ist das Stones-Cover durchaus grandios geraten.

 

We are Motörhead and we still play Rock’n‘Roll!

 

Zusätzlich zu dem Album darf man sich darauf freuen, dass Motörhead in der zweiten Jahreshälfte von 2015 wieder auf Tour sind. Ab Mitte August wird es eine Nordamerika-Tour mit Anthrax geben, die mit der am 28. September in Miami, Florida beginnenden und am 2. Oktober in Nassau, Bahamas endenden Motörboat Cruise zu Ende geht. Dabei wird die Motörboat Cruise mit einem Top Line-Up aufwarten, darunter Slayer (7. November, Gasometer Wien), Hatebreed und Huntress. Es folgt die “40th Anniversary European Winter Tour”, die am 15 November im Le Zenith in Paris startet und am 6. Dezember in der Hartwall Arena in Helsinki in Finnland endet.

Im Februar ist endlich auch Österreich an der Reihe, und diesmal gleich doppelt: Am 14. Februar gibts den britischen Bomber in der Wiener Stadthalle, am 15. Februar in der Linzer TipsArena.

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Motörhead-Tickets für München, Frankfurt und Düsseldorf, sowie Triest, Wien und Linz gibt es auf oeticket.com und unter 01-96 0 96.

 

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Twitter: @MyMotorhead

Lemmy “Bad Magic” erscheint am 28. August bei UDR Music und beinhält folgende Songs:

01. Victory Or Die – 3.09
02. Thunder & Lightning – 3.06
03. Fire Storm Hotel – 3.35
04. Shoot Out all of Your Lights – 3.15
05. The Devil – 2.54
06. Electricity – 2.17
07. Evil Eye – 2.20
08. Teach Them How To Bleed -3.13
09. Till The End – 4.05
10. Tell Me Who To Kill – 2.57
11. Choking On Your Screams – 3.33
12. When The Sky Comes Looking For You – 2.58
13. Sympathy For The Devil (The Rolling Stones Cover) – 5.35

Sichert eucht das Album am besten gleich sofort in der Standard-Edition, in der Limited Box, als Digi Pack, auf Vinyl oder bei iTunes!

 

Motörhead Party Flyer

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