Gloria sind “immer noch da”

Am 13. Oktober erschien mit “DA” das dritte Album von Gloria, der Band von Klaas Heufer-Umlauf und Mark Tavassol. Im Jänner gastiert das Duo dann auch in Wien.

GLORIA by Peter KaadenWenn sich Klaas Heufer-Umlauf sich nicht gerade über einen Wasserfall treiben lässt oder im „Duell um die Welt“ aus einem Heißluftballon fällt, macht er Musik: Gemeinsam mit Mark Tavassol von Wir sind Helden entstehen kritische Texte eingebettet in Gitarrenpop mit Synthie-Anleihen. So auch auf dem dritten Album der gemeinsamen Band Gloria, das Mitte Oktober erschienen ist. Es zeigt das ernstere, brutal gesellschaftskritische Gesicht des Comedians, der mit der österreichischen Moderatorin Doris Golpashin und dem gemeinsamen Kind in Berlin lebt, und nach dem Aus des wöchentlichen Comedy-Krachers „Circus HalliGalli“ an einem neuen TV-Format bastelt. Die erste Geige spielt in diesen Tagen allerdings Gloria.

„Da“ ist von den Themen und Texten her auf keinen Fall ein einfaches Album …

Klaas: Es war auch nicht der Plan, ein einfaches Album zu machen, sondern das, was wir unter guter Musik verstehen. Wir nehmen gerne in Kauf, dass es nicht so einfach zugänglich ist wie ein Pop-Album. Das ist unsere Art, Musik zu machen. Anders können wir es nicht.

Seid ihr, angelehnt an den Titelsong „Immer noch da“, im persönlichen Umfeld mit Rechtsextremismus konfrontiert?

Klaas: Im direkten Umfeld nicht. Das wäre absurd wenn man Freunde hätte, die so denken. Aber in den Medien … Es berührt einem schon in der eigenen Filterblase.

Mark: Bei mir gibt’s schon jemanden, der weit rechts ist. Mein erster Reflex ist aber nicht, dass ich jemanden, den ich von früher kenne, einfach blockiere oder sperre. Ich hab’ einen entfernten Verwandten zum Beispiel, der ist sichtlich in der Hooligan-Neonazi-Szene, aber auch Familienvater. Da ist interessant zu sehen, was am anderen Ende der Filterblase so los ist. Es gibt viele Leute, die gar nicht offensichtlich rechtsradikal sind, wo aber aus der politischen Mitte heraus das unausgesprochene, subtile Antisemitische mitschwingt.

Gibt es da schon manchmal einschlägige Anfeindungen, etwa auf Facebook?

Mark: Zum Glück nicht. Es kann sein, dass es solche Kommentare gibt, vielleicht bei Klaas oder seiner TV-Plattform. Aber wir haben so eine Konfrontation, solche Angriffe noch nicht erlebt.

Klaas: Ich kenne das schon. Man muss ja heute schon froh sein, wenn man nicht direkt vom Computer beleidigt wird.

Woher kommen die sozialkritischen und politischen Themen und Texte? Sind sie aus dem Leben gegriffen oder dürfen auch mal fiktiv sein?

Klaas: Das sind so Konzentrate von dem, worüber wir uns so unterhalten. Wir haben festgestellt, dass Texte zu gesellschaftlichen oder auch politischen Themen schneller zu einem Song werden als persönliche. Bei persönlicheren Themen geht es aber auch nicht immer um uns, es sind zwischenmenschliche Dinge, die wir beschreiben. Gesellschaftliche Dinge liegen uns aber sichtlich schwerer im Magen und werden dementsprechend häufiger besprochen und geben schnell mal einen Anlass, einen Text zu schreiben.

Ein Zitat aus dem Lied „Narben“ ist „Danke für die Zeit“. Wie kostbar ist eigentlich eure Zeit bei all den Jobs und Projekten?

Mark: Zeit ist kostbar, aber das ist ja keine sensationelle Neuigkeit. Das wird einem aber erst durch das Leben bewusst, auch, wie schnell ein Jahr vergeht. Man empfindet das manchmal als Bedrohung. Aber in „Narben“ geht es ja darum, dass wir nicht das klassische Carpe Diem sagen, das ist gar nicht die Intention des Songs. Es geht um eine Hommage an Begegnungen mit Menschen, die heute nicht mehr für uns wichtig sind. Man sollte nicht sagen, dass nur nachhaltige Freundschaften auch wichtige Freundschaften sind.

Der Sound erinnert ein bisschen an NDW. War das beabsichtigt?

Mark: Das ist wahrscheinlich richtig, du meinst die Synthesizer. Der NDW sind wir immer wieder begegnet, aber das muss nicht zwangsläufig ein NDW-Zitat sein. Wenn eine Gitarrenband mehr oder weniger beginnt auf Synthesizer zurückzugreifen, ist das mal aus reiner Lust und reiner Neugier. Dabei denke ich nicht an NDW.

Auf der anderen Seite gibt es geniale Gitarren.

Mark: Ja, hoffentlich! Man kann Gitarre einfach pur spielen, oder sich drei Tage darüber den Kopf zerbrechen. Zu letzterem tendiere ich dann eher. Auf der Platte versuche ich, anders als auf den beiden davor, mit einer einzelnen Gitarre mehr zu sagen als mit mehreren. Ich habe versucht, es nicht zu kompliziert zu machen.

Ihr habt beide auch gut mit anderen Dingen zu tun. Darf Gloria dann gar nicht zu groß werden?

Mark: Da unterscheiden wir uns, da ich die Band produziere und vieles organisiere. Deshalb gibt es Zeiten, in denen ich Gloria nicht nebenbei mache, sondern es meinen Terminkalender füllt. Das sind Zeiten, in denen Klaas schon mal entspannter ist. Auf der anderen Seite haben wir Phasen, wo wir auf Tour sind, zwei, drei Tage miteinander spielen, danach hat die Band wieder frei. Während ich in den Tagen zwischen Konzerten nichts mache, arbeitet Klaas wieder sehr viel. An Tagen, die man als verlängertes Wochenende bezeichnen würde, sind wir dann wieder mit Touren beschäftigt. In den Pausen geht Klaas wieder seinem TV-Job nach und so hat er eine 8-Tage-Woche. So haben wir immer abwechselnd Augenringe.

Klaas, ich nehme an, die Band ist eine willkommene Abwechslung zu deinem Comedy-Alltag?

Klaas: Nö, die Abwechslung brauch’ ich eigentlich nicht – also dieses Gegengewicht. Ich bin eigentlich ein ausgeglichener Typ. Das wäre auch so, wenn ich nicht die Möglichkeit hätte, Musik zu machen. Aber das macht mir einfach Spaß! Ich glaube nicht, dass ich mein Yin und Yang nicht zusammen hätte wenn es das nicht gebe.

War es eine politische Message eine Grundvoraussetzung, dieses Album zu machen? Also: “Ohne Message kein Album”?

Mark: Ohne Message, kein Album – das ist definitiv wahr. Es gibt Menschen, die können Musik einfach so schreiben und machen am Ende den Text. Das ist etwas, was bei uns überhaupt nicht funktioniert. Wir haben die Message schon fertig, bevor es an die Musik geht, auch wenn das noch keine ausformulierten Texte mit Phrasierung und allem Drum und Dran sind. Das hat sich bei uns über Jahre hinweg entwickelt.

Gibt es bei euch eine Arbeitsteilung, einer macht den Text, der andere die Musik?

Klaas: Diese Arbeitsteilung haben wir auf dem ersten Album fünf Minuten mal probiert, das hat gar nicht funktioniert. Wir haben ja schon davor lange Zeit Musik zusammen gemacht, lange vor einem Album oder einer gemeinsamen Band. Da haben wir gegenseitig so viel hineinrealisiert, dass das gar nicht mehr auseinander zu klamüsern ist. Wir haben beide für beide Komponenten Gefühl und Anspruch, deswegen funktioniert eine Arbeitsteilung nicht so gut. Mit der Zeit haben wir viel ausprobiert. Mittlerweile können wir sowohl gemeinsam, als auch jeder für sich arbeiten. Es kann schon mal sein, dass Mark vier Tage nicht erreichbar ist und dann ruft er an und meint: “Fertig!” Und ich sag’: “Mit was? Ach so, die Sache, die wir angefangen hatten.” Das geht, weil wir die DNA der Band ganz gut verstehen.

Das klingt mehr nach “zusammen Musik zu machen” als Files hin und her zu schicken?

Klaas: Also hin- und herschicken haben wir gar nicht so viel gemacht. Wir haben entweder alleine gearbeitet, oder ich bin nach Hamburg gefahren. Man fährt dann schon mal nur für einen Satz nach Hamburg um den aufzunehmen, das muss man auf sich nehmen. Es ist manchmal schon ein Aufwand, aber das hat sich für uns als richtig erwiesen.

Wird es etwas Neues in der Art von „Circus HalliGalli“ geben?

Klaas: Wir haben lange überlegt, was wir machen sollen, das wir alle gut gebrauchen können. Was passt mir ins Konzept – und natürlich auch Pro7. Wir planen jedenfalls eine erfolgreiche Show, soviel darf ich verraten.

Du engagierst dich im Kampf gegen Leukämie. Weshalb gerade in diesem Bereich?

Klaas: Weil es total einfach ist und die Menschen extrem darauf angewiesen sind. Sich typisieren zu lassen geht schnell und tut auch nicht weh. Das ist nur ein bisschen Spucke abgeben. Es gibt so viele Menschen, die auf eine Knochenmarkspende warten, da ist es umso besser, je mehr sich typisieren lassen.

 

Gloria spielen am 26. Jänner im Wiener Chaya Fuera. Tickets gibt es bei oeticket.com.

Der Beitrag gefällt dir? Jetzt teilen!