Gutterdämmerung mit Slash, Lemmy, Volbeat, Iggy Pop und mehr!

Gutterdämmerung

Es ist dies neben zahlreichen Konzerten und Festivals das wichtigste Ereignis im kommenden Konzertjahr: Mit „Gutterdämmerung“ premiert endlich die Rockoper mit Slash, Lemmy, Volbeat, Iggy Pop und mehr auch in Österreich!

GutterdämmerungGutterdämmerung ist ein Filmprojekt des belgisch-schwedischen Künstlers und Modefotografen Björn Tagemose. Das Projekt ist eine Kombination aus Schwarzweißfilm, Live-Band und Erzähler. Und ja, die Idee ist wirklich gut: Man nehme eine Handvoll Rockstars und integriere sie in einen Film, in dem sich Himmel und Erde einen erbitterten (teils tödlichen) Kampf um den Fortbestand des Rock´n´Roll liefern – das war schon immer Hauptthema im Universum des musikalischen Armageddons und wird es wohl auch auf ewig bleiben.

Die Konzeption von Gutterdämmerung

Tagemose und seine Ehefrau Katarina Vercammen, die auch den Film produzierte, arbeiteten insgesamt rund fünf Jahre an Entwicklung und Fertigstellung des Projektes. Zunächst zeichnete der Künstler ein Storyboard, mit dem er Henry Rollins als einen der ersten beteiligten Künstler für die Idee gewinnen konnte – David Bowie, Keith Richards und Jimmy Page, der ursprünglich den lieben Gott höchstpersönlich spielen sollte, konnte er für sein Regiedebüt nicht gewinnen. Es folgten jedoch weitere illustre Zusagen von Iggy Pop und Grace Jones. Finanziert wurde das Projekt mit der Hilfe von zwei belgischen Kunstsammlern. Am 12. November 2015 fand eine Vorpremiere in London statt, bei der dem Publikum Ausschnitte des Filmes gezeigt wurden. Die eigentliche Premiere war am 6. Mai 2016 in Berlin.

Bei dem Projekt handelt es sich um einen Schwarzweißfilm mit nur wenigen gesprochenen Szenen. Begleitet wird die Aufführung von einer Live-Band, die bekannte Lieder der Rock-Geschichte spielt, ziemlich plakativ von Black Sabbath, Led Zeppelin, Motörhead, Nirvana und anderen, dass zur letzten Szene „The End“ von The Doors gespielt wird … nun, da hätte man vielleicht einen Tick kreativer sein dürfen. Arrangiert wurden sie von Kevin Armstrong, neben ihm gehören die Musiker der aktuellen Band von Iggy Pop sowie der Sänger Jesse Smith zum Ensemble. In der Tradition des Stummfilms begleitet ein Erzähler den Film. Mit Wagners Oper „Götterdämmerung“ hat der Film eigentlich gar nicht so viel zu tun, auch wenn der Leipziger Komponist in der Berliner Pressekonferenz als Urheber des Gedanken, Musik müsse auch visuell verkauft werden, gepriesen wird. Dazu ist das als Stummfilm angekündigte Produkt gar kein Stummfilm, sondern ein schöner, teilweise herrlich unklar inszenierter Schwarz-Weiß-Streifen mit Geräuschen und sprechenden Charakteren – was die Unterzeile “The loudest silent movie on earth” zwar etwas plakativ wirken lässt, aber gut: Rock’n’Roll braucht Eier, auch wenn sie irgendwo nicht zwangsweise hingehören.

Die Handlung und Darsteller von Gutterdämmerung

Ein gefallener Engel namens Vicious, gespielt von Iggy Pop, der mit Flügeln und schwarzen Augen übrigens hervorragend aussieht, schleudert eine Gitarre zu den Menschen auf der Erde herab. Die fangen an, sich zu streiten und führen am Ende sogar einen Krieg um die Frage, ob der Rock’n’Roll nun eine Sünde sei oder nicht. Lediglich Billy (Tuesday Cross) und Juliette (Olivia Vinall) versuchen unabhängig voneinander, die Gitarre wieder an einen sicheren Ort zu bringen. Zunächst arbeiten sie gegeneinander, müssen dann aber feststellen, dass der eigentliche Gegner diejenigen sind, die mit Hilfe der Gitarre ihre Macht ausbauen wollen. Henry Rollins, gottesfürchtiger Priester, ist erklärter Feind des Rock und brandmarkt jeden, der in der Gitarre ein Symbol für die Freiheit des Menschen sieht. Doch über Leben und Tod darf zum Schluss nur Grace Jones richten, die zwar ohne Augenbrauen, dafür mit gigantischer Sense ausgestattet, zwischen Himmel und Hölle vermittelt.

Zahlreiche Künstler haben mehr oder weniger große Cameo-Auftritte, so mimt Henry Rollins Priester Svengali, Slash einen Dieb und Lemmy Kilmister – naheliegend – einen durchgeknallten General, der in einem Panzer durch die Ödnis brettert (wir haben umgehend Marduk im Ohr). Tom Araya (Slayer) spielt einen brennenden Mann, Jesse Huges einen Kopfgeldjäger, Mark Lanegan einen Totengräber. Grace Jones spielt – wie auch schon dereinst bei James Bond – den ultimativen Gegenspieler, die Afrikanische Göttin der Hölle: so schön wie gefährlich. Volbeat leuchten – ähnlich wie die vier Apokalyptischen Reiter – mit Flammenwerfern den Weg durchs Dunkel, während Josh Homme mit seiner „Death’s Dominion“-Bazooka für Tod und Verderben sorgt, und dabei in Zeitlupe eine Zigarette bis zum Filteransatz runter raucht – mit einer abgefuckten Lässigkeit, die man sonst nur von Clint Eastwood kennt. Ja, und natürlich ist auch Nina Hagen nicht weit … Aber Achtung: Die Gastauftritte geraten mehr oder weniger lang, und oftmals sogar, ohne ein Wort zu sprechen: Insofern stimmt die Nicht-Bezeichnung „Stummfilm“ dann gewissermaßen doch wieder.

Kritik an Gutterdämmerung

Der deutsche Genre-Gigant, das Rock Hard, schreibt dem Film das Potenzial zu, das „Metal-Woodstock unserer Zeit“ zu werden und meint, dass der Film durch den Einsatz der Begleitband, des Erzählers und von Pyrotechnik die Exklusivität einer Live-Erfahrung besitze. Im Stern heißt es, dass eine Metalrock-Oper herausgekommen sei, deren „Heldendichte und Bilderwucht … kräftig bei der Stummfilm-Ästhetik geborgt hat“ – und wer Stummfilme wie „Un Chien Andalou“ (Diese Eröffnungsszene! Auch Inspiration für die Grindcore-Formation Agoraphobic Nosebleed), „Panzerkreuzer Potemkin“ (der u.a. auch von Russkaja neu vertont wurde), „Nosferatu“, „Metropolis“, „Dr. Mabuse“ oder „Das Cabinett des Dr. Caligari“ kennt, weiß ob ihrer Wucht. Für den Metal Hammer – ebenfalls ein Branchen-Riese – ist „Gutterdämmerung“ „apokalyptisch und blutig inszeniert, aber erwartbar“.

Die Welt hingegen kritisiert, dass die Handlung offenbar auf ein Minimum reduziert werden musste, um die große Anzahl von Rock-Legenden logisch in die Geschichte einfügen zu können. Die Auswahl der Begleitmusik sei vorhersehbar und der Kritiker resümiert: „In schlimmen Momenten riecht ‚Gutterdämmerung‘ nach Bier und Männerschweiß. In guten sehen wir eine passable Hommage, die man mit etwas Mühe liebgewinnen kann.“ Wer das jedoch nun tatsächlich negativ auffasst, hat den Rock’n’Roll nicht verstanden: OIDA, ursprünglich geht es um Pyro und Eier. Sinn kann man – wenn man will – immer noch irgendwie hinein interpretieren.

„Gutterdämmerung“ premiert in Österreich am 7. Februar im Wiener Gasometer. Tickets sind bei oeticket.com erhältlich.

 

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