Joe Jackson trifft Duke Ellington

Bereits mehrmals in seiner langen Karriere hat sich der Brite mit Wohnsitz in Berlin die Songs berühmter Kollegen vorgenommen und sie mit seiner eigenen Klangfarbe versehen. Nun legt Joe Jackson mit The Duke ein grandioses Werk vor, das sich dem Oevre von Duke Ellington widmet. TICKET hat mit dem Abenteurer in Sachen Musik telefoniert.

TICKET: War es ein großes Wagnis, sich den Songs des Duke anzunähern?

Joe Jackson: Ja, das war es auf jeden Fall! Es musste ein Abenteuer sein und hat eine Menge Spaß gemacht. Ich wollte das Ganze nicht zu ernst angehen und mich Duke Ellington nicht wie einem Heiligen zu nähern und ihn zu verehren.

TICKET: Ich nehme an, du hattest vor den Aufnahmen eine gehörige Portion Respekt vor Ellington. Wie überwindet man die Scheu?

Joe: Ich habe mir eingeredet, dass es ihm weder weh tun wird, noch, dass er sich wehren kann, egal, was ich auch mit den Songs anstelle. (lacht) Er ist sowieso unsterblich und wird es auch bleiben. Wenn jemand mit meiner Interpretation ein Problem hat… fuck it!

TICKET: Interessant ist, dass du die dominanten Bläser durch Keyboards und andere Instrumente ersetzt hast und auf eine Horn-Section komplett verzichtest.

Joe: Das war einer der lustigsten Aspekte und gleichzeitig einer der wichtigsten. Keine Bläser. Diese Regel habe ich bereits am Beginn definiert. Manchmal ist es gut, sich selbst zu beschränken, um die Kreativität zu fördern. Es zwang mich, mehr nachzudenken. Freiheit macht bei diesem Prozess wenig Sinn, denn es muss gewisse Strukturen geben.

TICKET: Wie kamst du auf die Idee, Original-Songs zu Medleys zusammenzufügen?

Joe: Das hat mir die Möglichkeit eröffnet, die Originale aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Welcher Song lässt sich mit einem anderen kombinieren? So konnte ich mehr herumspielen, was die Arrangements betrifft. Bevor es LPs gab, musste sich Ellington ja auf drei Minuten lange Musikstücke beschränken, und in diesen drei Minuten hat er Grandioses geschaffen! Er ändert Klangfarben und Stimmungen. Außerdem konnte ich so mehr Originaltitel auf ein Album packen, in dem ich zwei, drei Songs zu einem zusammengefasst habe.

TICKET: Du hast einige hochkarätige Gastmusiker auf The Duke. Wenn man an Ellington denkt, kommt man nicht auf die Idee, dass Iggy Pop Jazz singen könnte.

Joe: Solche Entscheidungen treffe ich intuitiv. Eigentlich wollte ich den Song selbst singen, ich experimentierte mit einer tieferen Tonlage. Auf ein Mal hatte ich dann Iggy Pops Stimme in meinem Kopf und dachte, es wäre cool, ihn dabei zu haben. Ich hatte ihn einige Male zuvor getroffen und war mir sicher, dass er gerne dabei wäre. Er hatte viel Spaß und investierte eine Menge Zeit in die Aufnahmen.

TICKET: Ähnliches gilt für Rock-Gitarrist Steve Vai, der einen hervorragenden Blues abliefert.

Joe: Ich versuche, das Offensichtliche zu vermeiden. Er ist übrigens ein großer Ellington-Fan und er mag auch meine Musik sehr, was mich überaus erstaunt hat.

TICKET: Was darf man von deinen anstehenden Konzerten erwarten?

Joe: Es gilt das Motto: erwartet nichts, seid auf alles gefasst! Der Schwerpunkt liegt sicher beim aktuellen Album, aber ich werde auch viele meiner eigenen Stücke spielen.

Interview: Alexander Haide

Live: 

Was genau man bei seinen Live Konzerten erwarten kann, sieht bzw. hört man sich am besten selbst an, wenn Joe Jackson and The Bigger Band feat. Regina Carter am 14. Oktober ins Orpheum nach Graz kommen.

The Duke ist bei earMusic erschienen.

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