G.Checkt: Stefan Jürgens – Alles immer möglich

Das Ruhrgebiet erhielt in den frühen Achtzigern vor allem musikalische Bedeutung wegen eines Zirkels langhaariger Wilder, die in Alt-Essen herumzulärmen begannen – Kreator, Sodom und Destruction wurden als klingende Namen gewählt. Aber auch große deutsche Musiker, die eine etwas größere Zielgruppe ansprechen, stammen aus jenem Grätzel – stellvertretend seien hier Herbert Grönemeyer, Nena und der Improvisateur Helge Schneider genannt. Aber auch Stefan Jürgens, den man hierzulande bevorzugt aus der SOKU Donau, aber auch der RTL Samstag Nacht kennt, wurde hier in die Welt gesetzt. Und Überraschung: Der Schauspieler musiziert auch noch.

Dabei ist das nun zur Rezension vorliegende und im Regal des Plattenhändler des Vertrauens stehende Album Alles immer möglich beileibe nicht sein erstes Wagnis in die Welt der Musik, vielmehr kann Jürgens bereits auf Alles anders, Langstreckenlauf, Heldenzeiten und Alles aus Liebe zurückblicken – gänzlich abgesehen davon, dass er bereits als zehnjähriges Knäblein hinters Klavier gezwängt wurde. Mit 16 entstanden dann die ersten eigenen Songs – in Kinderschuhen bewegt sich der Deutsche also, wie auch Alles immer möglich beweist, nicht mehr. Vielmehr tritt Jürgens dabei in die großen Stapfen seines Namenskollegens, der eigentlich Bockelmann heißt.

Dass Stefan Jürgens dabei kein schnöder Abklatsch des “reiferen” Udo Jürgens ist, ist wohl vor allem der markanten, eigenen Stimme geschuldet. “Eichen wachsen sehr langsam. So geht’s mir auch. Jedenfalls künstlerisch”, gibt er etwas poetisch zu Protokoll, trifft aber den Nagel auf den Kopf. Stefan Jürgens passt problemlos in das Genre des “rockigen Pop-Chansons”, vermeidet großartige Ecken und Kanten und schafft es mühelos, nachdenkliche Musik auch fröhlich zu gestalten, mit Hoffnung, Sehnsucht zu untermalen. Tiefgründigkeit ist wohl neben der angenehm rau-rieselnden Stimme ein weiteres Einstellungsmerkmal, das man ihm attestieren darf – und Stärke. Alles immer möglich ist tatsächlich programmatisch, denn auch wenn Musik selten Diktatoren gestürzt, Krankheiten geheilt oder Katastrophen gebändigt hat: Wie auch schon Udo Jürgens proklamierte, nach dem Hinfallen die Krone zu richten und weiter zu marschieren, immer “geradeaus!”, so hat man auch mit Stefan Jürgens an seiner Seite das Gefühl, dass schließlich unterm Strich nichts unmöglich ist – solange man seinen Weg erhobenen Hauptes geht.

 

Alles immer möglich

Alles immer möglich erscheint am 8. November bei Heart Of Berlin (Universal).

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