Ein Interview mit Broilers Schlagzeuger Andi

Broilers Winter Tour Interview Tour Ticket Tickets (sic!) Graz Linz 2017

Die Punk-Band Broilers veröffentlichte im Februar ihre neue Platte “(sic!)” – “wirklich so”. Dahinter steckt wieder jede Menge politische Motivation. Abgesehen davon aber auch viel Potenzial für eine großartige Winter-Tour. Wir haben mit Schlagzeuger Andi geplaudert.

“Wir verstehen uns als Musikband, aber als Musikband, die aus Menschen besteht.”

Mit Graz am 18. und Linz am 19. November startet ihr eure Winter-Tour. Warum in Österreich?

Dies ist ein wenig darin begründet, dass wir in Österreich noch nicht die Größe haben, die wir in Deutschland haben. Also sind auch die Hallen etwas kleiner und das gibt uns vor allem am Anfang der Tour ein bisschen mehr Sicherheit, als wenn wir in Düsseldorf vor 13.000 Leuten starten würden.

Ihr seid generell auch schon öfter in Österreich gewesen. Was ist euch in Erinnerung geblieben?

Wir haben schon relativ früh angefangen in Österreich zu spielen: Immer wieder gerne in der Wiener Arena. Es hat viel Spaß gemacht, auf jeden Fall so viel, dass wir gern wiederkommen.

Was war euer peinlichstes Tour-Erlebnis?

Unser peinlichstes Tour-Erlebnis ist uns tatsächlich in Österreich passiert. Wir haben vor der Bühne immer einen Vorhang, der beim ersten Ton runter fallen soll. Und an dem Abend ist das nicht passiert, sondern das Ding blieb einfach da oben hängen und das war schon sehr peinlich. Wir haben überhaupt nicht gewusst, was wir machen sollen – Weiterspielen, Aufhören oder nochmal anfangen? Dann haben die Leute in den ersten Reihen sogar angefangen an dem Vorhang zu ziehen, so dass beinahe die Träger mit runter gefallen wären. Wir haben dann versucht das Beste daraus zu machen und das ist auch nochmal gut gegangen.

Was war euer epischter Tour-Hangover aller Zeiten?

Meiner zumindest war in Leipzig. Das ist allerdings schon ein paar Jahre her. Und zwar haben wir in Leipzig gespielt und hätten am nächsten Tag einen Off-Day gehabt. Wir wollten uns eigentlich noch die Stadt anschauen. Ich bin aber damals mit unserem Booker und Freund Timo noch durch die Läden gezogen und hab den kompletten nächsten Tag und die nächste Nacht verpennt und gefühlt 72 Stunden geschlafen. So derbst verkatert war ich. Die anderen sind dann am nächsten Tag Essen gegangen und dem Ron, unserem Gitarristen, ging es auch nicht viel besser als mir. Der ist während des Essens eingeschlafen. Damals haben wir noch ein bisschen mehr getrunken als heute.

Was war das beste Konzert, das ihr jemals gespielt habt?

Für mich ist das echt schwierig zu beantworten, aber eines der Konzerte, die einfach besonders in Erinnerung geblieben sind war vor ein paar Jahren in der Philipshalle in Düsseldorf. Das ist so eine Halle, in der wir schon immer spielen wollten. Seit wir 12 Jahre alt waren etwa. Und wir haben gesagt: “Irgendwann werden wir mal in dieser Halle spielen”. Und wir haben dann sogar an zwei aufeinander folgenden Tagen dort gespielt. Als das geklappt hat ging schon so ein Kindheitstraum in Erfüllung. Das war auf jeden Fall einer der ganz besonderen Momente der Bandgeschichte.

Womit wurdet ihr schon alles auf der Bühne beworfen?

Natürlich so Klassiker wie Becher mit Bier oder anderem Inhalt, den wir lieber nicht wissen wollen. Und auch BH’s. Leider mehr Bierbecher als BH’s. Blumen immer mal wieder. Hähnchen – Gott sei Dank nicht so häufig. Aber vor allem am Anfang kam das vor. Gebratene Hähnchen, Hähnchenschenkel. Da haben wir am Anfang gut und gerne mal was abbekommen.

<
>

Ihr nutzt eure Bühne und Aufmerksamkeit auch für politische Themen. Versteht ihr euch als Kunst- oder Politik-Projekt oder vereint ihr beides?

Wir verstehen uns als Musikband, aber als Musikband, die aus Menschen besteht. Und Menschen haben eben auch immer eine politische Meinung und die wollen wir auch kundtun, so wie alle Menschen ihre Meinung irgendwie kundtun wollen. Wir haben das Glück, dass wir die Bühne und die Musik als Sprachrohr nutzen können und vielleicht auch den einen oder anderen erreichen. Wir sind der Meinung dass Kunst immer schon die Aufgabe hatte die Leute zum Nachdenken und Reflektieren anzuregen. Und wenn wir das nur bei ein paar Leuten schaffen, dann haben wir auf jeden Fall schon etwas erreicht!

Gibt es bereits Resonanzen von Leuten, die ihr erreicht habt?

Persönlich ist bisher noch keiner auf uns zugekommen. Aber es ist natürlich schon so, dass man etwas auf Facebook postet, Statements schreibt oder Musikvideos veröffentlicht. Da kommen relativ schnell viele Leute, die etwas darunter schreiben. Da hat man natürlich Input von beiden Seiten, sowohl welche die darüber hetzen oder sich beschweren, warum wir als Band unseren Mund aufmachen und politische Reden schwingen, als auch Leute, die dann die Kommentar-Funktion nutzen, um mit diesen Leuten zu diskutieren. Manchmal ergibt sich da schon eine ernsthafte Diskussion. Das bekommen wir mit und das lesen wir auch und finden wir super. Vor allem, wenn es irgendwie weiter geht als bloßer Hate von beiden Seiten.

Ihr warnt aktuell vor Nationalsozialismus und Rassismus. Das neue Album ist wieder politischer als das vorherige. Wie beurteilt ihr die aktuelle Stimmung in der Gesellschaft?

Die aktuelle Stimmung in der Gesellschaft finden wir echt kritisch, weil von allen Seiten versucht wird zu spalten. Keiner möchte mehr miteinander reden. Alle reden nur noch gegen- und übereinander. Alle haben auf einmal Angst vor Fremden oder dass man irgendwie was vom Kuchen abgeben müsste. Und anstatt Lösungen zu finden, werden Parteien in den Bundestag gewählt, die eigentlich nur daran interessiert sind die Spaltung weiter voran zu treiben und Skandale zu generieren. Das finden wir ganz schlimm und wir wollen da auch ein offenes Auge behalten, um was dagegen zu tun.

Und was tut ihr in Zukunft dagegen?

Das wird sich zeigen. Wir sind keine Band, die sich einen Leitfaden für die nächsten fünf Jahre zurechtlegt. Wir schreiben einfach über Themen, die uns im Moment beschäftigen. Und das werden wir auch in Zukunft so machen. Auch unsere neueste Platte “(sic!)” ist einfach eine Reaktion auf die Situation, die wir im Moment haben. Und es wird sich zeigen, ob sich diese noch weiter verschärft. Dann wird uns das auf jeden Fall auch noch weiterhin beschäftigen und dann werden wir das natürlich auch weiterhin in unsere Texte aufnehmen.

Welcher ist für dich der beste bzw. aussagekräftigste Song der neuen Platte “(sic!”)?

Es gibt eigentlich gleich zwei Nummern, die ich nennen würde. Einmal “Keine Hymnen heute” zusammen mit dem recht drastischen Video, das wir dazu veröffentlicht haben. Das fasst eigentlich auch genau das zusammen, über was wir in den letzten Fragen gesprochen haben. Außerdem find ich “Ihr da oben” sehr gut. Der Text berührt mich sehr und da kann man schon mal ne Fliege ins Auge kriegen.

Worauf können sich Fans freuen, die eure Winter-Tour Konzerte besuchen werden?

Wir fangen grade wieder an zu proben und ich denke, dass wir einfach sehr sicher sind, in dem was wir machen. Deshalb sind wir auch locker auf der Bühne, können Spaß haben und wollen auch mit den Leuten zusammen einen trinken. Ich glaub darauf können sich die Leute freuen – auf eine entspannte Show mit fünf bis acht betrunkenen Broilers.

Tickets gibt’s ab sofort bei uns! Jetzt Broilers-Tickets sichern!

Der Beitrag gefällt dir? Jetzt teilen!