Herbert Pixner hat keine Zeit für Gabalier

Herbert Pixner

!ticket ließ sich im Gespräch mit Herbert Pixner in die Dolomiten entführen, aber auch in die Niederungen der Definition des Heimatbegriffs. Ab Ende Juli ist das Herbert Pixner Projekt dann auf großer Tournee durch Österreich und Deutschland.

Herbert PixnerFür Belanglosigkeit ist in der „alpinen Weltmusik“ des Herbert Pixner und seinen drei Mitmusikern kein Platz, flache Volksmusik-Zitate sind ein No-Go. Inspiriert von den Mythen und der magischen Atmosphäre der Berge hat der gebürtige Südtiroler seine eigene Klangwelt erschaffen und sie in den vergangenen Jahren mit etlichen Alben ausgebaut. Beinahe unbeachtet vom Mainstream hat man sich so eine breite Fan-Base geschaffen, ausverkaufte Konzerte und Gold-Auszeichnungen für Alben sind keine Ausnahme. „Lost Elysion“, das neueste Werk aus der Manufaktur des Herbert Pixner Projekt, bei dem unter anderen seine Schwester Heidi die Harfe zupft und der Ausnahmegitarrist Manuel Randi Kontrapunkte zur Pixners Harmonika setzt, reiht sich nahtlos ein in das bisherige Werk des Multiinstrumentalisten. Es lässt den Zuhörer mit offenen Ohren staunen.

Bei dem ersten Blick auf das Cover verwundert das Meer, der Strand. Ein bewusster Kontrapunkt zum „alpinen“ Sound?

Herbert Pixner: Nein (lacht). Auf dem Cover sieht man die „Drei Zinnen“, das Wahrzeichen der Dolomiten, mitten im Meer. Am besten das ganze Album bewusst anhören oder auf eines unserer Konzerte kommen, dann erschließt sich das Rätsel zu dem Bild.

Du bist auf einem Bergbauernhof aufgewachsen. Ist das noch heute ein Teil der Inspiration?

Herbert Pixner: Ganz gleich, wo man aufwächst – man wird immer von der Umgebung geprägt. Die Inspiration für die Musik hole ich mir von den alltäglichen Erlebnissen und Begegnungen.

Südtirol gilt auch als Land der Fabeln und Fabelwesen. Treiben sich die auch in deiner Musik herum?

Herbert Pixner: Ja. Sagen und Mythen faszinierten mich schon immer. Eine der grausamsten Alpensagen versuchte ich auf dem Album „Quattro“ zu vertonen, die Sage vom „Sennentuntschi“, die ich bei meinem ersten Almsommer 1995 in der Schweiz kennen lernte.

Bisher sind 18 Alben deiner diversen Projekte erschienen, zuletzt eines pro Jahr, wenn man die Live-Alben mitzählt. Woher kommt diese Kreativexplosion?

Herbert Pixner: An der Kreativität scheitert es nicht (lacht). Aufgrund der ausgedehnten Tourneen in den vergangenen Jahren kam ich leider nur beschränkt dazu, alle Ideen umzusetzen.

Woher kommen Ideen für Titel wie „Lost Elysion“ und die Klangwelten, die von Medien als „alpin“ bezeichnet werden? Sind sie denn wirklich „alpin“?

Herbert Pixner: Ob unser Klang alpin ist oder nicht, spielt keine Rolle. Wir haben über die Jahre ein eigenständiges Klangbild kreiert, das einen Wiedererkennungswert hat. Diesen eigenen Stil versuchen wir weiter zu perfektionieren.

Kannst du mit der Schublade „progressive Volksmusik“ etwas anfangen, in die deine Musik gerne gesteckt wird?

Herbert Pixner: Ich nehme Kategorisierungen mittlerweile recht gelassen. Ob nun Weltmusik, progressive Volksmusik oder was auch immer: Es geht doch darum Musik zu spielen und nicht einem Genre zu entsprechen.

Quasi im Verborgenen konntest du diverse Gold-Auszeichnungen verbuchen. Woher kommt dieses große Interesse an „alternativer“ Volksmusik?

Herbert Pixner: Das ist einen schwierige Frage. Unsere Alben haben sich immer gut verkauft. Das hat aber, so glaube ich, weniger mit dem Interesse an alternativer Musik zu tun. Jedenfalls verkauften sich unsere Alben glücklicherweise immer so gut, dass wir uns aus dem Erlös wieder die nächste Aufnahme finanzieren konnten.

Wie geht es dir mit Künstlern wie Andreas Gabalier, die Begriffe wie „Volksmusik“ für sich pachten?

Herbert Pixner: Ich habe keine Zeit, mich mit künstlerisch belangloser Musik zu beschäftigen.

Wie muss man den Begriff „Heimat“ heute definieren, um nicht in ein politisches Eck gestellt zu werden? Gerade in Südtirol ist das ja auch immer wieder ein Thema, die Zugehörigkeit …

Herbert Pixner: Ach, das leidige Thema Heimat und Zugehörigkeit. Das ist irgendwie das gleiche Thema, wie die Zugehörigkeit zu einem Musikgenre. Wir sind alle auf dieser Welt daheim. Eine andere Welt gibt es nicht. Lasst uns doch einfach friedlich zusammenleben, ganz gleich mit welcher Nationalität, Sprache oder Hautfarbe.

Der Titel „Toccata From Another World“ holt einen abrupt von einer alpinen Leichtigkeit zurück in die Realität, von der Romantik in ein Sommergewitter …

Herbert Pixner: Dieses Stück ist der Versuch, das Thema „Flucht“ musikalisch zu verarbeiten. Eine Thematik, die so alt ist wie die Menschheit selbst und doch heute aktueller denn je.

Wie wichtig waren Lebensabschnitte wie Arbeiten auf einer Alm oder in einer amerikanischen Bar?

Herbert Pixner: Jeder Lebensabschnitt, jede Entscheidung prägt einen. Ich bin ein neugieriger und offener Mensch, habe viel Blödsinn in meinem Leben gemacht und habe es oft und gerne krachen lassen. Trotzdem bereue ich nichts und habe als Ventil die Musik, um darin all das Erlebte zu verarbeiten und zu kompensieren.

Ein immer wiederkehrendes Motiv ist das Duell zwischen deiner Harmonika und der verzerrten E-Gitarre von Manuel Randi. Ist das dein Signature-Sound?

Herbert Pixner: Viele unserer Stücke leben von der Improvisation. Unsere Alben sind somit immer nur eine Momentaufnahme. Live auf der Bühne werden die Zwiegespräche zwischen Manuel Randi an der Gitarre und mir natürlich ausgiebigst zelebriert. Das ist mittlerweile auch ein Markenzeichen unserer Konzerte.

Wie setzt man ein Album, das sich derart komplex anhört, live um? Oder ist es gar nicht so komplex, wie sich grandiosen Klangwelten anhören?

Herbert Pixner: Es hört sich klanglich vielleicht komplex an. Die Stücke sind trotzdem allesamt bestens für die Bühne geeignet, werden aber bei keinem unserer Konzerte gleich klingen. Aber das ist unser Publikum schon gewohnt. Man erwartet sich mittlerweile schon die spontanen Improvisationen und musikalischen Ausflüge bei unseren Auftritten.

 

Herbert Pixner„Electrifying“ wird es mit dem Herbert Pixner Projekt ab August u. a. in Graz, Kufstein, Klagenfurt, Gmunden (Toscanapark Open-Air), Salzburg, Linz, Innsbruck, Bad Ischl, Bregenz und Wien. Ein Termin für 2019 steht auch bereits: Am 27. Juni im Wiener Konzerthaus. Tickets gibt es auf oeticket.com.

 

 

Der Beitrag gefällt dir? Jetzt teilen!