Gewinnspiel: Caliban & Suicide Silence mit Meet&Greet

Caliban Suicide Silence

Wenn John Rambo Musik macht statt Krieg spielt: Mit Caliban und Suicide Silence schicken sich zwei der stiltreuesten Metalcore-Bands an, selbst Hurrikan Katrina als laues Lüftchen verblassen zu lassen.

Caliban Suicide SilenceFrüher, vor gefühlt hundert Jahren, war die Welt noch einfach. Da war man entweder Fleischtiger – oder nicht. Heute ist die halbe Menschheit ernährungsbehindert und bildet sich ein, neben einer durchaus vernunftorientierten Entscheidung, sich omnivor, carnivor oder herbivor zu ernähren, plötzlich auch noch eine Lactose-, Glucose-, und Fructose-Allergie aufreißen zu müssen, mit weiteren hippen Intoleranzen, dass es einer Sau graust. Kimchi hat das ehrwürdige Schnitzel beinahe restlos abgelöst. Versteht mich nicht falsch, natürlich gibt es Menschen mit einer Beeinträchtigung – für ein Gros ist dies aber eine schicke Modeerscheinung, mit der man dem Kellner im Lokal ordentlich auf den Sack gehen kann.

Früher war man auch entweder hetero- oder homosexuell, in einer Beziehung – oder auch nicht. Nothing wrong with that. Heute ist man auch a-, bi-, poly- oder pansexuell, fühlt sich von Bäumen, Lokomotiven oder anderen Objekten sexuell angezogen und lebt in einem “alternativen Beziehungsmodell”, die monogame Ehe (nicht zwangsweise ein hehres Ideal!) oder andere “traditionelle” Vereinigungen befinden sich im Aussterben, es blühen offene Beziehungen, Dreiecksbeziehungen, polyamore Beziehungen und Fuckbuddy-Verhältnisse auf. Ein gesellschaftlicher Wandel, dank dessen Menschen frei für sich definieren dürfen, wie sie leben möchten, erlaubt dies – macht die Sache aber auch nicht einfacher, die Identitätskrise ist vorprogrammiert.

Das Rubber Mallet Death Commando

Früher, da hörte man auch noch Klassik, Jazz, Volkstümliches, Rock oder Pop. Irgendwann spalteten sich alle Genres immer mehr und mehr auf, da gebar auch die Rockmusik plötzlich mit Black Sabbath das hässliche, laut krakeelende Kind Heavy Metal. Nichts zuvor war düsterer und elementarer, als das, was Iommi, Osbourne, Butler und Ward mit ihrem Debüt “Black Sabbath” fabrizierten. Jahrelang hörten fortan die langhaarigen Rabauken “ihren Heavy Metal” und meinten damit alles von Iron Maiden bis Black Sabbath, von Judas Priest bis Metallica. Doch irgendwann, da begann man, auch hier neue Schubladen zu zimmern, vom Thrash Metal und Speed Metal bis hin zum Black Metal und Death Metal – so weit, so kategorisch, der Mensch ist nun einmal ein Ordnungsliebhaber.

Dank des Internets leben wir heute aber in einem immens beschleunigten Zeitalter. Zyklen des Hypes, die früher Jahre brauchten, um aus der Mode zu kommen – zum Beispiel die Dauer einer ganzen Künstlerkarriere – halten heute nur noch einige Wochen. Nur wenige Teile der Welt sind so bemüht auf dem Laufenden zu bleiben, wie wir in der “Musikindustrie” mit unserem unstillbaren Durst nach dem nächsten großen Ding. Ein Anzeichen für den beschleunigten Lifestyle ist die endlose Ausbreitung von irrsinnigen Subgenres: Man aktualisiere einfach seinen Spotify-Newsfeed und du wirst wahrscheinlich aussagekräftige Genres wie Cock Pop, Chiptune, Bubblegum Dance oder Nerdgore dort finden. Wir spoilern, aber kaum überraschend: Auch diese werden irgendwann, wie zahlreiche Genrebezeichnungen längst vergangener Jahrzehnte, der Zeit zum Opfer fallen – wie auch schon Vaporwave, Schaffel, Drill’n’Bass, Scouse House, IDM und viele andere zuvor. Natürlich, gerade für uns Musikjournalisten ist es für einen Moment durchaus ein Amüsement, wenn wir nebst eines Promo-Streams in der beigefügten Bandbiographie auch lesen dürfen:

Rubber Mallet Death Commando aus den USA spielen hymnischen Sleazegore mit psychedelischen Freefolk- und Pessimistic Viking-Chant-Tendenzen, sowie einem Hauch an Anarcho-Neo-Jazz.

Der Bandname “Rubber Mallet Death Commando” ist natürlich – wie so vieles bei Jonathan Frakes – frei erfunden und die Genrekategorisierung überspitzt – aber trotzdem: Liebe Label-Promoheinzis, nehmt uns Journalisten – eigentlich selbst verhinderte und daher ein bisschen eingeschnappte Musiker, die statt mit dem Instrument nur mit ihrer spitzen Feder umzugehen wissen – nicht auch noch unser täglich Brot und schreibt an unserer statt eure Rezensionen selbst! Wo sind die kurzen, bündigen Genrebezeichnungen geblieben, die simpel, aber effektiv eine Erwartungshaltung bedienten? Eben wie “Heavy Metal”. Oder: “Hardcore”.

“Ich liebe dich!” auf Polnisch

Die Ursprünge des Begriffes “Hardcore” liegen, wenn wir Vic Bondi, Sänger der Chicago Punker Articles Of Faith Gehör schenken, im Vietnamkrieg begraben:

Die amerikanischen Soldaten hatten ein Ritual: Wenn ein Soldat neu nach Vietnam kam, nannte man ihn “a cherry”. Worum es ging, war, ihn “Hardcore zu machen”. Das bedeutete, er sollte töten können ohne mit der Wimper zu zucken. Du warst also Hardcore, wenn du morden konntest, ohne zu zögern.

Eine musikalische Transformation dieses Begriffes fand angeblich 1981 statt, als die Kanadier D.O.A. ihr zweites Album “Hardcore ’81” tauften. Rund um die Zeit herum wurde auch eine gemeinsame Tour der beiden britischen Bands UK Subs und Anti-Nowhere League (Ja, die, die von Metallica gecovert wurden.) mit dem selben Begriff beworben. Wer nun tatsächlich der Initiator für die neue Genrebezeichnung war, ist im Grunde auch herzlich wurscht – Tatsache ist: Wer sich eine stahlharte Vietnam-Kampfmaschine vor Augen führt und sich vorstellt, dieser John Rambo mache Musik anstatt Feuersalven, der muss einfach ein buntes Potpourri aus Biohazard, Agnostic Front, Madball, Sick Of It All und Terror im Ohr haben. Das ist so sicher, wie dass blaues Licht blau leuchtet.

Ein vom Hardcore beeinflusster Stil – neben Crust, Sludge und Grindcore – ist unter anderem der Metalcore, der in Anspielung auf die New Wave of British Heavy Metal (u.a. Diamond Head, ja, die, die von Metallica gecovert wurden.) auch oft als New Wave of American Heavy Metal bezeichnet wird. Ääääh … hä? Vereinfacht: Metalcore ist Nu Metal ohne Hip-Hop, also das, was man früher als “Crossover” bezeichnet hätte. Metalcore-Bands sind musikalisch dem Metal näher, während sie ideologisch zumeist der Hardcore-Szene entsprechen – also galoppierendes Riffing mit vielen Breakdowns und sorgenvollen Gedanken rund um die Zeitgeist-Probleme der Sozietät. Oder, noch vereinfachter für die Mütter und Großmütter, die mitlesen: Metalcore, das ist wie die Beatles oder Elvis Presley, nur schneller, lauter, härter, angepisster – hier klingen selbst die Liebesballaden wie ein mittelböses Sexualdelikt, so wie Donald “Nuke ’em all” Trump beim zaghaften Schäkern oder “Ich liebe dich!” auf Polnisch.

Liebe mit Gleitgel

Zwei der wichtigsten Vertreter dieses Genres schicken sich an, gemeinsam am 8. Dezember in der Wiener Arena die friedlich flatternden Schmetterlinge im Bauch zu einem Circle Pit anzustacheln, dass selbst Hurrikan Katrina dagegen vielleicht ein laues Darmlüftchen war – mehr nicht: Die Deutschen Caliban und Suicide Silence aus Kalifornien.

Erste veröffentlichten kurz vorm Sommer ihr 10. Studioalbum “Gravity” via Century Media und während viele Kollegen wie As I Lay Dying den Hut zogen oder andere sich mit gespreizten Schenkeln bäuchlings dem Mainstream hingaben, liefern die Herren aus Nordrhein-Westfalen ein geschicktes Potpourri aus roher Gewalt mit großen Refrains, ja, bereits das Coverartwork vermittelt die düster-rohe Stimmung, in der sich die neuen Tracks (u.a. “Hurricane”, “Inferno”) gewanden. Gerade “Paralyzed” überschlägt sich anfangs fast vor Wut, bevor ein geschickter Hook die Stimmung lockert – und genau in diesem Wechselspiel changieren Caliban gekonnt, facettenreich, mit zahlreichen schwerfälligen Breakdowns, aber auch einem Hauch an Zucker. Immerhin ist nicht das ganze Leben scheiße, und Caliban konterkarieren Flauschewolken stets in angemessenen Maße mit aufheulendem Sturm – so funktioniert harte Liebe mit Gleitgel.

https://www.youtube.com/watch?v=xk6zL8597dw

Suicide Silence hingegen halten noch ein bisschen hin. Nach ihrem Labelwechsel von Century Media zu Nuclear Blast und ihrem letzten Album – nach dem Tod von Mitch Lucker programmatisch mit “You Can’t Stop Me” (2014) betitelt – müssen wir uns noch bis 2017 gedulden, bevor sie bei der Halbzeit ihres runden Geburtstages stehen: Ihr fünftes Album “Suicide Silence” wird im Februar und erneut via Nuclear Blast erscheinen. Über selbiges verrät Gitarrist Mark Heylmun im O-Ton:

It’s the raw, live, everything is us. It’s not gonna be full of computer trickery. It’s not gonna sound like all the Pro Tools ninjas and Logic ninjas. We got real microphones on real drums and real amps with real performances, real takes, real fucking everything. The record’s gonna be natural and raw and fucking pissed. It’s gonna be exactly what music needs, which is some fucking heart. Some fucking blood. Some real fucking ‘give-a-shit’ passion put down onto moments in time. I mean, we recorded with tape on this record. There’s real music, it’s not samples and a bunch of fucking bullshit like Auto-Tune or whatever the fuck. We just went for it, for a record that speaks for us and really exemplifies where we’re at as a band. It’s gonna be something else for people to witness. Like a car accident they can’t keep their eyes off of.

Fuck the fucking fuckers! Dies klingt mehr und mehr nach “Deathcore”, der – Ihr seht wo dieser Scheiß mit den Subsubsub-Genres hinführt! – extremeren Spielrichtung des Metalcore: Wo die Altvorderen am klassischen Heavy Metal anschlossen, liebäugeln Bands wie Heaven Shall Burn, Animosity, Despised Icon oder eben Suicide Silence mit dem fauchenden Grollen, dem ungebändigten Geifer des Death Metals. Aber gut, ohne dem Tod wär bei all der Liebe, von der bereits geschrieben wurde, rasch der Zenit erreicht und der Planet Erde würde noch mehr aus allen Nähten platzen als ohnehin schon. Die Eigeneinschätzung Heylmuns lässt jedenfalls vermuten, dass Suicide Silence den Weg, den sie mit “Cease To Exist” von ihrem Letztling eingeschlagen haben, weiter ausbauen werden. Und ganz ehrlich: Pinch-Harmonics, Doublebass, Breakdowns und Kreischekstasen sind nicht nur im Bett verdammt sexy: Hardcore to the core quasi.

https://www.youtube.com/watch?v=3ehCh4WNivQ

Der Autor dieser Zeilen kann übrigens ohne Käse nicht leben, tut selbiges (also: leben) in einer platonisch-polytheistischen Beziehung mit Freddy Krueger, Stephen King und Albert Fish und hört mit Begeisterung das breite Spektrum zwischen William Shatner Covers und Cyberporngrind. Und meine Schubladen sind penibel eingeräumt und sortiert.

 

Wir verlosen zwei mal zwei Tickets für Caliban & Suicide Silence inklusive Meet&Greet mit beiden Bands am 8. Dezember in der Wiener Arena!

 

Sie möchten an unserer Verlosung teilnehmen? Dann schreiben Sie uns einfach eine Postkarte (!ticket, Heumühlgasse 11, A-1040 Wien), füllen das untstehende Formular aus oder senden eine E-Mail an gewinn@ticketmagazin.com. Einsendeschluss ist am 4. Dezember! Die Verlosung erfolgt unter Ausschluss des Rechtsweges. Die Teilnahme am Gewinnspiel ist nicht an den Erwerb des Magazins gebunden. Eine Weitergabe der Daten an Dritte erfolgt nicht. Eine Barablöse des Gewinnes ist nicht möglich. Mitarbeiter der CTS Eventim Austria GmbH sind von der Teilnahme ausgeschlossen. Bitte notieren Sie im Feld „Wunschgewinn“ den Betreff „Suicide Silence”!

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