He Still Rocks You

Vor fast 23 Jahren starb Freddie Mercury. Doch der Kult um die Queen-Legende lebt bis heute. !ticket hat die größten Fans des Landes besucht.

Bereut hat er es nie. „Warum auch?“, Andreas „Jimmy“ Zloch, Gründer und Leiter des Österreichischen Queen-Fanclubs strahlt übers ganze Gesicht. Er krempelt den Ärmel seines T-Shirts nach oben. In Schwarz auf Haut gemeißelt kommen die Gesichtszüge von Freddie Mercury zum Vorschein: der Schnauzer, der volle Haaransatz, die weit auseinanderliegenden Augen. Durch die Poren der geröteten Haut sieht der Star etwas schielend aus der Wäsche. Für den Fall, man könne Freddie nicht erkennen, hat Jimmy jedoch vorgesorgt:hebt sich in schwarzer Tinte reliefartig empor: Q U E E N

22 Jahre, fast 23, seit dem 24. November 1991: Seither ist die Queen-Legende Freddie Mercury tot. Ein Jahr später ließ sich Jimmy dessen Antlitz quer über den Oberarm tätowieren. Als der im Interview sonst so quirlige Jimmy davon erzählt, verzieht sich seine Miene plötzlich zu einer ernsten Starre: „Freddies Tod war für mich so, als würde mein Vater sterben.“ Man musste ihn von der Arbeit nach Hause schicken, so sehr habe er geplärrt. Rotz und Wasser für den Verlust der einzigartigen Musik, der atemberaubenden Live-Performances, um die Person Mercury.

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Internationaler Kult

So wie dem Wiener ging es vielen. International scharen sich Fans und Freaks einmal jährlich zusammen, um Mercurys Geburtstag zu feiern, unzählige Coverbands (z. B. Queen Extravaganza) versuchen, die Live-Legende wieder aufleben zu lassen. Der Name „Queen“ ist dabei ein unerschöpflicher Goldkessel. Das Konzert von Queen + Adam Lambert im Madison Square Garden war etwa binnen weniger Minuten ausverkauft. Auch das Musical „We Will Rock You“ ist ein internationaler Kassenschlager. Jimmy ist Haustechniker. Als Gründer des österreichischen Queen Fanclubs verdient er nichts. Vielmehr kostet ihn das Fandasein sein halbes Vermögen. Dieses lässt sich gerne in Queen-Form in den königlichen Hallen von Jimmys rund 20 Quadratmeter großem Wohnzimmer nieder: Poster-Raritäten, Regale voller Queen-Alben, DVDs von Live- Auftritten. Außerdem wurden drei Glaskästen als Queen-Altäre erkoren. Die Freddie-Miniaturstatuen darin kosteten 180 Euro, die De-luxe-Boxen sind 3.000 Euro wert. 2001 zog er die letzte Zwischenbilanz: „Eine Million Schilling“. Verkaufen würde er nie etwas. Alles, wo „Queen“ draufsteht, wird gehamstert.

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Von Fans und Freaks

Dabei ist Jimmy noch längst nicht die Spitze des Fanatiker-Eisbergs. Die 200 Mitglieder des Fanclubs – Austrofred ist übrigens Ehrenmitglied – zelebrieren ihren Kult auf ihre eigene Art. Zwei davon sind Franz und Hans aus Tirol. Zu Freddies Todestag erklimmen sie jedes Jahr den Gipfel eines Bergs, hissen dort eine Queen-Flagge und trinken ein Stamperl Wodka zu Ehren des einzig Wahren. Das ist Mercury auch für Andrea. Zumindest was das Optische betrifft. Ihre Männerwahl fällt daher stets auf potenzielle Mercury-Doubles. Und da wäre noch Hermann. Die anderen machen sich Sorgen um ihn: Er wagt sich kaum mehr aus dem Haus, isst nur sporadisch, durchforstet stattdessen das WWW im Minutentakt auf der Suche nach den neuesten Releases. Den klassischen Queen-Fan gibt es laut Jimmy nicht. „Das geht vom Banker bis zum Langzeitarbeitslosen“, verrät er. Musikalisch sind sie jedoch skeptisch, verwöhnt von der Genre-Vielfalt ihrer Lieblinge, aber dennoch offen für neue Stile: als nächstes stehen Fanta4 und One Republic auf dem Programm.

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Freddie Facts

Freddie Mercury wurde als Farrokh Bulsara ganz exotisch in Sansibar geboren. In seinem Pass stand allerdings „Frederick Mercury“.
Der Queen-Frontman liebte seine Hauskatzen und telefonierte sogar mit ihnen während der Touren.
Freddie war schüchtern: So theatralisch seine Auftritte auf der Bühne, so unsicher war er im Umgang mit fremden Menschen.
Das bekannte Queen-Emblem wurde von Freddie designt. Grafiker-Ausbildung sei Dank!
Er ließ sich nie seine vorstehenden Schneidezähne richten. Zu groß war die Angst, dass sich seine Stimme verändern könnte.
No Queen in USA: viele US-Radiostationen spielten Mercury Anfang der 80er nicht. Der Grund: Sein extravagantes Auftreten wurde mit „Homosexualität“ in Verbindung gebracht.
„Bohemian Rhapsody“ war 9 Wochen lang Nummer 1 der UK Single Charts. Bis heute ist das die bestverkaufte Single aller Zeiten nach Band Aids „Do They Know It’s Christmas?“ (1984) und Elton Johns „Candle In The Wind“ (1973/1997)

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