Flogging Molly – Bleib dir selbst treu

Punk-Rock mit irischer Volksmusik: Die Idee selbst hätte Flogging Molly wahrscheinlich Erfolg versprochen. Doch sie legen seit über 15 Jahren noch eine ordentliche Menge Authentizität, Live-Power und Feuer oben drauf. Banjo-Meister Bob Schmidt erzählt uns im Interview, was dahinter steckt.

Warum ist irische Volksmusik deiner Meinung nach so viel bekannter als andere Arten der Volksmusik?

Bob Schmidt: Ich bin mir nicht sicher, ob das wahr ist. Schau dir zum Beispiel Gogol Bordello mit rumänisch-russischer Musik an. Das ist zurzeit auch sehr populär. Vielleicht liegt es aber daran, dass die Iren gerne lauter singen als andere Völker. Sie gehen raus, an andere Orte und in andere Länder, und singen, singen, singen. Es geht den Leuten eher unter die Haut. Man findet nicht viele Deutsche oder Österreicher, die in ihren Pubs in Amerika laut herumsingen. Sie kochen gut, aber das ist etwas anderes. Vielleicht müssen sie die österreichische Volksmusik lauter machen.

Kennst du österreichische Volksmusik?

TICKET meets Bob Schmidt

TICKET meets Bob Schmidt

Bob: Ein wenig.

Welche?

Bob: Hauptsächlich Horn-Musik.

Kennst du Jodeln?

Bob: Oh ja!

Könntest du dir vorstellen, das in euer Set einzubauen?

Bob: Hm, ja, nicht wir (lacht). Jodeln ist in den USA bekannt, weil ein großer Teil der deutschen, österreichischen und Schweizer Volksmusik Teil der amerikanischen ist, hauptsächlich im Country, denn alle Immigranten, die hinübergezogen sind, waren Cowboys oder Farmer und Ähnliches. Es gibt außerdem eine Art von Jodeln in alter Country Musik.

Könntest du dir vorstellen, dass sich Flogging Molly von Irischer Volksmusik distanziert?

Bob: Ich finde, wir machen das andauernd. Es ist immer so: Die ersten fünf Jahre einer Karriere versucht man, seine Musik auf einen gewissen Punkt zu reduzieren, damit es von allem anderen heraussticht. Die Vision in der Band fokussiert sich auf diesen bestimmten Sound, von dem man hofft, dass er die Band einzigartig macht. Und dann verbringt man den Rest der Karriere damit, genau das zu zerstören. Denn niemand mag nur ein Ding, jeder mag vieles. Man versucht den Rest der Karriere andere Stile, die einem gefallen, in den alten Stil, für den dich die Leute kennen, einzubauen, vielleicht mit viel Erfolg, vielleicht mit wenig. Nach unserem zweiten Album haben wir immer versucht, neue Elemente in den Sound einzubauen, die nicht so eindeutig nach irischer Volksmusik klingen.

Welches ist dann euer bestes Album?

Bob: „Bestes“ ist so ein komisches Wort. Es ist schwer für mich zu sagen, dass etwas besser ist als etwas anderes. Ich mag sie alle aus unterschiedlichen Gründen. Die ersten Alben hatten viel Feuer und große, offene Sounds, zum Ende hin sind wir zu besseren Songwritern und Musikern geworden. Rein soundtechnisch ist das neue Album viel besser und deutlicher. Aber, wenn ich trinken will, ist Speed Of Darkness wahrscheinlich nicht die richtige Musik, dann wähle ich eher Swagger aus. Aber wenn ich Songs hören will, dann würde ich vielleicht eher Float anhören als Drunken Lullabies.

 

Die ersten Alben hatten viel Feuer und große, offene Sounds, zum Ende hin sind wir zu besseren Songwritern und Musikern geworden.

 

Apropos Drunken Lullabies, musst du betrunken sein, um das zu singen?

Bob: Nein (lacht). Ich versuche, weniger zu trinken, seitdem ich älter geworden bin. Es wird zu einem Fluch. Wenn du nichts tun kannst, ohne Alkohol zu trinken, wird das Leben sehr beschränkt.

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Wenn du Zeitreisen könntest, welchen Tipp würdest du den jungen Flogging Molly geben?

Bob: Hm, worüber?

Ich weiß nicht… in Bezug auf Musik, Touren, Trinken…

Bob: Pass auf dich auf (lacht)! Ich weiß nicht, verdammt. Ich wäre ein sehr reicher Mann, wenn ich in der Position wäre, irgendjemandem Tipps zu irgendwas zu geben. In Bezug auf Musik würde ich sagen: „Sei dir selbst treu.“ Wahrscheinlich in sämtlichen Lebensbereichen. Mache nichts für andere Leute. Mach sie für dich selbst. Jemand, der sich selbst treu und ein Mitglied der Gesellschaft ist, kann andere Menschen erreichen, denn du kannst Erfolg aus allem ziehen, was du versuchst.

Glaubst du, ihr habt das in der Vergangenheit geschafft? Euch selbst treu zu sein?

Bob : Ich glaube, wir haben das immer relativ gut geschafft. Man könnte populärer sein, wenn man es nicht ist, aber das bleibt nicht lange. Wenn wir unsere Karriere anschauen, waren wir über lange Zeit erfolgreich, obwohl wir nicht immer versucht haben, die Menschen glücklich zu machen.

Was hältst du von Bands, die sich verkleiden oder Masken tragen?

Bob: Ich finde, die erste Band ist großartig, alle anderen Bands versuchen wahrscheinlich nur, daraus Kapital zu schlagen. Aber ich bin mir nicht sicher, ob ich eine Meinung darüber habe. Manchmal ist es großartiges Theater. Auftritte von Insane Clown Possy oder Slipknot sind phänomenal. Ich kenne gar keine andere Band, die Masken trägt.

Im deutschsprachigen Raum gibt es das zurzeit sehr oft, hauptsächlich im Hip-Hop, mit Panda- oder Totenkopf-Masken.

Bob: Echt? Es ist beim ersten Mal immer großartig, dann wird es ein wenig langweilig.

Aber man könnte sich dahinter verstecken.

Bob: Ja, ich denke oft darüber nach, wie es wäre, wenn man Musik als Künstler besitzen würde, aber nicht touren wollte. Man könnte eine Band losschicken und eine Leinwand vor ihnen aufbauen, sodass sie nur Schatten sind. Es wäre wahrscheinlich spannend anzusehen, aber jeder gute Musiker könnte das machen. Es wäre interessant zu sehen, wie die Leute darauf reagieren.

Glaubst du, dass jeder Musiker Flogging Molly spielen könnte?

Bob: Nein, aber das liegt daran, dass wir seit 17 Jahren die gleichen Leute sind. Wenn es etwas wäre, das noch keiner zuvor gesehen hätte und wenn es keine Querverbindung zum Konzept gäbe, wäre es vielleicht möglich. Es wäre ein Experiment. Vielleicht würde es funktionieren, vielleicht würde es unglaublich scheitern.

Denkst du, die Leute gehen für die Musik oder zum Trinken zu Festivals?

Bob: Ich glaube, sie sind wegen der Musik hier. Man könnte auch zu Hause bleiben und trinken. Das ist auch noch billiger.

Hier beim Frequency Festival gibt es viele Leute, die großteils campen und trinken.

Bob: Es ist sicher ein Teil davon. Es gibt Leute, die das Festival übergehen, weil sie am Vortag mit zu viel Motivation getrunken haben. Also vielleicht vermissen sie einen Großteil des Festivals am nächsten Tag. Aber bei den meisten europäischen Festivals – der Musik-Mix ist so gut, das will man nicht versäumen. Es gibt viel Abwechslung, viele Bands, es gibt für jeden Geschmack etwas. Man sieht Regina Spektor und Tenacious D nicht häufig auf einem Line-Up.

Euren Namen habt ihr so gewählt, weil ihr euch in einem Pub namens Molly Malone getroffen habt. Was wäre gewesen, wenn ihr euch im Wiener’s Pub getroffen hättet?

Bob: Naja, das wäre viel delikater gewesen (lacht). Das Ding mit dem Namen war lustig, denn das haben wir sehr schnell und leichtsinnig entschieden. Wir sagten dem Barbesitzer, dass wir gerade den Namen ausgewählt hatten und er: „In Ordnung, das ist toll!“ Wir dachten uns damals, dass wir den Namen nur für eine Weile verwenden und uns dann etwas länger damit beschäftigen würden. Irgendwann kommt man aber zu dem Punkt, an dem einen jeder unter diesem Namen kennt. Man kann seine Fanbase verlieren.

Interview: Petra Albrecht, Gregor Krenker

 

Die Folk-Punk-Legenden Flogging Molly sieht man als Headliner auf der Vans Warped Tour.

 

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