Hartes Pflaster

Eine Gitarre oder ein Akkordeon und einen Hut für freiwillige Spenden – das ist alles, was ein  Straßenmusiker braucht. Denkste! Um Musik auf Österreichs Straßen machen zu dürfen, muss man einiges beachten.

Auf ihn kann man sich eben verlassen. Nur ein paar Schritte, genau gesagt fünf Meter von der U-Bahn-Station „Museumsquartier“ entfernt, sitzt er, den jeder Wiener kennt: der Straßenmusiker mit Akkordeon und Pferdekopf. Nach zermürbenden Shopping-Touren auf der Mariahilfer Straße oder anstrengenden Arbeitstagen wirft man gerne zwei Euro in seinen Hut und gibt seine smarten Stöpsel aus dem Ohr, um der Livemusik des gebürtigen Rumänen zu lauschen. Kein Zweifel: Der Musiker hinter der Pferdemaske ist eine kleine Wiener Berühmtheit.

Dabei haben es Straßenmusiker in Österreich gar nicht so leicht. In den letzten Jahren haben sich die Vorschriften für Künstler auf österreichischen Straßen verschärft. In Wien gibt es zum Beispiel seit 2012 eine neue Verordnung: Seither dürfen Künstler nur zu bestimmten Zeiten an bestimmten Orten spielen. Ähnliches gilt etwa für Graz, Linz oder Steyr.

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„Irgendwann ist die Polizei gekommen“, sagt Gregor Krenker, „Wir hatten keine Genehmigung zum Spielen“. Mit seiner Band Gnackwatschn ist er im Sommer 2013 durch das Land getourt, um das erste Album zu promoten. Als ein Polizist in der Steyrer Innenstadt auf sie zukam und sie wegschickte, wussten die sechs Jungs: Um Straßenmusik zu machen, muss man einiges beachten. In fünf Tagen mit jeweils vier bis fünf Auftritten hat die Band 600 Euro eingenommen. Zahlt sich das aus? „Wir haben unser Album verkauft und einige neue Fans gefunden. Manchmal hatten wir um die 80 Leute um uns stehen“, meint Krenker. „Außerdem bekommt man direkte Reaktionen vom Publikum, die man live nicht hat.“ Auch James Cottriall, der als Straßenmusiker begann, meint: „Straßenmusik war für mich wie die beste Musikschule überhaupt.“

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Kein Platz für Straßenkunst
Dennoch fühlen sich Straßenkünstler immer mehr von den Straßen vertrieben. Im oberösterreichischen Steyr hat man deshalb die Plattform www.fuer-freie-strassenmusik.at gegründet. Auf der Website spricht sich zum Beispiel der Autor Richard Schuberth für die Straßenmusik aus: „Wo es Straßenmusik gibt, gibt es auch noch Menschen. Menschen, die vielleicht stehen bleiben und hinhören – und somit ihre Bestimmung unterbrechen, ihr Smartphone zu bedienen und von der Arbeit in die Shoppingmall oder in den Supermarkt zu geistwandeln.“

 

Verordnungen

Wo und wie lange man auf der Straße spielen darf, ist in Österreich von Stadt zu Stadt verschieden. Hier die wichtigsten Verordnungen im Überblick:

Wien: Hier müssen sich Straßenmusiker nach der „Straßenkunstverordnung aus 2012“ um eine Platzkarte für den nächsten Monat für 6,50 Euro bemühen: Zwei Stunden zwischen 16:00 und 20:00 darf man dabei an höchstens 10 Tagen im Monat spielen, und das nur an bestimmten Orten.

Nur einen Tag pro Woche können Straßenkünstler etwa in der Linzer Fußgängerzone auftreten. Dafür zahlt man 14,30 Euro Gebühr. Bei der ersten Beantragung Instrument mitnehmen! Man muss eine „musikalische Kostprobe“ am Amt abgeben.

Die Stadt Krems orientiert sich seit Beginn des Jahres am Linzer Modell. Nun brauchen Straßenmusiker auch eine Bewilligung.

In Salzburg gilt die „Straßenmusikanten-Verordnung“ von 1983: eine Stunde darf an 7 Plätzen gespielt werden.

In Graz gilt die „Straßenmusikverordnung“ von 2012. Spielzeit ist in der steirischen Hauptstadt von 11:00 bis 14:00 und von 15:00 bis 21:00. Der Spielort muss nach 30 Minuten gewechselt werden und mindestens 100 Meter vom vorigen Ort entfernt sein. Platzkarte braucht man für die Innenstadt und gibt‘s für den jeweiligen Tag am Magistrat Graz abzuholen. Pro Woche werden maximal 3 Karten an den gleichen Künstler vergeben. Sie kosten 3,63 Euro.

Klagenfurter Straßenmusiker haben es schwerer. Zwischen November und Mitte Jänner dürfen sie gar nicht spielen. Die Gebühren für die Spielzeit sind enorm: 35 Euro pro Tag, 55 für zwei Tage.

In Innsbruck ist das Musizieren auf der Straße nicht nur an Sonntagen, sondern ebenfalls während der Weihnachtszeit verboten. Eine Genehmigung für drei Tage kostet 64,30 Euro, maximal 15 Tage darf man im Jahr spielen. In der Maria-Theresien-Straße und der Altstadt ist Straßenmusik ganz verboten.

 

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