Gnadenlos statt atemlos

Seit vier Jahrzehnten zählen Blind Petition national wie international zum fixen Inventar der Rock-Szene. Mit bewegender Geschichte.

 

1974 war in der Rockmusik ein gewaltiges Beben zu spüren, ein Clash der Kulturen: Glam Rock gegen Art Rock. Gary Glitter oder Genesis, eine Glaubensfrage. Hannes „Fusel“ Bartsch war das damals herzlich „blunzn“, befand er sich doch auf einem gänzlich anderen Kontinent, in Wien-Favoriten. Wenn da etwas aufeinanderprallte, dann waren es Bierflaschen, mit denen man sich zuprostete. Und man irgendwann im Suff auf die Idee kam, man könnte gemeinsam nicht nur saufen, sondern auch lärmen – auf Hochdeutsch: „Musik machen“. Das lag vielleicht auch daran, dass den damaligen musikalischen Mainstream weder Glam noch Art bildete, sondern der Disco-Sound.
Vermutlich wurde damals mit George McCraes „Rock Your Baby“ das akustische Unding, „etwas rocke“ (auch wenn es ohrenscheinlich aber so was von nicht rockte) geboren. Ein dämlich-dreister Slogan, der bis heute immer wieder in Wellen wiederkehrt – da rocken wir einmal munter mit glatt gebügeltem Müll irgendeinen Contest oder den Sommer, und das ist ähnlich plausibel, wie sich mit Null Komma Josef ein Damenspitzerl, geschweige denn einen zünftigen Fetzen anzutrinken.

Rockstars from Austria

Gänzlich gegenteilig Fusel, Miki, Schurli und Rob: Die rockten. Als Freunde, zwischen Bergen aus Tschick und Bierflaschen. Blind Petition waren geboren. Und weil sie sich „so aufführten“ wie Rockstars, waren sie auch relativ rasch irgendwo zwischen Drahdiwaberl, Acid und Wiener Wunder sogar ziemlich bekannt. Sich aufzuführen war durchaus Kalkül. Kalkül, das aufging. „Tschingo Bingo“. „Perversum Maximum“, „The Elements Of Rock“. Auftritte mit Motörhead, Iron Maiden oder Black Sabbath.
Vom ersten Konzert im JUZ Grünwaldgasse als Pinkelpausenfüller für eine Partytanzband hinaus auf die großen Bühnen, bis nach Russland vor 50.000 Menschen beim „John Lennon Love And Peace“. Dass zwischen all den Meilensteinen das Besetzungskarussell permanent rotierte, war anscheinend ziemlich wurscht, blieb immerhin die Konstante Fusel – sowohl der menschliche, der Hannes, wie auch der flüssige, der trockenen Kehlen Labsal brachte. Bis heute.

Blind Petition BuchGeschichte wird geschrieben

Am 10. Mai diesen Jahres feierte man mit dem neuen Album „Law & Order“ Jubiläum – und fungiert mit Fusel-Sohn Harald am Schlagzeug und Fusel-Bruder Bertl an der Gitarre beinahe als Familienunternehmen. Wären da nicht noch die Jedleseer Thomas Gehrke (Bass) und David Strohmeier (Gesang, Gitarre), die das Gespann komplettieren und mit dafür sorgen, dass die Geschichte einer der legendärsten Rock-Bands des Landes zumindest noch weitere vierzig Jahre geschrieben werden kann, während die ersten vier Jahrzehnte nun endlich nicht mehr ausschließlich in Form von Mundpropaganda, sondern betitelt mit „Keine Gnade!“ auch in Buchform vorliegen: Ein biografischer Bildungsroman über Hannes „Fusel“ Bartsch, so wie Goethes „Werther“, nur lauter, härter und von Andreas Appel.

 

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