„Himmel Auf“ für Silbermond

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Die Geschichte, die als Teenie-Band begann, geht weiter – als erwachsenes Quartett, das mit dem vierten Studioalbum Himmel auf nun ein wunderbares Werk abliefert. Es zeigt Silbermond als erwachsene, gereifte Band, die sich längst unter den ganz Großen im deutschsprachigen Musikgeschäft etabliert haben. Vor den Konzerten, die vom Frühjahr bis in den Dezember anstehen, traf TICKET Stefanie Kloß und ihre Jungs zum Plausch…

TICKET: Von der Teenie-Band zu einem derart erwachsenen Album – wie schafft man das?

Stefanie Kloß: Es ist seit der ersten Platte sehr viel Zeit vergangen, die ersten Songs haben wir im Alter von 17, 18 Jahren geschrieben. Dazwischen liegen zehn Jahre, viele Erfahrungen, viel Schönes und natürlich das biologische Älterwerden. Wir sehen jede Platte als Momentaufnahme, sie zeigt, wie wir uns gerade fühlen, worüber wir uns gerade Gedanken machen, was uns bewegt. Deshalb ist diese Platte mehr denn je auf den Punkt gebracht. Himmel auf ist Silbermond 2012!

TICKET: Trotz der dramatischen Veränderungen gibt es den Wiedererkennungswert…

Thomas Stolle: Mit 17 ist noch der Weg das Ziel. Wir machen das, was unser Bauch uns sagt und ich finde es schön, dass da eine Entwicklung stattgefunden hat. Wir wissen nun ungefähr, wo wir mit Silbermond hin wollen, was wir aussagen möchten und wie wir klingen möchten. Bei den ersten beiden Alben waren wir viel auf der Suche, viel am Lernen.

TICKET: Teenie-Bands können nur selten ihr Publikum aus den Anfangstagen mitnehmen, euch ist das erstaunlicherweise gelungen.

Andreas Nowak: Wenn man authentisch ist, etwas mit Leidenschaft macht, dann merken das die Leute, wenn man als Band Spaß hat und das Herzblut rein legt. Wir gehen noch immer mit der gleichen Passion auf die Bühne wie vor 14 Jahren, wir sind noch immer arsch aufgeregt. Das bewahren wir uns! Wir haben auch Respekt vor den Fans. Wichtig ist, dass man der Sängerin die Texte auch abnimmt.

TICKET: Die Zusammenarbeit mit Udo Lindenberg liegt zwar schon etwas weiter zurück – aber: Was bedeutet euch die Anerkennung durch solche Giganten?

Stefanie: Es war für uns eine ganz große Ehre, mit Udo zusammen zu arbeiten. Er ist ein unheimlich toller Typ und es bereichert einen unglaublich, mit solch einem Menschen Zeit verbringen zu dürfen! Es war gut für die vorige Platte, dass wir auch mit Xavier Naidoo oder Jan Delay zusammen gearbeitet haben. Man erweitert seinen Kosmos und bekommt neue Einflüsse rein. Das muss ich aber ergeben, das kann man nicht planen.

TICKET: In den 14 Songs von Himmel auf sprecht ihr die unterschiedlichsten Themen an, von Liebe, Abschied nehmen bis wieder hin zu Gesellschaftskritik. Trotzdem ist es eine homogene Einheit.

Stefanie: Ich grinse deshalb, weil ich das so noch gar nicht gesehen hab´!

Thomas: So etwas kann man nicht planen. Der Weg ist eben das Ziel. Wenn es bei diesem Album so etwas wie ein Konzept gab, dann war es, sich davor zu schützen und nicht in Routinen rein zu kommen. Einfach diese Neugier zu bewahren. Das haben wir ganz gut geschafft. Wir haben viel experimentiert und am Ende des Tages ist Himmel auf die intensivste und beste Platte, die wir je gemacht haben. Wir sehen das Album wie ein Gespräch unter Freunden, wo alle Themen auf den Tisch kommen, die einen beschäftigen. Das ist es, was es so homogen macht.

TICKET: Der Song Weiße Fahnen ist vielleicht einer der bewegendsten Titel, die ihr je aufgenommen habt…

Stefanie: Es ist auch für uns eine sehr, sehr emotionale Nummer. Sie sticht vor allem durch ihre Reduziertheit heraus. Der Fokus liegt eigentlich nur auf der Geschichte und der Gitarrenmelodie. Thomas und ich waren vor drei Jahren in Kamerun. Es hat uns ein Fotograf begleitet, der viel in Kriegsgebieten unterwegs war, und eines Abends erzählte er uns, dass es schon echt krass ist, wenn dir ein zehnjähriger Bub gegenüber steht und dir eine Waffe ins Gesicht hält. Solche Geschichten bleiben im Unterbewusstsein hängen, und irgendwann kommt das bei einem solchen Text zum Vorschein.

TICKET: Was bewegt euch dazu gesellschaftskritische Themen aufzugreifen und nicht bloß über Liebe, Freude, Eierkuchen zu singen?

Andreas: Für uns ist Musik nichts Belangloses, uns berührt Musik ganz, ganz toll. Sie muss uns selbst berühren, aufwühlen. Deshalb entstehen solche Lieder. Wir wollen aber nicht als Zeigefinger-Band wahrgenommen werden und wir stellen uns ja nicht hin und sagen, dass wir wissen, wie die Welt funktioniert und wie man sie ändern kann. Man schreibt eine kleine Emotion auf. Wo die dann hinführt, das liegt nicht in unserem Ermessen.

Interview: Alexander Haide

Live zu sehen am 27. Juli auf der Burg Clam und am 26. Juli (gemeinsam mit Tim Bendzko) in Olang-Gassl (Südtirol)! 

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