How to … being sick!

Aufwachen mit Dawson’s Creek, einschlafen mit Melrose Place. Dazwischen noch ein paar Fieberträume zum Drüberstreuen und etliche Vitamin-Drinks, in den seltsamsten Geschmacksrichtungen. Da freut man sich dann wieder, dass man gar nichts, absolut gar nichts schmeckt. So, oder so ähnlich verhält es sich wenn man von einer Erkältung, österreichisch: Verkühlung, niedergestreckt wurde.
Heißt es, dass man High-Sein mit den sieben Zwergen vergleichen kann (liegt das an SCHNEEwittchen?), bei einer Erkältung funktioniert das auch blendend!

Stadium 1 – Doc, der Anführer

Natürlich, man hat sich komplett unter Kontrolle! Liegen Bekannte und Kollegen schon fiebrig im Bett, man selbst ignoriert das Kratzen im Hals, im Gegenteil, man versucht es noch durch erhöhten Nikotinkonsum zu bekämpfen. Da hilft bekanntlich ganz gut, einfach ignorieren, dass sich hier etwas anbahnt und es wird auch nichts passieren. Ignoranz ist bekanntlich die Mutter aller Problemlösungen! Schleppt man sich dann nach dem ersten und dem letzten Spritzwein aus dem Stammlokal nach Hause, denkt sich, dass man im Prinzip noch gut Luft bekommt und morgen sicherlich alles gut wird, dann ist es meist zu spät. Man fällt in einen komatösen Schlaf, träumt von überlebensgroßen Lollipops, fragt sich während seines Traumes, ob man nicht doch auf einem LSD-Trip ist und wacht am nächsten Tag auf um festzustellen: Ignoranz ist die Mutter aller Dummheiten!

Stadium 2 – Dopey, der Verwirrte

Ja, es ist noch alles ziemlich gut. Ein bisschen schummrig, aber eine schnelle Dusche wird es schon richten. Man fährt in einer überfüllten U-Bahn in die Arbeit – sind die werten MitbürgerInnen wirklich jeden Tag so anstrengend in der Früh? Und wie hält man das eigentlich sonst so aus? Was hat es denn hier bitte? Vollmond? Ausströmendes Nerv-Gas im U-Bahn Schacht?
Im Büro angekommen, läuft alles NICHT nach Plan. Es fängt an mit einem Kaffee, den man zitternd über seine Tastatur leert (das kann schon passieren, ich neige auch sonst nicht zu unheimlichem Geschick.) Nachdem bereits das zweite Wasserglas auf dem Boden landet, man mit dem Kopf gegen die geschlossene Klotür läuft (die Schnalle vor dem Eintreten zu betätigen wäre besser gewesen) und man sich überlegt, dass ein weißer Spritzer von Vorabend nicht so einen Impact haben kann, überlegt man, ob man nicht doch auf einem LSD-Trip war und nicht nur geschlafen hat des Nächtens. Liebevoll gemeinte „Du schaust ja scheiße aus“ – Kommentare der Kollegen führen zu einem Blick in den Spiegel und zu der Erkenntnis: Was bist du? Ich kenn dich nicht, ich mag dich nicht, ich schau dich auch nie wieder an. Davor, dazwischen und danach: Schweißausbrüche! Und zwar nicht die von der guten Sorte … ja, es gibt die von der guten, aufgeregten Sorte, wirklich! Ab nach Hause, zu einer Tasse Tee, vielleicht mit Rum?

Stadium 3 – Bashful, der Rotanlaufende

Keine Lust auf irgendwas, weder auf Tee, noch auf Rum noch auf sonst etwas. Ein Hedonist erkennt sofort: Das war es jetzt, das Leben wird nie wieder schön! Man fühlt sich klein und arm, ganz viel arm und erkennt: Das wird nix! Das wird nichts mit Arbeiten, das wird nichts mit Reden, das wird nichts mit Leben. Man ist tieftraurig, schleppt sich auf die Couch und schaut Dawson’s Creek. Eine Aufmunterung ist dadurch absolut nicht garantiert! Vor 15 Jahren war man zwar auch schon schlau genug zu wissen, dass die Capeside-Kids ein bisschen zu viel herum philosophieren, hat aber heimlich die ganz klugen Aussprüche in sein Diddl-Tagebuch geschrieben (Nein, das hat niemals existiert, wirklich nicht!). Jetzt, mit der ultimativen Weisheit, die das Alter mit sich bringt, findet man sie wirklich nur schrecklich, möchte lachen über so viel Dummheit und unendlich viele moralische Keulen und fragt sich, warum die Lehrerin eigentlich mit Pacey in die Kiste gesprungen ist und ob man selbst aktuell Fünfzehnjährige wohl anziehend finden könnte? Puh, da ist er wieder, der Schweißausbruch, einer von der üblen Sorte, nämlich der, der dann kommt, wenn man sich gerade vor seinen eigenen Gedanken ekelt.

Mit Teddybär und Hustentee versorgt, schwebt man den ganzen Tag zwischen dem Versuch Mails zu beantworten (ich bin ja sooo wichtig, nein, gar nicht, geht komplett ohne! Der Abwesenheitsassistent muss allerdings aktiviert werden, ein Kraftakt.), fiebrigen Träumen (bitte nie wieder von Dawson, danke!) und vor allem: sich weiter Leid tun. Einschlafen am Abend ist dann auch nicht, um intellektuelles Fernsehen zu verstehen, fühlt man sich nicht erkältet auch schon oft zu blöd, das heißt: man landet bei Melrose Place. Diese Amanda! Was für ein Miststück! Und ein paar Tränen muss man dann auch noch vergießen, wenn Jake und Jo sich trennen. Dabei hätte man am Nachmittag doch schon geplärrt wie ein Kind, dem man das Spielzeug wegnimmt und das nur, weil Izzy aus Grey’s Anatomy Krebs bekommen hat, was man ja eigentlich seit Jahren schon wusste. Man spricht noch immer nicht und ist hoch rot im Gesicht. Ob das am Fieber liegt oder daran, dass man sich für sich selbst in Grund und Boden geniert, das sei dahin gestellt.

Stadium 4 – Grumpy, der Grantler

Nachdem es bereits Tag zwei ist, den man krank im Bett verbringt, gibt dem Selbstmitleid noch ein weiterer emotionaler Zeitgenosse die Hand: Der Grant! Die Rede ist nicht vom blauäugigen,nuschelden Briten, sonder von Wut, Hass, dem puren Frust. Es gäbe unendlich viele Worte, mit denen man seine derzeitige Situation gerade beschreiben möchte, diese bitte selbst im österreichischen Schimpflexikon, respektive im Kleinen Wappler nachschlagen. Am besten unter „A“, „B“ und „O“. Das „S“ kann man sich in diesem Fall sparen, klingt im Vergleich dazu, wie man sich fühlt, eher wie ein zu hoch gesungenes Kinderlied. Dawson wird in aller Früh als „perverses Weichei“ beschimpft, zwischenzeitlich istWappler Meredith eine „faltige, hässliche Alte“ und nicht einmal der sympathische Comic-Nerd Seth Cohen schafft es, einen wieder zu beruhigen. Fernsehen also auch unter „A“ nachzuschlagen. Dementsprechend schnappt man sich sein Laptop, um sich auf modern seine eigenen Serien auszusuchen. Wird aber nix. Anscheinend paart sich Grant mit einer unfassbar kurzen Aufmerksamkeitsspanne. Auch gut, landet man in Google-Land und erkennt, dass Mischa Barton einen wahnsinnig dicken Hintern hat. Man fühlt sich irgendwie gut dabei und ist auch schon wieder dort angelangt, dass man vor sich selbst und seinen gar nicht so netten Gedanken angeekelt ist. Man schlägt den Kleinen Wappler auf und sucht nach einem Schimpfwort, dass die eigene Unwürde so richtig beschreibt. Als man bei „Eierbär“ angelangt ist, schläft man ein und träumt von Bären. Zum Glück nicht von Eiern.

Stadium 5 – Sneezy, der Nieser

Hui, das Fieber scheint vorbei zu sein! Man kann es gar nicht glauben, setzt zum Luftsprung in die Dusche an, um sich seine Haare zu waschen (mein Haarshampoo ist vegan! Vegaaaan! Ich wollte es echt nicht essen!) und dann passiert es, das, was immer irgendwie nach einem Scheich in Abu Dhabi klingt: Hatschi! Einmal, zweimal, siebenundneunzigmal. Großartig! Hugh ist zurück, weil es einfach so unendlich nervt, Dawson wird durch tränende Schnupfaugen leider auch nicht attraktiver. Egal welche Superlative sich Taschentuchfirmen für den Begriff „weich“ ausdenken, spätestens nach einem halben Tag durchschnäuzen, schaut jede Nase aus, als wäre man beim Versuch des päpstlichen Bodenküssens, mit der Nase am Asphalt radiert. Fühlt sich auch genau so gut an. Vielleicht liegt es an der vernebelten Wahrnehmung, aber man ist sich plötzlich ganz sicher: Schuld daran, dass es noch kein wirklich gutes Heilmittel gegen Schnupfen gibt, ist eindeutig die Taschentuchindustrie! Eine ganz perfide Mafia, die ihre eingenommen Myriaden an Euros, Dollars und was es da sonst noch an Geld gibt (Schnäuzen sich Japaner?) am liebsten bei all den Fête Blaches der Welt verprassen. (Fête Blanche, das bringt mich dann wieder dazu, auf so einer mit einer rotweingefüllten Super Soaker aufzutauchen, andere Geschichte.) Fieberträume unterscheiden sich von Schnupfenträumen übrigens nicht wesentlich, nur dass man bei Schnupfen viel öfter träumt man ertrinkt, versinkt im Treibsand oder hat ein Sackerl über den Kopf und erstickt. Ist aber im Vergleich zu Dawson-Träumen im Prinzip ein Hit!

Stadium 6 – Sleepy, der Schläfer

Aufgabe. Das trifft es wohl am ehesten. Man merkt, dass man die restlichen Tage plärren, granteln, schwitzen und traurig schauen konnte wie man nur wollte, es ändert trotzdem nichts daran, dass man noch immer im Bett liegen muss. Deshalb beschließt man einfach, sich mit seinem ach so traurigem Schicksal zu arrangieren und zu schlafen. Das klappt auch ganz gut, vor allem wenn irgendein uninteressantes Sportprogramm im Hintergrund läuft (kann Herr Polzer bei jedem Fast-Tor bitte aufhören so laut und aufgeregt zu schreien?). Als man des Schlafens müde ist, beschließt man dann doch, in die nächstgelegene Trafik zu spazieren, um sich mit einem feschen Magazin intellektuell, oder zumindest society-mäßig, weiterzubilden. Der siebenminütige Weg hin und zurück endet in einem hochpotenzierten Schlafanfall. Diesmal übrigens traumlos. Puh!

Stadium 7 – Happy, der Glückliche

Yes! Man kann es kaum glauben! Man fühlt sich, als wäre man Spider- und Superman in einer Person (nicht Batman, der hat nämlich gar keine Superkräfte). Man kann die Welt wieder riechen – stellt sich in den öffentlichen Verkehrsmittel übrigens als Nachteil heraus – und die Zigarette schmeckt wieder. Toll! Das traumlose Schlafen des Vortages hat geholfen, man wirft sich an einem Samstag Morgen auf die Shoppingmeile um festzustellen, dass die Geschäfte erst um 10h ihre verlockenden Pforten öffnen. Also wartet man mit seinem Café Latte auf einem Parkbankerl und fragt sich, wann man das letzte Mal so früh an einem Samstag die Wohnung verlassen hat. Das muss wohl damals gewesen sein, als man einen Flieger erwischen musste. Der Tag ist auf jeden Fall ein guter, musste man wirklich erst durch die Hölle gehen, um zu erkennen, wie sehr das eigene Leben Spaß macht? Egal! Man ist guter Dinge, die nächste Woche wird gut, vollgepackt mit Konzerten, Freunden und ganz viel Spaß. Und das Gute daran: Man verpasst Dawson’s Creek, Grey’s Anatomy, OC California und vielleicht sogar Melrose Place.

Um es festzuhalten: Die sieben Zwerge sind eigentlich 14. Man muss sie nämlich relativ schnell noch einmal kennenlernen. Und das liegt vor allem am Bösesten der kleinen Zeitgenossen: Happy! Hätte man sich durch Happy nicht dazu verleiten lassen, zu glauben alles sei gut. Fazit: es sind 14 Stadien, aber dann, ganz am Ende, ist man wirklich happy. Glaube ich.

Ist man wirklich wieder happy, und alles ist fein, gäbe es so einige Abendveranstaltungen, zu denen man sich hinreißen lassen könnte:

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1 Kommentar

  1. bianca

    …Ja ja Freud und Leid des Krankseins (wobei da das Leid wohl überwiegt). Tränen gelacht beim Lesen, weil sooooo gut nachvollziehbar 🙂 Ja und obwohl man mit dem Alter eindeutig weiß, dass Dawson’s Creek (gelinde gesagt) ein Schmarrn ist, schaut man sich diese völlig pseudointellektuelle “wir-verstehen-die-welt-mit 17-obwohl-wir-Schauspieler-eh-schon-an-die-30-anschrammen-und-auch-so-aussehen-Serie” an, um sich bestätigt zu fühlen, was man schon selbst als junger Mensch wusste: es ist und bleibt ein Schmarrn 🙂
    Freu mich schon auf deinen nächsten Beitrag!

Kommentare sind geschlossen.