Fall Out Boy – Abrocken und Tee trinken

Erst kürzlich veröffentlichten die vier Jungs aus Chicago ihr Comeback-Album Save Rock And Roll, jetzt legen sie bereits mit der neuen Mini-Platte Pax Am Days  nach. In ein bestimmtes Genre haben Fall Out Boy nie hineingepasst, am meisten Rock ‚N‘ Roll sei es ohnehin, Tee zu trinken, Krawatte zu tragen und dabei ordentlich in die Saiten zu hauen. Nicht nur das erzählten uns die Gitarristen Patrick Stump und Joe Trohman am Frequency Festival.

Ihr seid von einer Underground- zu einer kommerziellen Band aufgestiegen. Wie war diese Erfahrung für euch?

Patrick: So schrittweise, dass wir es gar nicht so bemerkt haben. Wir passen auch noch immer nirgends hinein. Wir spielten in Hallen und haben uns dort immer ein wenig unpassend gefühlt. Genauso bei einem großen Rock-Festival oder einem großen Pop-Radio-Festival. Ich weiß nie, wo wir zuzuordnen sind, aber es ist toll, weil wir immer als Art Außenseiter auftreten können (lacht).

Joe: Wir haben über diese Entwicklung nicht viel nachgedacht, bis wir eine Pause gemacht haben. Man ist so beschäftigt mit Touren und von einem Ding ins nächste zu gehen. Du lebst für den Moment.

Patrick: Wenn du im Fernsehen bist, siehst du auch nicht fern (lacht.)

Joe: Außer wenn du selbstbewusst oder verwirrt bist, meistens verwirrt.

Warum habt ihr eine Pause gemacht? Seitenprojekte? Erschöpfung?

Joe: Beides. Wahrscheinlich auch Frustration, andere Band-Projekte, Familie. In einer Band zu sein und das als deinen Beruf auszuüben ist ein Traumjob und fantastisch. Wir sind sehr dankbar und wir nehmen das nicht selbstverständlich, aber es nimmt dein ganzes Leben ein. Das Gras auf der anderen Seite ist immer grüner: Du willst dich wie ein normaler Mensch fühlen, das Wochenende genießen, deine Familie sehen …

Patrick: Kennst du das Stück Von Mäusen und Menschen und die Szene, in der der Protagonist den Welpen liebt und ihn fast erstickt? Ich glaube, wir waren da sehr nahe dran …Wir haben das Musik-Machen so sehr geliebt, dass wir es fast erstickt haben. Musik ist nicht Monogamie, Musik ist etwas Gemeinschaftliches, das geteilt werden sollte. Es ist toll, dass wir alle vier diese Chemie haben und das ist die einzige Musik, die man machen sollte, denn wenn du das verlierst, vergisst du, wie man es richtig macht.

Joe: Wir mussten auch an andere Musiker herantreten und fragen: ‚Wie habt ihr es geschafft, besser zu werden?‘ Jeder hat einen anderen Stil ein Instrument zu halten oder Songs zu schreiben. Du kannst die Tricks der anderen stehlen (lacht), sie zu deinen Tricks machen und sie in deine Band holen. Dann kann man bessere Musik machen und neue Ideen haben. Es geht nicht darum, wo die Idee her ist, es kommt darauf an, wie du sie verarbeitest. Du kannst nicht immer von denselben Menschen lernen.Fall Out Boy_Folie A Deux_2

Ich glaube jeder macht einen großen Hehl um das Alter 30. Gibt es bei euch eine 30er-Krise?

Joe: Eine Krise gibt es nur, wenn Menschen eine Krise daraus machen. Wir passen alle besser auf uns auf als früher …

Patrick: Ich mag es, jetzt ein bisschen älter zu sein: Früh aufstehen, die Zeitung lesen und Tee trinken. Das sind viele „Alte-Männer-Dinge“, aber ich fühle mich wohl damit.

Euer Album heißt Save Rock And Roll. Warum muss er beschützt werden? Und wer hat ihn zerstört?

Patrick: Keiner hat ihn zerstört. Menschen haben ihn in eine gefährliche Lage gebracht. Rock and Roll sollte etwas sein, das wächst und sich verändert und kein traditionelles Verständnis von Musik. Er sollte auch eine Reaktion auf Kultur sein, genauso wie Rock and Roll, als er begonnen hat. Davor muss er nicht geschützt werden, nur davor, geplant zu sein und in eine Uniform gesteckt zu werden.

Save Rock And Roll ist bei Island (Universal) erschienen

Save Rock And Roll ist bei Island (Universal) erschienen

Joe: Rock ‚N‘ Roll soll immer eine Herausforderung und abschreckend sein.

Patrick: Du wirst auch als Band immer durch Promofotos nur einseitig präsentiert und das ist nicht ehrlich. Das ist wahrscheinlich das wichtigste an Save Rock And Roll: Er muss ehrlich sein. Ich kenne viele Rock-‚N‘-Roller, die gerne Zeitung lesen, Krawatte anhaben und Tee trinken. Und wenn du das bist, sei so und mach trotzdem Rock ‚N‘ Roll.

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1 Kommentar

  1. Helmut

    Tolles Interview, Ich denke ein beschäftigter Musiker zu sein und gleichzeitig eine Familie zu haben ist nicht die beste Dauerlösung. Es gibt auch viele Musiker die einen Mittelweg finden. Die sind dann aber sicher nicht so berühmt und bringen auch nur alle 4 Jahre ein Album raus.

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