Gloria – Neues aus dem Norden

Seit einigen Jahren arbeiten Mark Tavassol und Klaas Heufer-Umlauf schon an ihrem Musikprojekt – 2013 erschien dann das Albumdebüt – gleichnamig zur Band – einfach „GLORIA“. Nachdenklich, eingängig, reiht sich dieses Werk ins Plattenregal irgendwo zwischen Clueso und Udo Lindenberg ein. !ticket plauderte ein bisschen mit den Glorreichen Zwei:

 

Man liest immer wieder, dass eure Band eigentlich ein Hobbyprojekt war. Wie habt ihr euch dazu entschieden, eure Musik auch einem Publikum zu präsentieren?

Mark: Wir waren gemeinsam auf Winterurlaub, mit mehreren Leuten, ein kleiner Hamburger Freundeskreis, der Skifahren war – allerdings nicht wie sonst immer in Österreich, sondern in der Schweiz. Ich weiß nicht, wie das kommen konnte (lacht). Wir haben dort dann unsere MP3s mal zusammengewürfelt, die Ideen die wir so hatten und später zu Hause weitergemacht und festgestellt, dass wir die ersten Ideen eigentlich schon wieder verloren haben – da ist eine alte Festplatte kaputt gegangen, man hatte ein neues Handy … bla. Da fiel relativ bald die Entscheidung, dass wir entweder einen Archivar einstellen, was aber relativ teuer ist, oder wir machen eine richtige Schallplatte.

Klaas: Letztendlich aus Konservierungsgründen und auch um sich den Spaß zu erhalten, den wir daran haben. Man kann natürlich eine gewisse Zeit lang ewig weitermachen, weil es ja immer Spaß macht, aber man kann die neue Phase nicht ewig ignorieren und wir haben uns dann entschlossen, einen Schritt weiter zu gehen, um das ganze Ding auch in unserem Kopf frisch zu halten. Dann kam erst die Idee mit der Platte. Interessanterweise haben wir das jahrelang gar nicht zum Thema gemacht, es war einfach selbstverständlich Musik zu machen und damit war’s auch gut.

 

Wie inspiriert ihr euch gegenseitig? Wie lernt ihr voneinander?

Klaas: Ich lerne und profitiere wahrscheinlich, was klassische Musikproduktion angeht, von Mark.
Er hat ja schon viele Platten produziert, von A bis Z und kann mir einen gewissen Vorausblick darauf geben, was auch in der Evolution eines Songs sehr wichtig ist. Wie man von dem nackten Gerüst zum tatsächlichen Song kommt, dass man manchmal auch geduldig sein muss. Als jemand, der das noch nicht so direkt erlebt hat, will man am Anfang einfach sofort alles davon, man hat das Gefühl es muss schon alles im Demo drin sein. Es gibt dann Phasen, wo immer wieder etwas Neues dazukommt, was man dann als den Faktor X bezeichnet.

Mark: Aber letztendlich, beim Songwriting ist diese „Asymmetrie“ dann schon wieder aufgehoben, weil, wenn wir schreiben, dann sind wir beide erstmals ziemlich dickköpfig und drängeln mit unserer Idee. Aber dennoch haben wir den Anstand, die Idee des anderen dann doch immer zu Ende zu hören. Wir haben uns als Team ziemlich gut eingerenkt und haben eine Art von eigener Sprache entwickelt. Das ist mittlerweile das Bemerkenswerteste. Bei Klaas hat das natürlich auch schon einen professionellen Charakter, er macht ja nicht erst seit zwei Tagen Musik. Die eigene Sprachentwicklung war auf jeden Fall wichtig. Wir haben festgestellt, dass wir oft aneinander vorbei reden – gerade wenn es um inhaltliche Dinge geht, oder man darüber redet, welches Gefühl ein Text auslösen soll. Es ist schön, dass man sich so etwas wie ein Arbeitshaus geschaffen hat – vom Schornstein bis zur Tür …

Klaas: Manchmal wackeln die Wände, aber man kriegt sich dann wieder ein.

Mark: Nachts fliegen dann die Fetzen … (lacht)

 

Zur Sprache Deutsch – war es von Anfang an klar, dass ihr in eurer Sprache singen werdet?

Klaas: Ja, das war überhaupt kein Thema. Ich würde mich niemals trauen in einer anderen Sprache, als meiner Muttersprache zu texten. Man kann so viele kleine akzentuierte Nuancen, wann z.B. ein Wort eine falsche Atmosphäre kreiert, gar nicht beurteilen. Ich spreche gut Englisch, aber das ist eben nicht die Sprache, mit der ich groß geworden bin. Sich abzusetzen, oder auch eine Eigenheit zu erschaffen, mit einer Sprache, die man in der Schule gelernt hat … ich hab das Gefühl, dass man das gar nicht erreichen kann. Eine bestimmte Intimität würde mir hier immer fern sein. Was natürlich nicht heißt, dass ich englischsprachige Musik nicht gerne höre, aber dann eben von Leuten, die mit der Sprache umgehen können, weil sie in dieser träumen und denken und alles machen.

 

Zur Länge eurer Songs – verhält es sich hier: „Je länger, desto gut“?

Klaas: (lacht) Manchmal nicht …

Mark: Frag mal eine Punkband! Ich habe vor ein paar Jahren Bad Religion gesehen, auf einem Festival, wo wir auch mit Wir sind Helden waren. Das ist immer schön bei Festivals, dass man da manchmal legendären Bands auch vom Bühnenrand zusehen kann. Da habe ich die Setlist vom Drummer gesehen – das waren drei A4-Zettel. Und trotzdem haben sie nur eine dreiviertel Stunde gespielt, die Songs sind halt einfach nur zwei Minuten lang, oder 1:30. Da passt das gut. Und wenn du einen Radiomoderator fragst, der schlägt die Hände über dem Kopf zusammen, wenn du über 3:45 hast. Wir haben bei uns zwei längere Songs, irgendwie liegt das dann auch in der Natur der Popmusik, dass man eine Songlänge erwischt, ohne sich groß vorher darüber einen Kopf gemacht zu haben. Bemerkenswert bei unserem Album ist, dass wir mit 39 Minuten eine Minute unter dem Plattenvertrag geblieben sind und trotzdem haben sich alle geeinigt auf eine Veröffentlichung (lacht).

 

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Werden eure Songs für das Radio dann auch gekürzt?

Mark: „Eigenes Berlin“, klar, das ist ein Song, den kann man so beim Radio nicht abgeben, weil sie ihn dann auf ihre Art kürzen, mit einem Fader. Da mach ich das lieber selbst und versuche das so zu drehen, dass man zumindest das Gefühl hat, das relevante zu transportieren. Interessanterweise bin ich dazu übergangen, bei der Produktion einer Platte dann nicht zu sehr darauf zu achten, wie lang die Songs sind und sich lieber nachher die Arbeit zu machen. Ich finde, es gibt nichts Schlimmeres, als eine Platte, die voll ist mit Songs und du hörst 11 von 12 Songs an, dass die Leute versucht haben, die radiomäßig zu machen. Bei ein oder zwei hat es dann funktioniert und der Rest ist dann so halb verreckt auf dem Weg dahin, ein Radiosong zu sein. Das darf auf einer Platte eigentlich nicht sein. Es sollte ein paar Singles geben, aber eine Platte soll alles können.

 

Rohrschachtest – was seht ihr?

 

Rohrschach

Klaas: Eine Schildkröte.

Mark: Das ist der Crazy Frog, mit einem winzigen Pimmel.

Klaas: Stimmt, könnte auch ein Frosch sein. Mit Flügeln.

Mark: Mit zwei Seejungfrauen …

Klaas: Ne, Seepferdchen …

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