Fuzzgitarren statt Zauberflöten

(Gewinnspielteilnahme am Ende des Artikels ↓)

Schluss mit der mozärtlichen, kleinen Nachtmusik! Inmitten des Stoner-Rummels schickt sich auch die Stadt an der Salzach an, mit einem feinen Genrekleinod zu glänzen – mit Fuzzgitarren statt Zauberflöten.

 

„Ihr Götter! Was ist das?“, erschrickt Tamino in der „Zauberflöte“ gar schaudernd, als ein Donnergrollen die Ankunft der Königin der Nacht ankündigt. Ähnlich heftig erschütternde Akkorde darf man sich wohl auch für das Stonerhead-Festival erwarten, das am 4./5. September Premiere im Salzburger Rockhouse feiert. „Wie stark ist nicht dein Zauberton! Weil, holde Flöte, durch dein Spielen selbst wilde Tiere Freude fühlen“, singt Tamino – und bräuchte sein Blasinstrument bloß gegen schlotternde Saiten beispielsweise tauschen, und würde sich flugs gekonnt ins Programm einfügen, geht es im Rahmen des Heavy-Psych-Stoner-Doom-Zirkels doch hauptsächlich um „Riffs, Vibrations, Mood, Volume & Atmosphere“.

 

Heimat, bist du …

Man könnte auf den Sommerlochzug aufspringen, und darüber diskutieren, ob Österreich nicht nur große Söhne – wie es die ursprüngliche Bundeshymne verspricht –, sondern auch große Töchter – wie es die Neufassung ausformuliert – zu bieten hat. Man könnte sich aber auch um das Wesentliche kümmern (was wir hier an dieser Stelle auch tun wollen; wir sind nicht die Genderquotenkasper von The Gap) und hervorheben, dass im Rahmen des Stonerheads der Anteil an heimischen Künstlern (wurscht, ob Zumpfi oder nicht) nicht wie die sprichwörtliche Nadel im Heuhaufen zu suchen ist. Mit Iron Heel und Triptonus aus Wien, sowie Ceveo aus der Stahlstadt finden sich gleich drei bemerkenswerte lokale Vertreter inmitten des 16-Bands-starken Line-Ups.

Triptonus, jene Herren, die mit ihrem „wilden Kuddelmuddel an Soundeinflüssen“ mittels ausgedehnten Jams und einer „komplexen Tondichtung“ ein „psychedelisches Kopfkino“ auf die Leinwand der grauen Masse zaubern, haben soeben die Aufnahmen zu ihrem selbstbetitelten Debüt in Rumänien abgeschlossen und werden noch am 3. September an einer geheimen Location in Wien mit einem extra langen Set zu einer Reise laden, die der von Florian über seine wundersame Tapete um nichts nachsteht. Während der kleine blonde Bub im Kinderbuch mit seinem Traumexpress von einem Abenteuer zum Nächsten jagt, erwartet einem hier alles von Hendrix’scher Onanie bis hin zum kyuss’schen Schmirgelpapier, afrikanische Grooves und elektronische Sounds inklusive.

Nicht minder reisefreudig geben sich Ceveo, allerdings wirken jene Trips schier endlos, beinahe kafkaesk in ein von Nebelschwaden verhangenes Nichts hinein zu driften. Der Postrock wirkt immens fragil und sphärisch, in etwa ein Destillat aus Mogwai, God Is An Astronaut und Swans, wenn man so möchte – das sich einem Schmetterling gleich aus dem feinfädigen Sound-Kokon kämpft.

Iron Heel hingegen haben ihre Siebenmeilenstiefeln fest geschnürt, lächeln nur milde über die kleinen Lackerln am diesjährigen Wacken und stapfen nasenspitzentief durch den blubbernden Gatsch, sodass die Eigendefinition „a lonely submarine navigating the black emptiness“ durchaus nicht allzu weit hergeholt ist. Die Saiten schlabbern tiefer, als die Bodenplatte einer handelsüblichen Proletenkutsche liegt und würde man auch nur einen Tick hektischer werkeln, wären Parallelen zu Weedeater nicht allzu weit hergeholt, „Book Of Grief“ (das soeben mit Bonustrack „The End Result of 11 Days in the Mental Hospital“ auf Tape neu veröffentlicht wurde) ist Dokument dafür, dass den okkult angehauchten Doom nicht Sleep, frühe Black Sabbath oder Candlemass allein gepachtet haben.

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Aller Herren Länder

Zu den Headlinern des Festivals zählen natürlich internationale Größen – freitags Karma To Burn (seit ihrer Wiedervereinigung wieder einen Tick härter) und The Sword am Samstag. Jene beiden Partien Genrekennern vorstellen zu wollen, hieße, Eulen nach Athen zu tragen – und auf Kvelertak wird dennoch ein kleingroßes Häufchen gelegt, just because. Gerade bei zweitgenannten machen bereits die fünf Teaser, darunter unter anderem „Early Snow“ und das Titelstück „High Country“, massiv Vorfreude auf das kommende Album, das nur noch vier Tage auf sich warten lässt.

Einen Tick spannender – weil exklusiver – wird es bei The Loranes aus Deutschland und Gurt aus den UK. The Loranes stammen wie Kadavar aus Berlin, am Viersaiter befindet sich niemand geringerer als deren Ex-Tieftöner Mammut (der eigentlich, wie man weiß, aus Kärnten stammt). Im direkten Vergleich fallen doch deutliche musikalische Unterschiede auf, sodass „künstlerische Differenzen“ als Trennungsgrund schließlich viel wahrscheinlicher als die „Zeitprobleme“ klingen. Seine Leidenschaft für den Black Rebel Motorcycle Club wird hier an jeder Ecke und an jedem Ende überdeutlich, im Vergleich zu den vormaligen Okkult-Rockern wird hier die Indie-Schlagseite zudem hervorgekehrt, alles ist etwas fuzziger, punkiger und klingt mehr nach MC5 und The Stooges als Black Sabbath und Pentagram.

Gurt aus London sah ich zum ersten Mal am DesertFest in London, als sie am zweiten Tag in den frühen Nachmittagsstunden das Underworld kurz und klein hackten. Wo Monty Python noch fröhlich den Lumberjack-Song anstimmten, standen die vier „Dudes with beards with cats“ schon parat, die Motorsäge hochgepfeffert, die Axt wild wirbelnd in der anderen Hand. Das ist direkter, dreckiger Sludge, wie es sich gehört – und gerade „Fucknose“, „Hobo Reaper“ und „Soap Feast“, der gemeinsam mit Mark von Diesel King (ebenfalls im Stonerhead-Billing) dargeboten wurde, waren fetzige Exzesse, die Gurt zu einem der absoluten Highlights in der bisherigen DesertFest-Geschichte reifen ließen.

Aber auch das restliche Billing weiß zu überzeugen – gleich ob die Deutschen Mantar, die erst kürzlich die Wiener Arena unsicher machten, Prehistoric Pigs aus Italien, sunnata aus Polen und all die anderen großartigen Bands wurden von den Verantwortlichen mit viel Feingefühl und guten Ohren ausgewählt. Pinkelpausen sind wohl rar gesäht.

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Rockhouse Around The Clock

Bespielt werden wird sowohl der Konzertsaal, als auch die Rockhousebar – und natürlich wird auch der gemütliche Biergarten für die Festivalgäste geöffnet sein. DJ-Sets am Anschluss an die letzte Band werden dafür Sorge tragen, dass man zwar in einem der umliegenden Hotels früher oder später ins Bett gehen kann, aber nicht zwangsweise muss. Stände mit Merchandise, Schmuck und Mode runden neben einer Plattenbörse und Foodtrucks das Happening ab und sorgen somit selbst in Salzburg-Stadt für eine kleine, aber umso feinere Festivalatmosphäre.

Freitag, 4. September: Ceveo (AT) / Triptonus (AT) / MANTAR (GER) / CARSON (CH) / Prehistoric Pigs (IT) / Obake (FR) / The Loranes (GER) / Karma to Burn (USA)
Samstag, 5. September: Limestone Whale (GER) / Iron Heel (AT) / sunnata (PL) / Liblikas (EST) / OTEHI (IT) / Diesel King (UK) / GURT (UK) / The Sword (USA)


Festivalpässe (€ 50,50), sowie Tagestickets (€ 32,90) sind bei oeticket.com im Verkauf.

Wir verlosen aber für das Stonerhead auch 3×2 Festivalpässe. Schickt uns dazu einfach bis 28. August an gewinn@ticketmagazin.com eine E-Mail mit dem Betreff „Stonerhead“ und teilt uns mit, welche Stoner/Sludge/Psych/…-Band wir uns unbedingt reinziehen müssen – und welchen Song!

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