Iron Maiden – The Book Of Souls

Bruce Dickinson hat den Krebs besiegt, Eddie taucht in die Kultur der Mayas ein – und die britischen Heavy-Metal-Heroen Iron Maiden legen nach fünf Jahren Wartezeit mit “The Book Of Souls” das bisher längste Album ihrer Karriere vor – und vielleicht sogar das beste seit “Brave New World”.

 

Iron Maiden leibhaftig zu erleben ist wie der (sonn-)tägliche Kirchengang für ein betagtes Mutterl, eine neue Scheibe: eine Absolution, zumindest für einen Moment. Insbesondere, seitdem sich die Briten mit der Wiederkehr von Dickinson und Smith 2000 – dem bereits besungenen Ikarus („Piece Of Mind“, eine Anspielung finden wir bei „The Red And The Black“) gleich – erneut in luftige Höhen schwangen, selbst in Zeiten, als der ehrwürdige Heavy Metal als tot verdammt wurde, moderne Klassiker ablieferten. Gerade „Book Of Souls“ lässt abermalig wundern, wie eine doch antiquarische Band nach wie vor derart substanziell zu klingen vermag, gerade im Kontext Dickinsons’ Krebserkrankung.

Schnörkellos von Kevin Shirley in Szene gesetzt, haben wir hier ein organisches Epos vorliegen, das der Überlänge zum Trotz auch mit Prägnanz zu glänzen vermag; Bei all der Progressivität und den überbordenden, tonalen Kontinua (das opereske „Empire Of The Clouds“ mit Dickinson erstmalig am Piano), geriet „Book Of Souls“ pointiert monströs („When The River Runs Deep“), gar unheilbringend („The Man Of Sorrows“) und ungeachtet aller Psychedelik schier zermalmend („If Eternity Should Fail“). Mit “Tears Of A Clown” finden wir zudem auch ein besonders berührendes Stück auf der aktuellen Platte – mit Widmung an Robin Williams: “Ich frage mich, wie er so stark unter Depressionen leiden konnte, wenn er doch nach außen hin so glücklich wirkte”, reflektiert Dickinson im Corriere Della Sera. Ob die aphoristischen Momente – die Leadsingle „Speed Of Light“ oder „Death Or Glory“ – alleinstehend über ausreichend Hymnencharakter verfügen, bleibt jedoch abzuwarten. Die Stärke liegt eindeutig in der Epik. Hoffentlich leiden möglichst wenige Anhänger der Foltermaschinerie an ADHS.

 

Adrian Smith (g) / Janick Gers (g) / Bruce Dickinson (v, p) / Steve Harris (b) / Dave Murray (g) / Nicko McBrain (dr)

 

Iron_Maiden_The_Book_Of_Souls_Album_CoverDisc 1

1) If Eternity Should Fail (Dickinson) 8:28
2) Speed Of Light (Smith / Dickinson) 5:01
3) The Great Unknown (Smith / Harris) 6:36
4) The Red And The Black (Harris) 13:33
5) When The River Runs Deep (Smith / Harris) 5:52
6) The Book Of Souls (Gers / Harris) 10:27

Disc 2

7) Death Or Glory (Smith / Dickinson) 5:13
8) Shadows Of The Valley (Gers / Harris) 7:32
9) Tears Of A Clown (Smith / Harris) 4:59
10) The Man Of Sorrows (Murray / Harris) 6:28
11) Empire Of The Clouds (Dickinson) 18:01

Produced & Mixed by Kevin “Caveman” Shirley at Guillaume Tell Studios, Paris
Cover Illustration by Mark Wilkinson (u.a. “The Wicker Man”, “Out Of The Silent Planet”, “Best of the ‘B’-Sides” & “Live at Donington” 1998 remastered version)

Iron Maiden

Die Deluxe-Version gibt es zum Beispiel bei EMP.

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