Frequency 2015: Festivaltetris und BummBumm

Auch dieses Jahr haben wir uns dem außerirdischen Frequency-Wahnsinn hingegeben. Drei volle Tage, immer brav 12 Stunden lang. Da gibt es so einiges zu erzählen …

 

Aufnahmegeräte, Kamera und Desinfektionsgel (wichtigstes Festival-Gadget überhaupt!) eingepackt, starteten Kollegin Astrid und ich Donnerstag Früh unsere Reise in die niederösterreichische Bundeshauptstadt – und dann ging es um die Mittagszeit auch schon los mit unserem Interview-Marathon, Konzert-Hopping und ein paar Entspannungsbierchen. Letzte natürlich erst nach getaner Arbeit, man will sein Gegenüber im Zwiegespräch ja nicht anstinken!

 

Tag 1: Nostalgie, Whiskey und laut

Ein nostalgisches Highlight waren am ersten Tag sicherlich Bad Religion – obwohl der Sound nicht der beste war,  hat es dann doch sehr viel Spaß gemacht, zur Musik der Punk-Opis herumzuhüpfen.

The Script waren als Anschlussband schlecht gewählt, da war man gerade in Hüpf-Stimmung und schon ging es poppig-kommerziell weiter, ohne viel Krach. Die „Kokowääh2“-Soundtrack-

Greg Graffin von Bad Religion

Greg Graffin von Bad Religion

Verantwortlichen begeisterten aber zahlreiche kreischende Mädchen und lieferten ein solides Set – Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden! Noch dazu konnte ich die Iren vor ihrem Auftritt zum Interview treffen, und das war wohl eines der spaßigsten am diesjährigen Frequency, dafür gibt es viele Plus-Punkte! Ihre Whiskey-Empfehlung: Kilbeggan oder Green Spot. Auf keinen Fall sollte man Blended Whiskeys oder „so etwas wie Jameson“ zu sich nehmen. Bei der Frage nach der besten Katermedizin waren sich die Herren ein bisschen uneinig: Ob nicht gleich ein Glaserl Kilbeggan am nächsten Tag helfen würde (In UK-Breitengraden wird das übrigens als „hair of the dog“ bezeichnet. Also: den Kater mit Alkohol bekämpfen.), eine Umarmung und schlafen, oder doch ein elektrolytisches Getränk … am besten wohl alles auf einmal!

Wem nach Schunkeln und Schmusen zumute war, der kam bei José Gonzales auf seine Kosten: so stimmig, so schön, so ruhig. Mit der Ruhe war dann Schluss, als sich K.I.Z. in gewohnt spaßiger Manier auf die Bühne begaben, obwohl ein gewisser Rückschluss auf die Herren von Deichkind unvermeidbar war.  Die waren übrigens auch ganz unterhaltsam beim Interview, sagt Astrid und hat damit sicher recht.

Für die Indie-Liebhaber des Landes lieferten Alt-J währenddessen eine erwartungsgemäß ansprechende Performance, da gingen ein paar Herzerl auf, die sich leider danach bei Major Lazer wieder ziemlich verkrampften: Plötzlich fühlte man sich in irgendeine Disko Anfang der Neunziger zurückversetzt – was auf der Scheibe ganz gut klingt, war live dann doch ein bisserl laut. Vielleicht liegt es ja wirklich am Alter, egal – dafür gab’s eine lustige Blinki-Blinki-Show und den Festival-Besuchern hat es gefallen, das ist wohl das Wichtigste. Scheinbar sogar besser – was die gemutmaßte Anzahl der Menschen vor der Bühne anbetraf – als die darauffolgenden Chemical Brothers. Das war wohl eher wieder was für die älteren Semester, die sich Caspar auf der anderen Bühne nicht geben wollten. Ach, was soll’s, „Go“ war dann schon super!

 

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Tag 2: Tetris, MischMasch und eh klar

Der zweite Tag des Festivals wird Line-Up-technisch als der schlechteste 2015 kolportiert. Ja, eh! The Prodigy hat jetzt wirklich schon jeder einzelne Festivalbesucher zum x-ten Mal gesehen – und Nero? Ganz ehrlich … Ist das nicht genau dieser Sound, den man damals, 1993, auf die „Dance Mission 1“ gepresst hat? Man hätte doch besser bei The Offspring bleiben sollen, auch wenn man sich das Konzert ganz hinten von den Dixie-Klos anhören musste, irre, wie viele Menschen da abgingen wie ein Wick-Zuckerl. Hier musste man seine menschlichen Tetris-Künste wirklich beweisen.

New Found Glory, Frittenbude – liebevoll auch Pommeshäusl genannt – und Kwabs hatten davor zwar ein minimiertes Publikum, waren aber gut – in drei verschiedenen Genres halt. Kontinuität wird ja generell überbewertet, es lebe ein buntes musikalisches Mischmasch, hören heutzutage sowieso alle alles, oder?

Dexter Holland von The Offspring

Dexter Holland von The Offspring

Erwähnenswert im späteren Nachmittags-Line-Up sind sicherlich auch The Wombats, die eine durchwegs positive Stimmung verbreiteten und zum Mitsingen animierten. Das taten auch Simple Plan und die Anfang 20-jährigen waren durchaus textsicher!

The Prodigy am Ende waren … The Prodigy: “A rose is a rose is a rose is a rose”. Nicht schlecht, aber auch nicht zum Niederknien. Dafür gab es am Nachmittag ein paar Schmankerl – Josef Salvant und The Last Internationale konnten auf der kleinen Weekender Stage überzeugen, aber es hat sich ja mittlerweile ein bisschen herumgesprochen, dass auf dieser Bühne meistens großartige Neuentdeckungen dabei sind: So haben letztes Jahr hier Royal Blood noch vor circa 70 Menschen gespielt.

Ein kleines Highlight am Rande waren übrigens OMD – die New-Wave-Helden aus den 80ern konnten zu später Stunde auf der UAF-Stage begeistern und stahlen den nach ihnen auftretenden Klangkarrussell die Show. So zumindest die Meinung der älteren Semester, sprich derjenigen, die legal auf eine Ü-30 Party gehen dürfen, es aber meist nicht wollen.

 

Tag 3: Punk, Häuslschmäh und grinsen

Wenn man am Tag drei des bunten Treibens schon ein bisschen müde war, so eigneten sich Against Me! hervorragend, um wieder in die Gänge zu kommen. Punk in Reinstform einfach, das macht wirklich Spaß! Dicht gefolgt von den Mad Caddies, die zwar schon 20 Jahre lang die Bühnen unsicher machen, aber noch immer wie der durchgeknallte, frische Frühling wirken. Hurra, die Stimmung ist zurück, die Motivation ist da!

Laura Jane Grace von Against Me!

Laura Jane Grace von Against Me!

Schlagartig wird diese aber gebremst, als Alligatoah und seine Mannen die Bühne betreten – und hier sei auf die Subjektivität dieser Zeilen hingewiesen: Spaß finde ich ja prinzipiell immer gut, das Bühnenbild war eh auch haha-komisch. Spaß muss man aber auch können, lustig sein muss gelernt sein, dachte ich bis jetzt. Dass ultra-platter Pseudoschmäh (#sichselbstliebhaben #penis #blasen #ohmeingotterhatpenisundblasengesagt #kindergartenwitze) in Kombination mit „Ich-mach-jetzt-mal-einen-auf-die-Ärzte-für-Arme“ jedoch anscheinend gut ankommt, sieht man daran, dass das Konzert gut besucht ist. Vielleicht liegt’s am Alkohol, vielleicht liegt’s am Alter, vielleicht sind Festivalbesucher einfach prinzipiell geschmacklos. Vielleicht aber bin ich und ein paar andere, die sich Grimassen schneidend und Ohren zuhaltend in meiner Umgebung befanden, einfach zu unlustig, um das zu verstehen. Cindy aus Marzahn und das Dschungelcamp erschließt sich mir ja auch nicht.

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Kendrick Lamar

Aber eigentlich egal – denn es wurden noch richtig viele musikalische Zuckerl verteilt: Enter Shikari zum Beispiel waren eine top Sache, wenn man auf Trancecore steht. Da ist auch ein bisserl Posthardcore dabei, und nein, wir sind nicht wieder bei „Dance Mission“ angelangt.

TV On The Radio waren eine stimmungsvolle Abwechslung, da wurde das Tanzbein geschwungen, da kam Energie ins Publikum, das ein bisschen klein war, weil – ja, richtig – die meisten zu Kendrick Lamar gepilgert sind, der als geheimer Headliner gehandelt wurde. Begeistern konnte er dann auch, selbst diejenigen, die mit Rap nicht so viel am Hut haben.

Kendrick in allen Ehren, aber Interpol, das war eine Freude! Ein bisschen über eine Stunde hieß es für Fans der New Yorker hier einfach nur grinsen wie ein Hutschpferd, mitträllern und im Takt schwingen. Solide, wunderschön, kein Schnick-Schnack, danke dafür!

 

Über Martin Garrix im Anschluss etwas zu schreiben … „Dance Mission 2“ oder so …

Und Linkin Park? Viel zu lange, viel zu laut und irgendwie peinlich. War nicht anders zu erwarten, hat aber dennoch extrem vielen gefallen. Naja, mitsingen kann man ja zum Glück, macht auf jeden Fall auch Spaß!

 

Fazit: Musikalisch durchwachsen, organisatorisch top

Ein durchwachsenes Frequency also, das lag aber vor allem an der Vielfalt, da ist es natürlich klar, dass nicht alles gefallen kann. Top war auf jeden Fall – wie jedes Jahr – die Organisation, die kulinarische Vielfalt (das Foodtruck-Angebot war fantastisch), und die Stimmung der rund 120.000 Festivalbesucher – und das ist wohl das Allerwichtigste, egal, wie viel gemeckert wird.

Es gibt schon Early-Bird-Tickets zu vergünstigten Preisen hier! Einfach zugreifen, weil nach dem Festival ist vor dem Festival!

Fotos: Andrea Putz für !ticket/oeticket.com – zum Fotoreport geht es hier.

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