Hoamatgfühl beim Hoamatspü

Die Seer und ihr Heimspiel in Grundlsee – das ist eine stimmige Angelegenheit. Geografisch in der Mitte Österreichs, musikalisch in der Mitte Österreichs. Und doch weit entfernt vom Mittelmaß.

Das Salzkammergut und sein Wasser. Ohne Wasser kein Salzabbau, keine Sudhäuser zum Salzkochen, kein Reichtum fürs Land, für die Fürsten, die Kaiser und alle, die über die Jahrhunderte gut vom Salzabbau, vom weißen Gold, lebten. Ohne Wasser kein Bad Aussee, kein Bad Ischl und keine Seer.
Fred Jaklitsch ist ein Seer: „Bei uns heißen Leute, die am See wohnen Seer“, sagt er, und Jaklitsch, der heute in Bad Aussee wohnt, war lange direkt am Ufer des Grundlsees zu Hause. Vom Balkon des alten Holzhauses konnte er in den See springen.
Es ist das Salzkammergut eine Gegend, die „anders“ ist und deren „Anderssein“ sich für Außenstehende nur schwer beschreiben lässt. Der Autor Alfred Komarek, selbst ein Ausseer, schreibt, „dass es eigentlich kein Salzkammergut, sondern lauter kleine Salzkammergüter gibt“. Die Ausseer sind anders als die Ischler, die Gmundner anders als die Hallstätter und die Grundlseer sowieso. Ja, man trägt in den kleinen Salzkammergütern sogar die Hüte unterschiedlich am Kopf. Von der Form und Art derselben ganz zu schweigen. Der Hüte, nicht der Köpfe. Oder vielleicht doch? Man kann demzufolge auch nicht von einem Menschenschlag im Salzkammergut sprechen, sondern diese nur erfahren, in dem man sich selbst öffnet und zuhört. Dann klappt’s – vielleicht. Dann versteht man – ebenso vielleicht – auch den Ober-Seer, wie er in den Neunzigern die Musik seiner Heimat entdeckte.

Fred Jaklitsch auf Spurensuche

Fred Jaklitsch. Ex-Lehrer. Musiker. Die Mutter spielt Zither, im Dorfwirtshaus werden Gstanzln gesungen und dazu das sogenannte „Paschen“ geübt. Was das ist? Auch nicht leicht zu erklären, aber Gstanzln sind so eine Art Ur-Alpenrap und Paschen steht für rhythmisches Klatschen. Die Volksmusik hat die Leute im Salzkammergut noch nie unberührt gelassen. Wohlgemerkt: wir sprechen von Volksmusik – und nicht von volkstümlicher Musik! Das ist ein großer Unterschied und wer Pascher als „volkstümlich“ bezeichnet, dem kann es leicht passieren, in einen ebensolchen mit der rechten und der linken Backe zu geraten. Jaklitsch, als Euro- Pop-Musiker mit der Band Joy in den 80ern erfolgreich, wandte sich den Spuren der musikalischen Wurzeln des Landes zu, woraus sich die Seer entwickeln sollten.

Das Heimspiel übern Grundlsee

Dahoam auf der Zloam. Dort oben, in diesem von Wald und Wiesen umgebenen Kessel, von den Einheimischen Zloam genannt, im Prospekt als „Zlaim“ beschrieben, wo man im Sommer, wenn es wirklich ganz leise ist, fast den Grundlsee rauschen hört, findet seit nunmehr 15 Jahren das Seer-Open-Air statt. Ein Mega-Event, der 20.000 bis 25.000 Fans anzieht. Wie alles ganz Große hat auch diese Geschichte einmal sehr klein begonnen. Im Winter kann man auf der Zloam Ski fahren. Ein Schlepplift, ein Gasthaus. Klein, aber fein. Im Sommer wird auf der Zloam Tennis gespielt.
1998 hatte jemand die Idee, auf der Zloam eine Schneeparty zu organisieren. Musik, Glühwein, Après-Ski. Die Seer standen auf einem Traktor-Anhänger und ein Häuflein Aufrechter sprang in Skischuhen zur Musik und feierte bei Minusgraden. Heimgehen war nicht. Heute, 15 Jahre und zahlreiche Gold-, Platin- und andere Auszeichnungen später, hat sich vieles geändert … Aber nicht Grundlegendes. Die Bühne ist gewaltig gewachsen. Traktor war gestern. Und die Zuseherschaft hat sich vertausendfacht, aber was es damals wie heute gibt, das ist diese magische Brücke zwischen Publikum und Band, zwischen Musik und Gefühl. Es gibt kein „oben auf der Bühne“ und „unten auf der Wiese“. Da sind alle immer irgendwie ein Ganzes, und dieses Ganze erlebt in einer Sommernacht im August diesen magischen Moment, der das „Seerische“ genannt wird und der sich schwer beschreiben lässt, vielmehr erlebt werden sollte.
15 Jahre Open Air. Damals eine kleine Party auf der Skiwiese, heute der größte Event der Region!

Erfolg ist kein Perpetuum mobile

Jaklitsch, der Ober-Seer war nie ein Mensch der lauten Worte. Eher in sich gekehrt, lässt er dann und wann auch die Geschichte der Band, seiner Band, Revue passieren. Es ist ja auch eine Menge geschehen in all den Jahren. Der Erfolg lässt manchmal fast eine unheimliche Dynamik erkennen. Angst? „Jede Dynamik schleift sich irgendwann ein. Aber Erfolg ist kein Perpetuum mobile.“ Gedanken wie diese sind ihm nicht fremd, und Nervosität stellt sich auch beim 15. Mal auf der Zloam immer noch ein: „Wenn man sich in Erinnerung ruft, was alles schiefgehen kann, wenn man sich auch bewusst ist, dass so viele Leute eigentlich nur wegen diesem Abend da sind …“, so der Seer-Fred und denkt an den Moment, wo zu Mitternacht alles vorbei ist. Das große Feuerwerk weit im Land zu sehen ist: „Da kommst von der Bühne runter, bist heilfroh, dass alles gut gegangen ist, und stehst da, die Last fällt dir von den Schultern und am Himmel passiert was Tolles. Das passt zu dieser Gefühlsebene und es ist ein ganz besonderer Moment. Genau da merkst du, der Abend ist gelungen!“ Das war jedes Jahr so und es wird auch dieses Jahr so sein. Dahoam auf der Zloam.

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