Gewinnspiel für Napalm Death & Cattle Decapitation

Napalm Death

Wir verlosen für das Konzert von Napalm Death und Cattle Decapitation in der Arena 2×2 Karten!

Napalm_Death

Im letzten Spätherbst hielt die einzig logische Fortsetzung der Grindcrusher-Tour (1989 mit Morbid Angel, Carcass, Bolt Thrower und Napalm Death) in der Wiener Simm-City Einzug: Den bluttriefenden Banner mit den Lettern „Deathcrusher“ vorantragend, pflügten mit Carcass und Napalm Death gleich zwei der zuvorgenannten Todesbringer durch die Betonbotanik des 11. Wiener Gemeindebezirks, sodass im Anschluss weder ein Gänseblümchen, noch der Maxl aus dem Gemeindebau mehr stand – wobei beim Wiener Original lag es wohl eher an der Kiste Bier, die er zuvor mit überdeutlicher Schlagseite fröhlich-vergnügt lallend in einem zugigen Hauseingang leerte. Mit im Gepäck – das sei der Vollständigkeit halber erwähnt – waren bei jener Tour auch Obituary (Florida) und Voivod (Kanada) mit dabei, und sorgten mit Inbrust und Elan dafür, dass die (damals) noch jungfräuliche Location auch für Brachialmusik eingeweiht wurde. „Pardauz!“ war man hierauf versucht verzückt zu verlautbaren, die Halle mit dem Scharm einer Schwimmbadumkleide hält dies durchaus aus!

 

 

Eine dieser Urgewalten verschlägt es wieder nach Wien – Napalm Death, im Gepäck nicht nur der überbordende, starke Katalog von „Scum“ über „Harmony Corruption“ bis hin zu „Enemy Of The Music Business“, sondern auch ihr brachiales Letztwerk, den „Apex Predator“. Dabei ist ihr fünfzehntes Studioalbum nicht nur ein orgiastisches Geschmettere, sondern freilich wieder ein Album mit inhaltlichem Tiefgang. Wir unterhielten uns mit Barney Greenway, Sänger und Texter der Birminghamer:

Bands wie Metallica oder Megadeth waren anfangs sehr rebellisch, mit dem Erfolg hat sich das aber geändert. Ich finde es sehr erfrischend, dass das bei euch nicht der Fall ist.

Unsere Aufsässigkeit ist nichts auf dem Reißbrett Entworfenes, nichts Kalkuliertes, sondern ist ein naturgegebenes Gefühl. Die Rebellion kommt von dir als Person – dort wird entschieden, wie du tickst und auf bestimmte Sachen reagierst. Du kannst sowas nicht planen, du bist es oder bist es nicht – und in unserem Fall ist es gleich ein ganzes Kollektiv, das ähnlich denkt. Andere Bands verkaufen heute sicher mehr Alben wie wir, aber ihre Perspektiven haben sich über die Jahre auch geändert. Jeder, wie er will.

Wie wichtig ist dir die Botschaft der Texte neben der Musik?

Das Wort „Botschaft“ geht mir zu wenig weit, es ist einfach die Art und Weise, wie wir unser Leben leben. Es geht um die Menschheit an sich, das geht weit über eine Botschaft hinaus. Eine Botschaft klingt oft so, als ob sie nur den Sound verstärken soll und austauschbar ist, aber das ist in unserem Fall nicht richtig.

Es gibt aber auch Leute, die sich darüber beklagen, dass ihre eure Inhalte von der Bühne predigen würdet.

Wie kannst du das vermeiden? Das ist die Sichtweise dieser Leute, dagegen können wir auch nichts machen. Sie haben ihr gutes Recht dazu, aber sie könnten sich auch genauer mit unseren Texten auseinandersetzen, darüber nachdenken. Als Sänger bist du in der Situation, dass du entweder etwas zu sagen hast oder eben nicht. Wie entscheidest du dich? Alles, was ich in meiner Funktion in dieser Band je gemacht habe, war, die Leute zu informieren und mit Ideen aufzuwarten – das war’s auch schon. Die Leute werden heute schon so erzogen, dass sie über gewisse Themenkomplexe nicht mehr nachdenken und sprechen sollen. Das könnte ja ein Nachteil sein – aber warum? Du bist ein verdammter Mensch und diese Welt ist nur das Spiegelbild davon, wie alles läuft. Willst du dein Leben wirklich mit einem Tunnelblick verbringen? Ich glaube nicht. Lass uns lieber wachsam sein.

In aller Munde ist zurzeit auch die US-Death-Metal-Band Cattle Decapitation, die sich sehr stark auf sozialkritische, ökologische und politische Themen besinnt. Ist es wichtig, dass Extreme-Metal-Bands wichtige Themen und einen Inhalt haben?

Es ist weder wichtig, noch unwichtig. Jeder hat seine eigenen Beweggründe, warum er sich in diese oder jene Richtung bewegt und mir steht es nicht zu, zu urteilen, ob etwas wichtiger ist als das andere. Das wäre dämlich.

Anders gefragt – hörst du dir lieber Texte von Cattle Decapitation an, oder solche wie die von Cannibal Corpse, die vor brutalen Metal-Klischees nur so triefen?

Gute Frage. Auch das sind zwei ganz verschiedene Dinge. Cannibal Corpse zu hören ist so, als ob du einen Horrorfilm siehst. Es mag manchmal grauslich und ekelhaft sein, aber du weißt, es ist nicht echt. Andererseits ist es natürlich großartig, wenn Cattle Decapitation sich um relevante, realistische Themen kümmern. Ich tue mir aber schwer damit, die beiden Bands in einen Topf zu werfen, dafür ist mir das alles zu unterschiedlich. Jede Band hat seine Vor- und Nachteile. Cattle Decapitation machen sich wahrscheinlich mehr Gedanken über die Lyrics, aber vergleichen kannst du die Bands trotzdem nicht.

 

 

Und eben jene Cattle Decapitation sind am 25. Juli auch mit dabei, und werden gemeinsam mit Napalm Death wohl die Wiener Arena wieder ihrer eigentlichen Aufgabe zuführen, nämlich als Schlachthaus! Mit im Gepäck haben jene, die zuletzt im Frühjahr den Wiener Viper Room „renovierten“ (was auch dringend nötig war – seien wir einmal ehrlich!), mit „The Anthropocene Extinction“ ihr aktuelles, siebentes Album, welches das Quartett aus San Diego von seiner bisher besten Seite zeigt – selbst eingedenk ihrer frühen Machtwerke wie „To Serve Man“ und „Humanure“! Die Band hat ihr ureigenes Gebräu aus gehaltvollen Lyrics, einem nachdenkenswürdigen Konzept, viehischen Blastattacken, einzigartigen Vocalspuren und einem bis ins letzte Detail durchdachten Artwork hierauf fast zur Perfektion getrieben. Melodie paart sich gekonnt mit Brachialgewalt, die in ihrer Symbiose die Verzweiflung ob ökologischer Katastrophen, die das Album thematisch durchziehen, perfekt verbildlicht. Dabei lässt „Ave Exitium“ zumindest noch aufs Jenseits hoffen – dann, wenn man sich vom intensiv-düsternen Soundkomplex ohnehin schon geplättet am Boden ringelt. Dieses Meisterwerk nahmen wir zum Anlass, mit Gitarrist Josh Elmore im Rahmen ihres hierzulande bisher letzten Konzerts im Kellergewölbe der Landstraße (mit Suffocation als Headliner) zu plaudern:

Die meisten Death-Metal-Bands singen über Gore, Blut, Titten und vielleicht auch mal über Satan. Bei euch dreht sich alles um Umweltprobleme, Tierrechte und wie die Menschen die Natur und den Planeten zerstören. Habt ihr als Band einen Bildungsauftrag?

Ach, die Leute sollen das nehmen, wie sie wollen. Wenn sie die Texte mögen ist das schön, wenn sie nur die Musik mögen und meinen, der Rest wäre ein Haufen Scheiße, ist das aber auch okay. Wir wollen einfach nur Informationen liefern, das ist alles. Es gibt aber auch in unserer Form von Death Metal viel Gewalt und Gore, nur eben anders verpackt. Ich hasse es, das Wort „Botschaft“ zu verwenden, aber im Prinzip haben wir einfach immer eine solche.

Kannst du Inhalt und Persönlichkeit voneinander trennen? Ist es zum Beispiel möglich, Mortification zu hören und gegen das Christentum zu sein, oder als überzeugter Linksradikaler die Musik von Burzum gut zu finden?

Och, das geht sicher gut. Vor allem in den Staaten gibt es verdammt viele Menschen, die den Mensch dahinter nicht unbedingt okay finden, aber die Musik von Burzum lieben. Es ist wahrscheinlich auch in Europa so, aber in den USA ist es auch eine Art von Fashion. Das ist zu einer Art Trend geworden, ein bestimmtes Metalshirt aus Modegründen anzuziehen. Das sind so Trends von Leuten, die auch mit Deafheaven- oder Liturgy-Leibchen durch die Gegend laufen, diese Dinge im Jahr darauf aber wieder im Schrank verstauben lassen.

Verärgert es dich eigentlich, dass es sich bei jedem Interview das Thema Veganismus/Vegetarismus zur Sprache kommt, obwohl nur die ersten beiden Alben diese Thematik ausschließlich behandelten? Wird euch diese Schubladisierung manchmal zu viel?

In erster Linie wir sind eine Band, die aus Musikern besteht, das ist der Hauptpunkt. Bei den ersten Alben war das noch schlimmer, da sah man uns fast als so etwas wie Kreuzritter für die Sache. 1999 gab es auf der EP „Human Jerky“ einen Song namens „Veal And The Cult Of Torture“, der sowohl musikalisch als auch lyrisch ziemlich am Gaspedal stand, aber über die Jahre haben wir uns natürlich in allen Bereichen entwickelt. Wir sind mehr in Richtung Menschheitsfragen samt all den Subthemen gegangen und die Tierrechte waren irgendwann eben nur mehr eine Facette unserer Themenpalette. Gerade mit den letzten paar Alben kann man uns auch nicht mehr einfach in eine bestimmte thematische Ecke drängen. Mich ärgert das nicht, es ist einfach da. Die Lyrics sind einfach so viel mehr als viele Menschen glauben. Ich würde es hassen, würden wir nur Stereotype abklappern und einzelne Aspekte abdecken.

Es ist aber doch oft ein schmaler Grat zwischen dem Bewusstmachen und Aufwecken bezüglich aktueller Probleme hin zum bloßen Predigen eurer Botschaften.

Ja, mit der Kritik, dass man uns das Predigen anlastet, mussten wir schon des Öfteren umgehen. Die Leute blicken aber zu selten dahinter, sie befassen sich dann nicht mit den Texten, sondern sehen das Cover, lesen ein durchschnittlich gutes Interview und bezichtigen uns dann des Predigens. Die Fragen in Interviews drehen sich hauptsächlich um das Konzept hinter einer Platte, die Inhalte, und wie das Cover-Artwork da mitspielt. Zum Anfang unserer Karriere bekamen wir E-Mail-Interviews mit 18 Fragen und Unterfragen über den konzeptionellen Inhalt der Platte und dazu passende Themen darüber hinaus. Irgendwann haben wir einfach beschlossen, diese Fragen nicht mehr oder nur kurz zu beantworten. Das lag aber nicht daran, dass wir das aus Trotz nicht machen wollten, sondern dass die Fragen soweit über die Musik und das Album hinausgingen, das s ich mich nicht mehr damit identifizieren konnte. Ich fühlte einfach, dass es falsch wäre, zu bestimmten Dingen einen Kommentar abzugeben.

Eure Musik ist ziemlich komplex – verändert ihr live die Arrangements vom Album? Spielt ihr die Songs anders als im Studio?

In meiner Funktion als Gitarrist gibt es gewisse Schichten, die leicht verändert wiedergegeben werden. Es gibt natürlich markante Parts, die auch auf dem Album hervorstechen und die man nicht wirklich verändern kann, aber ansonsten experimentiere ich schon hie und da. Travis versucht, seine Stimme exakt so einzusetzen, wie auf dem Album. Von ihm sind 95 Prozent so wie im Studio, aber du kriegst es sowieso nie ganz hin. Wenn wir zwischendurch Ambient-Passagen haben, kommen die live vom Band, aber das ist nur selten der Fall. Der Hörer soll einfach das Feeling kriegen, das er auch hat, wenn er das Album einlegt.

Cattle Decapitation ist nun exakt 20 Jahre alt, du bist seit 15 Jahren an Bord. Wie viel von den „frühen Cattle“ stecken noch in der Band der Gegenwart?

Musikalisch versuchen wir immer noch mit derselben Intensität an die Sache heranzugehen, allerdings sind wir in unserem Sound natürlich vielseitiger geworden. Es gab auch einige Line-Up-Wechsel und Travis hatte immer eine genaue Vorstellung davon, wie die Band funktionieren sollte. Lyrisch setzt Travis einfach stärker auf größere Gesten und etwas mehr Dramatik (lacht). Es gibt einfach gewisse Vocal-Patterns und auch Textpassagen, die so allumgreifend wirken. Er versucht, hie und da auch neue Ebenen zu erforschen.

Die meisten Metalbands werden von Jahr zu Jahr schlechter, werden überwiegend während alter Glanztaten abgefeiert. Bei euch ist das interessanterweise genau umgekehrt. Was macht ihr denn anders?

Wir fordern uns einfach gerne heraus und pushen uns gegenseitig. Unsere Fähigkeiten verbessern sich natürlich mit jedem Mal Üben und Spielen und wir versuchen, diese neugewonnenen Elemente und Fähigkeiten einfach so gut wie möglich einzubauen. Es muss einfach spannend bleiben, wir könnten niemals immer dasselbe Album schreiben, auch wenn viele Leute das sicher gerne hätten. Als Musiker verzweifelst du aber daran, frische Ideen und neue Elemente sind essenziell. Der Sound verändert sich, aber es gibt auch Grenzen.

 


 

Neben den beiden Hauptacts freuen wir uns auch schon auf die lokalen Anheizer Pray for Pain und Venom Prison aus Wales, die mit Larissa Stupar eine Sängerin in ihrer Besetzung vermelden dürfen. Das wird die Gendermusikpresse von The Gap erfreuen zu hören!

Für diesen Schlachtapparat am 25. Juli in der großen Halle der Wiener Arena verlosen wir 2 x 2 Karten!

 

Einsendeschluss für dieses Gewinnspiel ist der 22. Juli, die Gewinner werden schriftlich per E-Mail benachrichtigt! Die Verlosung erfolgt unter Ausschluss des Rechtsweges. Die Teilnahme am Gewinnspiel ist nicht an den Erwerb des Magazins gebunden. Eine Weitergabe der Daten an Dritte erfolgt nicht. Eine Barablöse des Gewinnes ist nicht möglich. Mitarbeiter der Ticket Express GmbH sind von der Teilnahme ausgeschlossen. Bitte notieren Sie im Feld „Wunschgewinn“ den Betreff „Napalm Death“!

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