G.checkt: Austrofred – Hard On!

Zackbumm! Auch wenn der selbsternannte Alpenkönig ein Menschenfreund ist (und sich demnach durchaus damit brüsten darf, eine mittlerweile beinahe ausgestorbene Rarität zu sein), gibt’s nun in bester Bud-Spencer-und-Terrance-Hill-Manier etwas auf die Fresse. Hard On! ist der Titel seines neuen und mittlerweile vierten Buches, jedoch sein erster tatsächlicher Roman, wie es heißt. Denn sowohl der Alpenkönig, wie auch die Ansichten eines unbequemen Zeitgenossen und sein halbordinärer, aber doch mozärtlicher Briefwechsel waren autobiographisch und demnach gattungstheoretisch nicht Roman genug – wenngleich diese Argumentation diskutabel ist.

Nun aber wandert Austrofred, bürgerlich Franz Adrian Wenzl, auf den Pfaden von Goethes Wilhelm Meister, oder vielmehr: fährt. Denn eine Wanderung von Istanbul bis nach Bad Schallerbach hätte wohl mehr Stoff zu bieten, als auf 150 Seiten Platz fände – man denke da an die Erzählungen der Streifzüge von Roger Willemsen und Tex Rubinowitz – und hätte dem Entertainer wohl auch wunde Füße verschafft, was ein künftiges Herumhüpfen im Körper von Freddie Mercury wohl für längere Zeit untersagt hätte.

Austrofred sorgt also für das, was uns vor zigtausend Jahren schon Jesus vorgebetet hat: Völkerverständigung. Nach den EU-Staaten (und vor allem Deutschland) und den ex-jugoslawischen Einzugsgebieten sind die Türken bekanntlich drittstärkste Migrantengruppe in Österreich, warum also nicht ein bisschen Austria auch in die Türkei bringen? Frenetisch wird “Üztrüfrüd” im brechend vollen Istanbuler Club abgefeiert, es ist eine ekstatische Symbiose aus Schweiß und Schnurrbärten, die sich da abspielt. Danzer, Falco, Fendrich, STS, Hirsch und die EAV funktionieren auch im Land des Muezzin – da kann sich der liebe Herr Kickl gleich mal einen neuen flotten Spruch einfallen lassen, denn: “Entgegen dem in Österreich vorherrschenden Klischee sind die Türken nämlich extrem gefühlsbetonte und positivistische Menschen”, weiß Austrofred von seinem halbjährigen Aufenthalt am Bosporus zu berichten. Viel netter, so resümiert er, als die Österreicher, die zwar den großen Meistern – einem Goethe, einem Grillparzer – schnöde Marmorbüsten aufstellten, aber seine Fire, Light & Austrofred-Tour verrissen, ja: die Kunst missverstanden.

Und wie das auch schon mit zahlreichen großen Österreichern in der Mitte des letzten Jahrhunderts schon so war, geht halt der geächtete Künstler ins Exil – und findet dort in seiner erfrischenden Art immensen Anklang, so wie das “Plopp!” einer Wiener Brauerei beim geneigten Biertrinker. Oder zumindest gedanklich ein Packerl Mannerschnitten beim Zuckerkranken. Doch irgendwann ebbt die Begeisterung am austropoppenden Wahnsinnigen ab und ein Ex-Gastarbeiter schürt im vertrauten Gespräch mit Austrofred das Heimweh, vor allem nach den Mehlspeisen, aber irgendwie auch nach den depperten Stammesgenossen, den Österreichern eben. Als dann die Kronen Zeitung, die einzige Verbindung zur Heimat in Istanbul, Austrofred auch noch unterstellt, sich von der “türkischen Homo-Szene die Stange halten zu lassen” und das Gesundheitsministerium beim Efes-süffelnden Austrofred durchläutet und ihm einen Job als Testimonial eines Kuraufenthalts in Bad Schallerbach anbietet, ist es beschlossene Sache: Türkenfred wird wieder Austrofred!

Leider ist jedoch in Island wieder mal so ein depperter Vulkan Feuer und Flamme, sodass die Flüge nach good old Austria gestrichen sind. Einzige Alternative: Der Orientexpress. Und wenn der Austrofred eine Reise tut, dann kommt er irgendwann auch einmal am Ziel an – und man darf gespannt sein, ob der Oberösterreicher dann in Wien schließlich in der Redaktion von Standard, Falter und Kurier einmarschiert und einmal ordentlich Gnackwatschn und Backenpfeifen austeilt – und ob die Kur in Bad Schallerbach für neue kreative Triebe sorgt … Oda a net.

Austrofred

Hard On! ist bei Czernin erschienen.

Tickets bei oeticket.com

Der Beitrag gefällt dir? Jetzt teilen!