JENNIFER ROSTOCK machen euch schlaflos

Soeben erschien Schlaflos, das neue Werk der sympathischen Rocker rund um Frontfrau Jennifer Weist. Ob ihre Musik radiotauglich, Tattoos massentauglich und so einiges mehr, verraten uns Jennifer, Joe und Christoph.

Radiosender und Jennifer Rostock – wie sieht denn das in Deutschland aus? Gibt es da Rocksender, die Schlaflos spielen würden?

Jennifer: Wir haben ja noch nie so wirklich im Radio stattgefunden. Es entwickelt sich eher dahin, dass Radio uns mittlerweile egal ist. Unsere Musik muss ja auch uns repräsentieren und nicht das, was ein Radiosender von uns hören will.

Joe: Ich bekomme auch immer wieder Updates, wie es läuft im Radio – und es läuft miserabel, weil uns keiner spielt. Aber das ist okay, weil wir mittlerweile wissen, dass dennoch viele Menschen zu unseren Konzerten kommen, auch wenn wir nicht im Radio rauf und runter gespielt werden – und ums Konzerte spielen geht es uns ja auch.

Christoph: Man sieht sich jetzt auch nicht wirklich zwischen „den 80ern, den 90ern und dem Besten von heute“. Einen bundesweit übergreifenden Rock-Radiosender gibt es übrigens nicht.

Joe: Es gibt ein paar regionale Jugendsender, wo wir stattfinden, was auch sehr schön ist.

Jennifer: Prinzipiell würden wir aber nie irgendwas machen, nur um im Radio zu sein – das einfach nur Schwachsinn.

Christoph: Mir kommt vor, ihr habt bessere Radiosender als wir …

In euren Songtexten verständigt ihr euch ja meistens in Metaphern. Auch im echten Leben?

Jennifer: Das wäre total lustig, wenn wir das machen würden.

Joe: Im richtigen Leben sind wir dann schon eher direkter. Texte sind eine Chance, dem Zuhörer ein bisschen mehr zu geben, sodass er vielleicht beim 50. Mal hören noch etwas Neues entdeckt, oder auf einen neuen Zusammenhang stößt. Man braucht natürlich viel länger, um so einen Song zu texten, aber das kann man sich schon mal zumuten, ein bisschen mehr Arbeit in die Texte zu investieren. Dann sind wir übrigens auch wieder bei so einem Ding, das im Radio nicht so gut funktioniert …

Wie sieht denn euer politisches Engagement als Band aus?

Jennifer: Naja, wir sind ja keiner Partei oder so beigetreten …

Christoph: Es gibt bei der Bezeichnung „politisches Engagement“ ja so viele Subkategorien. Wir geben niemandem eine Meinung vor, aber vielleicht Denkanstöße.

Joe: Wir möchten einfach über wichtige Themen reden. Politisch ist – wie gesagt – ein sehr weiter Begriff. Wir werden natürlich nicht parteipolitisch, es gibt aber Dinge, die über Tagespolitik hinaus gehen, und die etwas mit Selbstverständnis von Menschlichkeit zu tun haben. Ich muss jetzt nicht Politiker sein, um Verstand zu haben und meine Meinung zu sagen.

Jennifer:  Ich finde auch, das sollten viel mehr Musiker machen. Man kann ein Vorbild sein und man gibt Denkanstöße für Leute, die gar nicht wissen, was eigentlich genau passiert auf der Welt.

Christoph: Ich glaube, es gibt auch sehr viele Musiker, die Angst davor haben, eine Meinung zu haben. Das macht es dann auch im Radio wieder schwieriger …

Habt ihr eigentlich auch die Möglichkeit, über den deutschsprachigen Raum hinaus bekannt zu werden?

Joe: Das geht nicht. Es gibt auch immer wieder die Überlegung bzw. Anstöße von außen, auf Englisch zu singen. Wir konzentrieren uns lieber auf das, was wir gerade machen. Wir touren durch Deutschland und Österreich und spielen jeden Abend vor über 1.000 Leuten. Ich glaube wir können ganz froh sein, mit den Fans, die wir haben. Wie schließen nicht komplett aus, es irgendwann mal zu probieren – aber jetzt gerade, sind wir weit davon entfernt.

Jennifer und Christoph, ihr seid ja stark tätowiert und habt auch ein Bandtattoo. Wie sieht es denn mit Vorurteilen in Deutschland aus?

Jennifer:  Also als Friseurin dürfte ich z.B. arbeiten – das wäre kein Problem. Oder in der Altenpflege, oder irgendetwas mit Kindern. Es gibt halt auch viele Stellen, die man verstecken kann. Ich glaube, das machen auch ziemlich viele. Man muss sich ja nicht den Hals zuhacken lassen – man kann ja mal mit dem Rücken beginnen, den sieht man ja nicht.

Christoph: Aber ich glaube, die Entwicklung geht auch dorthin, dass immer mehr Toleranz herrscht mittlerweile.

Joe: Es ist ja auch totaler Quatsch! Das ist wirklich so offensichtlich Unsinn, dass man in gewissen Berufen einfach keine Chance hat, weil man Tattoos hat …

Christoph: Naja, man kann es insofern schon verstehen, weil die Generation, die einstellt, noch die Vorurteile hat … das ändert sich aber langsam.

Joe: Es ist genauso, als würdest du Leute wegen ihrer Haarfarbe nicht einstellen.

Christoph: Natürlich ist es Quatsch. Aber wenn du zum Beispiel in der Sparkasse arbeitest und deine Omis bedienst …

Jennifer:  Aber bald kommt die Generation, wo wir dann mit unseren Kindern zum Elterntag gehen und dann sind alle Eltern tätowiert.

Habt ihr irgendwelche Tipps für den musikalischen Nachwuchs?

Joe: Tipps, die ältere Bands jungen geben, bringen nicht sehr viel. Es gibt keine Band, die erfolreich ist, weil sie einen guten Tipp einer anderen Band befolgt hat.

Jennifer: Das haben wir ja auch selbst festgestellt.

Joe: Jede Band muss ihre eigenen Fehler machen und ihren eigenen Weg finden.

Jennifer: Also ein guter Tipp ist: Finde deinen eigenen Weg! Und bleib so wie du bist. Wenn wir uns verstellt hätten und nicht unseren eigenen Weg gegangen wären, wären wir nicht dort, wo wir heute sind.

Christoph: Wichtig ist, nicht auf andere zu hören und sich nicht in irgendeine Richtung zu verbiegen. Einfach mal rumkommen und spielen. Konzerte, Konzerte, Konzerte!

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