Hotel Rock’N’Roll

Die Zeit bezeichnete ihn als “wesentlichen Mitgestalter eines neuen österreichischen Komödientons”: Nun gibt Schauspieler Michael Ostrowski mit „Hotel Rock ’n’ Roll“ sein Regiedebüt.

Hotel Rock N RollIn der logischen Fortsetzung von “Nacktschnecken” (Sex) und “Contact High” (Drugs) – “Hotel Rock’n’Roll” – bekommt Mao (Pia Hierzegger) von ihrem Onkel Waberl (Willi Resetarits), einer sterbenden Rock-Ikone, ziemlich unvorbereitet ein Hotel in der steirischen Pampa vererbt. Gemeinsam mit ihren Freunden Max (Michael Ostrowski) und Jerry (Gerald Votava) möchte sie das bankrotte Hotel wiederbeleben – immerhin erbt sie neben dem Gemäuer auch noch die Bankschulden, die der Bankbeamte Gerhard Loibnegger (Helmut Köpping) ruckt-zuckt (um Roland Düringer in “Hinterholz 8” zu persiflieren) einfordert. Wie gut, dass da Max das brillante Konzept “betreuter Rauschreisen” durch den Kopf schießt. Dass nicht nur die leichte Illegalität dieses Vorhabens, sondern vielmehr allerlei Stolpersteine, die den ungewollten Hoteliers in den Weg gelegt werden – zuvorderst boulevardeske Intrigen und die eigene Tollpatschigkeit – “Hotel Rock’n’Roll” zu einer wahren Tour de Force geraten werden lassen, versteht sich von selbst. Ob all dieser Wirren und des Ungeschick einzelner Charaktere krallt man sich schon manchmal in der glücklicherweise gut gepolsterten Armlehne des Kinositzes fest, denn bis zum Grande Finale – bei dem sich natürlich alles dann doch noch irgendwie ums Arschlecken ausgeht – passiert im Laufe des Films so einiges, das sonst nur in der überhöhten Wirklichkeit des Tagblattes Österreich passieren kann. Insbesondere die Idee, mithilfe eines Konzertes der – vorsichtig formuliert – mäßig bekannten Hotelband, die zu allem Überfluss auch nur einen Song (den dafür aber in mehreren Varianten) beherrscht, für einen plötzlichen Geldregen zu sorgen, dürfte wohl den heimischen Konzert-Veranstaltern die Tränen in die Augen schießen lassen.

Apropos: neben dem Trio Infernale – Hierzegger (Chefin und am Bass), Ostrowski (Rezeptionist und am Gesang) und Votava (eigentlich in der Küche, aber manchmal auch an der Rezeption und an der Gitarre), deren Charaktere alle einander wirklich verdient haben – glänzt vor allem auch der Kleinkriminelle Schorschi (Georg Friedrich) als begipster Schlagzeuger der Hotelband mit einer Situationskomik, die den großen Louis de Funès aus der französischen Südküste hinein ins immergrüne Ödland holt.

Pipifein machen ihren Job insbesondere aber auch Stefanie Werger als Betreiberin eines Escortservices, die auf ihrer Ledercouch thronend auch am Irrsinn der Herren Max und Jerry verzweifelt – und natürlich der grenzgeniale Sven Regener, der bereits zum Frühstück Bier trinkt: das ist Rock’n’Roll, wie er im Buche steht!

https://www.youtube.com/watch?v=bUWYLoqT7NE

 

~ Ein Gespräch mit dem Regie-Team Ostrowski und Köpping ~

Worum geht es in “Hotel Rock’n’Roll”?

Michael Ostrowski: Es geht um Freundschaft, um Musik und Humor. Und natürlich auch um viele andere Dinge, aber das sind die wichtigsten. Ich glaube, Humor ist das, was sich die Menschen geschaffen haben, um das Dasein zu ertragen. Um es lustiger zu gestalten. Das klingt so negativ, aber Humor ist Gott sei Dank was grundsätzlich Angeborenes. Das hat man, um mit der Welt umgehen zu können. Es wäre schwierig zu ertragen, weil wir ja alle wissen, dass wir sterben müssen und das grundsätzlich traurig ist. Der Humor macht’s ein bisserl leichter.

Helmut Köpping: Ich glaube, man kann mehrere Spuren und Geschichten finden. Für mich ist die Klammer, was es bedeutet, eine Band zu sein. Das ist für mich der Kern dieser Geschichte.

Hast du herausgefunden, worum es geht?

Helmut Köpping: Es geht gar nicht so sehr um die Antwort – also dass man das auf irgendeine Art beantwortet oder untersucht. Ich finde, das Schöne und Lustvolle daran ist, dass es einerseits um Freundschaft geht, andererseits auch darum, gemeinsam etwas zu produzieren, das Wert hat: Für die Freundschaft und für die Umwelt.

Gibt es persönliche Highlights vom Dreh?

Helmut Köpping: Ja, ganz viele. Natürlich sind’s die großen Momente, wie der Corvette-Stunt. Besonderes Highlight war der Umgang des Teams miteinander, die gemeinsame Arbeit, wie viel gelacht wurde. Ein Höhepunkt war es, das erste Mal in diese Rezeption zu gehen, nachdem die Ausstatter den Raum hergestellt hatten. Die Begegnungen. Es war wirklich – ohne jetzt zu übertreiben – eine sehr glückliche Zeit. Eine intensive und dem Genre entsprechende Zeit: Es war Rock’n’Roll-, aber auch Komödienstimmung. Das hat sehr viel mit dem Michi Ostrowski zu tun, mit seiner Energie und seinem Talent, das auf alles ausstrahlt.

Apropos Komödie. Was ist das für dich?

Helmut Köpping: Komödie hat für mich viel mit Situationen zu tun. Mit menschlichen Schwächen. Mit Abgründen. Aber auch mit Timing. Mit Arten der Reaktion. Es passiert was und wie reagieren Leute darauf. Unsere Schauspielerinnen und Schauspieler sind sehr begabt für Komödie. Es sind auch einige Szenen, die gar nicht so geschrieben waren, durch die Qualität der Schauspieler zu Komödienszenen geworden. Komödie ist ein gutes Genre. Lustig und schwer.

Wie würdet ihr den Humor der Österreicher beschreiben?

Michael Ostrowski: Ich mag ihn sehr gern. Aber ich mag auch den der Briten, der Franzosen und manchen Humor der Deutschen sehr, sehr gern. In jedem Land gibt’s für mich humoristische Vorbilder, die total wichtig sind. In Deutschland zum Beispiel Gerhard Polt oder Helge Schneider, um zwei zu nennen. In Frankreich Louis de Funès. Und in England Monty Python und viele andere. In Amerika gibt’s auch etliche – von Jerry Lewis bis Jim Carrey. Es gibt in jeder Kultur gute Humoristen, das ist das Schöne. Und in Österreich war das immer wichtig. Qualtinger ist nur ein Bespiel, weil er so viel verbunden hat: Musik, Schreiben, Kabarett, Schauspiel, Improvisation, Verarschung … Qualtinger subsummiert für mich gut den österreichischen Humor.

Helmut Köpping: Der österreichische Humor ist schwer zu beschreiben, wenn man selbst in dem Topf sitzt. Er hat sicher etwas mit Ironie/Selbstironie zu tun, mit Lust am Abgründigen und hat auch immer was leicht Schwarzes, etwas leicht Morbides.

Michael, was ist deine Beziehung zur Musik?

Michael Ostrowski: Bevor ich jemals irgendwas auf einer Bühne gemacht hab, hatte ich mit 14 eine Band und da war ich der Sänger. Ich hab dann noch Bassgitarre dazu lernen müssen, weil wir keinen Bassisten hatten. Es ist mir immer ein Anliegen, dazu zu sagen, dass ich wirklich schlecht Bass gespielt hab und das mein’ ich auch ernst. Ich will nicht, dass irgendwelche falschen Vorstellungen aufkommen. Damit kamen mit 14, 15 Jahren – bis knapp 16 haben wir die Band gehabt – meine ersten Bühnenerfahrungen, wobei wir wirklich keine gute Band waren. Aber irgendwas haben wir gehabt. Wir haben uns hingestellt vor 50 bis doch 300 Leute und ein Konzert gespielt. Das waren schon die Schlüsselerlebnisse, warum ich danach je wieder irgendwas gemacht hab. Darüber hab ich aber auch nicht nachgedacht. Wir haben’s einfach gemacht. Mit 14, da denkst du dir: „Mach’ ma halt einmal eine Band.“

Wie hieß die Band?

Michael Ostrowski: Stage Five (lacht). Allein der Name sagt schon, sie kann nicht wirklich gut gewesen sein. Aber das ist egal, es waren die 80er-Jahre und wir haben Kraut und Rüben gespielt. Coverversionen von Guns´n´Roses bis Reinhard Fendrich und auch eigene Nummern. Mit 10 hab ich begonnen Gitarre zu lernen und nach einem halben Jahr hab ich es aufgegeben, weil ich nicht verstanden hab, was der Lehrer von mir will. Ich hab’ kein System verstanden. Seitdem ist es wahrscheinlich so, dass man aus einer Schwäche eine Stärke macht. Und da ich die scheinbare Schwäche hatte, kein Instrument zu beherrschen, hab ich immer wieder einmal gesungen, weil´s das einzige war, das ich konnte.

Wie kam es zur Musikauswahl im Film?

Michael Ostrowski: Sehr persönliche Favoriten, nichts anderes. Das, was einem persönlich gefällt. Es gibt keine andere Kategorie.

Helmut Köpping: Eigentlich recht intuitiv und im Gespräch mit Charlotte Goltermann, die die Musikrechte koordiniert, managt und auch Vorschläge macht. Michi hatte ein recht klares Bild von der Art der Musik. Einen starken Einfluss hatten zusätzlich unsere Musiker-Freunde, die wir auch einladen wollten, dabei zu sein.

Michael, hast du den Song „Futschikato“ selbst geschrieben?

Michael Ostrowski: Teilweise. Der Text ist von mir und die Melodie habe ich mit Norbert Wally, dem Sänger und Gitarristen von The Base, im Proberaum gesucht. Ich hatte eine ungefähre Melodievorstellung, weil der Text so viel vorgibt und es ein Gemisch aus Gesprochenem und Gerappten ist. Norbert hatte ein Riff dazu und das war’s dann.

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Wie lange gibt es die Idee zum Film bereits?

Michael Ostrowski: Die Idee ist schon während dem Schreiben von “Contact High” entstanden. Wir haben festgestellt, dass das eine Trilogie wird, weil wir Sex und Drugs behandelt haben und uns dachten „Ah, da sollten wir noch was Drittes machen!“. Knapp nach dem Dreh fingen wir an, Ideen zu spinnen und ich hab’ irrsinnig lange gebraucht, um die erste Fassung zu schreiben. Wahnsinnig lange. Weil ich wirklich kiloweise Material gesammelt, Filme angeschaut und immer versucht habe, zwei Genres zu kombinieren: Einen Musikfilm, einen klassischen „Heimatfilm“ fast, einen Hotelfilm mit Rock´n´Roll. Und damit wird das Ganze quasi unerschöpflich. Für solche Genres kannst du unendlich viel recherchieren. Und ich habe immer noch kiloweise Bücher, Mitschriften, Zettel und Ideen und drei Jahre gebraucht, bis ich überhaupt eine Fassung geschafft habe. Und dann schrieben wir gemeinsam weiter, Michi Glawogger und ich. Wir hatten viele Ideen gemeinsam und dann versucht, es zu komprimieren.

Was war denn die größte Herausforderung?

Michael Ostrowski: Die körperlich-psychische Anstrengung. Durchzuhalten. Das war die größte Herausforderung. Also keine Dreh-Herausforderung, sondern eher, diesen Rhythmus durchzuhalten, weil unser Dreh sehr fordernd war. Sehr anstrengend in dem Sinn, dass man sehr viel spontan, schnell entschieden hat und es wichtige Entscheidungen waren, die dauernd getroffen worden sind.

Helmut Köpping: Der zuvor angesprochene Auto-Stunt war sicher etwas, auf das alle ein bisserl bange geschaut haben – ob das funktioniert mit der Corvette. Als es dann geschafft war, war Erleichterung zu spüren. Das war gleich in der ersten Drehwoche und eine Prüfung für uns alle. Auch das Schlusskonzert war eine Herausforderung an die Übersicht und Koordination, dass man das alles unterkriegt, mit den vielen Komparsen.

Und wie war es, gleichzeitig Schauspieler zu sein und Regie zu führen?

Michael Ostrowski: Ich habe gemerkt, dass es mich irgendwann entlastet, wenn ich nicht spiele. Aber das hat fast was mit etwas Faulheit zu tun, mit einem „ok, ich muss mich jetzt nicht umziehen gehen und ich kann mich einfach wirklich einmal nur auf das konzentrieren“. Aber an sich hab ich gemerkt – Gott sei Dank! –, dass mir das überhaupt nichts tut. Spielen. Ich bin eher ein Schauspieltyp. Ich muss nicht so viel nachdenken, ich versuche eher, es schnell zu machen. Und hab’ genug über das Buch gewusst.

Helmut Köpping: Es ist schon sehr interessant, auf beiden Seiten zu stehen. Aber auch fordernd und beanspruchend. Bei mir war es überschaubar, bei Michael aber sicher noch mehr und ich bewundere ihn dafür. Man muss nämlich ablegen können, in diesem Moment darüber nachzudenken, was im Spiel gerade alles zu bedenken ist und sich einfach auf die Situation einlassen. Es ist nicht immer leicht, das „andere Hirn“ im Mitlaufen zu haben.

Wie kam man auf das Motiv, diese prachtvolle Villa?

Michael Ostrowski: Ja, das ist lustig. Weil es sehr schwer war, das richtige Motiv zu finden. Und die Besitzerinnen von diesem Anwesen haben sich auf einen Aufruf der Kleinen Zeitung und der Cinestyria hin bei uns gemeldet. Das war natürlich super, weil es bedeutet, dass sie uns da haben wollten. Aber Wolfgang Thaler, der Kameramann, war sehr kritisch dem Motiv gegenüber. Er sagte, das sei die „grüne Hölle“ und das war schon ein bisschen schockierend für mich, weil ich das Gefühl hatte, dass es hier genau richtig ist. Und ich hab mir schon gedacht „Wie wird das werden…“, aber er hat immer die richtigen Fragen gestellt, wollte immer die richtigen Dinge wissen und klären, und so hat er die Liebe zu dem Motiv gefunden. Es waren so Dinge, dass ich eigentlich auf den letzten Drücker gesagt hab, dass der Teich unser Swimming Pool wird. Eigentlich war wirklich ein Pool geplant, aber ich hab’ gesagt „lass uns das Feuerwehrauto und die Corvette doch bitte in den Teich hauen“. Es sind oft so wahnsinnig wichtige Entscheidungen, die durch einen Impuls getroffen worden sind. Wo ich wirklich gesagt hab: „Scheiß jetzt auf irgendwelche Wasserrechte oder Schwierigkeiten, die kann man auch irgendwie umgehen.“ Was wir auch gemacht haben. Wir haben die Autos komplett ausgebaut, wir haben zwei Autos von jedem gehabt, haben alle Ölreste entfernt, was alles anstrengend ist, aber durch die Entscheidung ist das Motiv erst richtig geworden. Und ich freu mich über viele richtige Bauchentscheidungen. Und da oben auf der Mauer das Abschlusskonzert zu machen, mit den Leuten, dieses leicht hippieske, das war, glaub ich, das einzig Wahre.

Michael, wie kam es zur Zusammenarbeit mit Helmut Köpping?

Michael Ostrowski: Ich kenne Helmut schon sehr lange, ich hab ihn einmal als Schauspieler im Theater im Bahnhof gesehen. Da war ich noch Student und hab’ mir gedacht: „So wie er spielt, das find ich lustig.“ Und dann hab’ ich ihn in einem Workshop kennen gelernt und seither arbeiten wir eigentlich immer wieder zusammen. Er hat mit Michi Glawogger viel gemacht und wir haben einen Halbstundenfilm gemeinsam gedreht. So haben wir uns gedacht, das wäre eine gute Ergänzung und Zusammenarbeit.

Wie habt ihr euch die Regiearbeit aufgeteilt?

Michael Ostrowski: Helmut ist sehr gut und sehr genau, was kleine menschliche Regungen anbelangt. Wie ist wer? Wo kitzelt man noch was Besonderes oder zutiefst Menschliches aus einem Verhalten heraus? Das schätze ich so an ihm. Neben dem, dass er ein lieber Mensch und ein lustiger Kerl ist. Ich hab in den letzten Jahren sehr viel Filmerfahrung gesammelt, viel gedreht und Drehbücher geschrieben und hatte das Gefühl, ich kann auf dieser Ebene was einbringen. Da haben wir uns gut ergänzt.

Wie viel Michael Glawogger steckt in dem Film?

Michael Ostrowski: Es steckt sehr viel Glawo drin, weil er erstens mit mir alle diese Figuren erfunden hat und die Geschichten geschrieben hat. Und weil er ein Team formiert hat, das über viele Jahre hinweg heute noch da ist: der Kameramann Wolfi Thaler, Donmartins Ausstattung, die Kostüme von Martina List, … die vielen Leuten rund um den Film, die eine gute, entspannte Art haben zu denken. Wie man einen Film sieht, welche Details wichtig sind und wo man einfach auch einmal drauf pfeifen sollte und sagt: „Jetzt lassen wir’s laufen“. Und sie alle hat der Glawo zusammen gebracht und ich habe mit übernommen. Sein Spirit ist über all dem. Das ist das Wichtigste.

Helmut Köpping: Diese Frage hab ich mir unterwegs auch immer wieder gestellt. Ich glaube, sehr viel. Ganz praktisch schon einmal, weil er dieses System gemeinsam mit dem Michi etabliert hat. Aufgrund der Figurenkonstellation und der Weise, wie die Sprache entwickelt worden ist, ist “Hotel Rock’n’Roll” natürlich nichts komplett Neues. Glawogger war ein großer Ermöglicher und deshalb steckt ganz viel von ihm drin. Und er war auch sehr präsent, auf eine gute Art anwesend.

 

“Hotel Rock’n’Roll” spielt es ab 26. August in den Kinos.

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